Mitschnitt des Diskussionsabends im VfB-Fanprojekt Stuttgart.
„Schiri, wir wissen, wo Dein Auto steht“

Die Gäste

– Dr. Thaya Vester (Autorin einer wissenschaftlichen Langzeitstudie zum Thema Sicherheitsgefühl und Opferwerdung von Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern im Amateurfußball)
– Marc List (Schiedsrichter im Bereich des Württembergischen Fußballverbandes und in der Schiedsrichterweiterbildung zuständig für Deeskalationskurse)
– Alex Feuerherdt (Lehrwart Mitglied des Schiedsrichterausschusses des Fußballkreises Köln, Mitbetreiber des Schiedsrichter-Podcast Collinas Erben
– Urs Meier (ehemaliger FIFA Schiedsrichter und langjähriger Schiedsrichter-Experte im ZDF)

Die Themen

– Fehlt die Wertschätzung gegenüber Schiedsrichtern?
– Nimmt die Gewalt gegenüber den Unparteiischen wirklich zu?
– Fehlt Anstand auf dem Platz?
– Gibt es ein Recht auf Emotion?
– Warum mangelt es an Schiedsrichtern? Insbesondere an Schiedsrichterinnen?
– Brauchen wir eine kulturelle Veränderung auf den Platz?
– Liegt das Schiedsrichterproblem des Fußballs an der Selektion der Schiedsrichter und an ihrer Ausbildung?
– Hilft der VAR den Schiedsrichtern wirklich?

Der Mitschnitt

v.l.n.r: Bernd Sautter, Alex Feuerherdt, Dr. Thaya Vester, Urs Meier, Marc List
Alex Feuerherdt
Urs Meier

Seit jeher wird über Schiedsrichter und ihre Tatsachenentscheidungen diskutiert – in den letzten Wochen mit zunehmender Intensität. Im VfB-Fanprojekt kommen die Experten zu Wort – unter anderem der Schweizer FIFA-Referee Urs Meier, der ein Finale der Championsleague und ein WM-Halbfinale leitete und Alex Feuerherdt von Deutschlands führendem Schiedsrichter-Podcast Collinas Erben. 

Alte Weisheit: Wenn die Schiedsrichter im Mittelpunkt stehen, läuft etwas schief beim Kicken. Inzwischen gilt das auf mehreren Ebenen. Im Profi-Bereich drehen sich die Diskussionen um die Videotechnik. Der Video Assistent Referee sorgt nicht immer für die gewünschte Eindeutigkeit. Vielmehr stellt die Technik die Spielregeln auf den Prüfstand. Bei Abseits wird über kalibrierte Linien gestritten, beim Handspiel über natürliche Körperhaltung. Erleichtert die Technologie den Schiedsrichtern ihren Job – oder bringt sie das Publikum unnötig auf die Palme? Das Lamento auf den Tribünen wird jedenfalls immer lauter. 

Auch im Amateurbereich wird die Lage prekär. Der Anstand geht zusehends verloren. Ob die Gewalt gegen Schiedsrichter wirklich zunimmt, ist schwer messbar. Fest steht: Brutale Aktionen gegen die Unparteiischen machen in sozialen Medien die Runde. Kaum verwunderlich, dass ein Nachwuchsproblem immer offenkundiger wird. In anderen Städten wurden Spieltage abgesetzt, weil man keine Referees auftreiben konnte. Apropos: Wie steht es eigentlich um Schiedsrichterinnen?

Ganz allgemein wird beklagt, dass der Anstand auf dem Fußballplatz schwindet. Jugendtrainern predigen dem Nachwuchs dem Schiedsrichter zu respektieren. Wenn die Jungen ein Bundesligaspiel anschauen, ist jede Achtung wieder verschwunden. Auch der Vergleich mit anderen Sportarten ist interessant. Die Frage bleibt: Läuft im Fußball etwas in die völlig verkehrte Richtung? Oder steht er nur ohnmächtig den Problem gegenüber, die in der Gesellschaft im Argen liegen? 

Die hochkarätig besetzte Runde im VfB-Fanprojekt wird all diese Themen besprechen. Aus der Schweiz kommt Ex-FIFA-Schiedsrichter Urs Meier, der als ZDF-Experte längst bundesweit bekannt ist. Vom Deutschlands führendem Schiedsrichter-Podcast „Collinas Erben“ ist Alex Feuerherdt zu Gast. Die  württembergische Perspektive wird von wfv-Schiedsrichter Marc List ergänzt.

Fußballautor Bernd Sautter moderiert. Der FC PlayFair! unterstützt die Veranstaltung.

Podiumsdiskussion im VfB-Fanprojekt

Schiri, wir wissen wo Dein Auto steht. 

VfB-Fanprojekt, Hauptstätter Str. 41, Stuttgart

23. Januar 2020, 19.30 Uhr.

Die beste Nichtlesung aller Zeiten – echt jetzt? Wer sagt das? Nicht ich. Die hymnische Einordnung des Abends formulierte der VfB-Blog vertikalpass in einem Tweet. Falls es tatsächlich so sein sollte: Es liegt nicht an mir und meinem Buch, dass die Präsentation so unterhaltsam wurde. Das lag einzig und allein an den bemerkenswerten Gästen, die (Lebens-) Geschichten erzählten, bei dem manchen Zuhörern der Mund vor Staunen offen blieb. Manchmal auch vor lauter Lachen.

