Ausnahmsweise mal was über Sport. Oder das, was ich im fortgeschrittenen Alter dafür halte. Heute sehr fiese Strecke. Zum Frühstück einen Dachsriegel, vor dem Mittagessen das Tanneneck und dann die Arberstraße. Der lange Berg am Schluß, wenn die Beinchen schon müde sind. Laktatparty. Das muss man wollen. Stellt Euch also einen Sprinter vor, der auf ner Bergetappe irgendwie in der Karenzzeit ankommen will. Und das in Superzeitlupe, so etwa. Vor der Dunkelheit ankommen, darum gehts bei mir. Mein Ein-Mann-Gruppetto startet also megamoderat. Um dann kontinuierlich langsamer zu werden. Hab ich bei der Tour gelernt: „Bist du nicht vorn, spare jedes Korn.“ Andernfalls droht, was man nur mit einem schöngeistigen Spruch beschreiben kann: „Hast du einmal den Sack in der Kette, wird’s richtig schwer.“

Als höchste Passage im bayrischen Wald hätte die Arberstraße das Zeug zu einer klassischen Radstrecke. Aber ich weiß nicht… kaum Aussicht, breite Autobahn, entsprechend Verkehr, sogar an einem Donnerstag im Herbst. Der Bayernwald ist an vielen Stellen so viel schöner. Schön ja der Arbersee. Aber halt Postkarte und draußen nur Kännchen. Tretboote kann man auch chartern. Aber ehrlich, ich hätt ich keine Runde hinbekommen. Ich wär unter lauter Rentnern der Erste gewesen, den sie dort bei schönstem Sonnenschein manövrierunfähig hätten ans Ufer schleppen müssen. Gerne hätte ich die Touristen am Arbersee darauf hingewiesen, dass Bad Brambach viel schöner ist. Aber wer hätte den Radler im orangen Cape zugehört? Ich hätte ebenso einen Wachturm in der Hand halten können. 

Überraschend: Beim Arberaufstieg mochte ich selbst meine eigenen Parolen nicht mehr hören. Von wegen: Man lernt beim Radeln die Landschaft besser kennen, wenn man jedes Prozent bergan oder bergab in den Waden spürt. Ach, Bernd, tret einfach, und denk nicht nach. Drum konzentriere ich mich jetzt auf Laktatabbau. Das Hirn hat Pause, jetzt wird’s esoterisch. Überraschenderweise geht’s nach dem Arbersee noch 200 Höhenmeter hoch. Das hätt ich nicht unbedingt gebraucht. Aber wenn das Hirn abgeschaltet ist, sollte es auch die Beine nicht mehr spüren. Radler-Esoterik klappt nur so semi. Übrigens möchte ich festhalten: Ich gehöre nicht zu denen, die ständig „ihre Grenzen austesten“ wollen. Dieser Sportler- und Motivationssprech liegt mir fern. Wir haben vor vielen Jahren menschenfeindliche Ländergrenzen aufgebrochen. Das sollten wir nie wieder aufs Spiel setzen. Eigene Grenzen hingegen, das ist was anderes, die kann man leicht akzeptieren. Soweit meine 10 Cent Grenzerfahrung. 

Erkenntnis des Tages: Ist schon jemand aufgefallen, dass sich die Wetter-Apps untereinander verschworen haben? Alle, aber auch alle alle alle sagen Dauerregen und eisige Kälte voraus. Ich glaub fast, die sind alle verwandt. Vermutlich mit dem Gates. Wenn ich weitere Indizien habe, meld ich mich wieder, gell. Mein Freund Tim Bandisch macht mich drauf aufmerksam, dass auch Fräulein Menke, die mit dem Tretboot in Seenot geraten war, zu den aktuellen Verschwurblerinnen gehört. Da gibt’s garantiert einen Zusammenhang.  Ich rechne mal die Quersumme der Buchstabenreihenfolge aus. Falls das Hirn wieder anspringt.

Grenzerfahrung (Etappe 12) Tiefenbronn-Stein – Böbrach, 92 km, ca. 1700 Höhenmeter