„Ja, was duad denn ihr doa?“ Wir nahmen den Albanstieg in Begleitung eines eingeborenen Radcracks. Der große Routinier lobte uns gleich für unsere Wahl des schönsten Albaufstiegs der Gegend. Lässt man sich gerne sagen. Wir plauschten bis wir oben waren. „Sauber! Zwei Herren auf dem Weg nach Lugano“, lobte er, der selbst bestens bei Puste war. Es gab kein Zweifel, dass er auch recht hatte mit seiner Empfehlung, sich am folgenden Dreiundzwanzigprozentanstieg auf keinen Fall die Beine kaputt zu machen. „Fahrt‘s doa nach Wehingen lenks, nemm noach Bäratal dr Radwäeg, iber Fridenga schee durchs Donaudal“ Hinterher würd ich sagen: Dreiundzwanzig Prozent wären es nicht gewesen, und er hätte gerne erwähnen können, dass sein Vorschlag einen Umweg von schlappen dreißig Kilometer ausmachte. Schön war’s trotzdem. Als Auftaktetappe mit 160 Kilometer definitiv zu lang. Auch die doppelte Vorspeise, die ich mir gestern beim rauschenden Fuffzgerfest meines besten Freundes ergaunerte, war nicht gerade leistungsfördernd. Zugegeben: Das leichtlockere Sahnesößle verschärfte die Misere zusätzlich. Man hatte einen Liter davon in einen Eimer Tagliatelle gegossen und den gesamten Inhalt auf ein Teller gestülpt. Das bekamen wir zum Sportlermittag im herzhaften Balingen serviert. Dergestalt sind wir beide Ex-Bohnenstangen, der Michael Luz und ich, auf dem Weg an den Luganer See. Parole Gewichtsreduktion. Natürlich nicht überstürzt. Bloß kein Dominoeffekt riskieren. Das klappt allerdings nur, wenn die Bergpässe geräumt sind. Drum Passkontrolle. Die Idee stammt von Michl, dem alten Dramaturgen. Klar bin ich dabei, über Tü- und Tuttlingen, über die Albkante und die unendlichen Längen wildromantischer Schlängelradwege der Albtäler. Von Kennern empfohlen, von Waden gefürchtet. Erkenntnis des Tages: Vorgärten ohne Flamingos gehen gar nicht. Dagegen kann man aktuell auf bunte Kugeln verzichten. Auch der obligate Gabion wird rückgebaut. Damit jeder den Flamingo sehen kann.

Tappa uno: Stuttgart-Tuttlingen
160 km

Albradweg
Der Tagesfilm von Michl