Tatsächlich wurde der Abend vermutlich deshalb so gut besprochen, weil ich mein Versprechen einlöste und keine einzige der 100 Geschichten aus dem Buch vortrug. Je länger ich darüber nachdachte, desto konsequenter fand ich die Idee: Nicht lesen, sondern erzählen lassen. Wenn wir uns schon im Fanprojekt treffen, so dachte ich weiter, lass ich besser diejenigen berichten, die die Anekdoten und Geschichten selbst erlebten. Bitteschön…

Reiner Fricke

Historiker Reiner Fricke beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Arbeiterfußball. Seine Informationen hat er dabei nicht nur aus Quellen, sondern auch von seinem Vater, der 1931 Goldmedaillengewinner bei der Olympiade der Arbeitersportler in Wien wurde. Die Disziplin ist so erstaunlich wie viele Geschichten rund um die Fußballorganisation, von der viele behaupten, bei denen wurde damals der bessere Fußball gespielt. Schon mal was vom Fußball-Dreikampf gehört? Vater Otto Fricke wurde Olympiasieger. Vielen Dank, lieber Reiner Fricke, für die unterhaltsame Einweisung in eine andere Fußballwelt.

Gojko Cizmic

Ende der sechziger Jahre war Gojko Cizmic bereits mit von der Partie bei den ersten Spielen der legendären Yugoliga. Die Liga gibt’s schon lang nicht mehr. Aber es gibt ja Gojko Cizmic, der Informationen und Erinnerungsstücke an die Zeit dieser merkwürdigen Liga sammelt. Die vielleicht schönsten Stücke seiner Kollektion präsentierte er im Fanprojekt: Geschichten und Anekdoten von damals, als es in Süddeutschland eine Liga gab, die ihre Ergebnisse nicht zum Württembergischen Fußballverband meldete, sondern direkt in die Heimat nach Belgrad. Danke, lieber Gojko, für deine bewegenden Beobachtungen.

Alexander Sollner
Alexander Sollner und Markus Kleber

Das vielleicht berühmteste Tor des Landes hat Alexander Sollner gefangen. Er stand bei Grunbach im Tor, als der TSV in der Kreisliga Pforzheim 2010 beim TSV Wimsheim antreten musste. Grunbach war als Tabellenführer angereist. Ein Sturm zog auf. Der Rest ist das erste YouTube-Meme des deutschen Fußballs. Vielen Dank, lieber Alexander Sollner, dass wir dieses Tor aus der Perspektive des Torhüters erleben durften. Und vielen Dank, lieber Markus Kleber, für deine Darstellung aus der Perspektive dieses von dir gründeten Filmteams namens Die Ligen.

Evelyn Klumpp

Evelyn Klumpp hat schon gekickt, als es den Frauen vom DFB noch verboten wurde. Sie darf als Frau der ersten Stunde gelten, wenn man die Wiedereinführung des Frauenfußballs im Jahr 1970 im Blick hat. Nachdem sie in den siebziger Jahren mit dem VfL Sindelfingen erfolgreich war („Hacki-Wimmer-Typ“) war Klumpp die erste Frau, die in Deutschland den Trainer-B-Schein hatte. Die großen Zeiten des VfL Sindelfingen wären ohne Evelyn Klumpp nicht so golden geworden. Vielen Dank, liebe Evelyn, für deine hochinteressanten Geschichten und für die Analyse des aktuellen Zustand bei wfv und DFB.

Alexander Fangmann

Sechsmal deutscher Fußballmeister. Das muss man erstmal schaffen als Stuttgarter Spieler. Alexander Fangmann wies völlig zurecht darauf hin, dass der VfB nur fünf Meisterschaften holte. Fangmann ist der vielleicht beste Spieler, den der deutsche Blindenfußball je hervorgebracht hat. Der Kapitän der Blindenfußballnationalmannschaft hatte im Herbst mit dem deutschen Team den siebten Platz bei der Europameisterschaft geholt. Vielen lieben Dank, lieber Alexander Fangmann für die Einweisung in eine faszinierende Sportart.

Vielen Dank an meine Gäste. Vielen Dank für die super Vorbereitung von Jörg und Andreas vom Fanprojekt. Vielen Dank für die tollen Bilder an meinen Freund Smail Mast. Und vielen Dank an alle, die mir nachsahen, dass wir fast eine glatte Stunde überzogen hatten. Es war mir eine Ehre.

Volle Hütte im Fanprojekt
Danke, lieber Andreas Kirchner für den warmen Empfang.

Am 22. Oktober präsentiere ich mein neues Buch „Fußballheimat Württemberg“ im VfB-Fanprojekt. Gemeinsam mit den Menschen, die in den Episoden die Hauptrolle spielen – unter anderem eine Wegbereiterin des Frauenfußballs, ein Nationalmannschaftskapitän und ein Amateurtorwart, der im Sturm um die Welt ging.

Hier die offizielle Pressemeldung zur Einladung:

„100 Orte der Erinnerung“ lautet der Untertitel des neuen Buches. Für sein zweites Werk „Fußballheimat Württemberg“ hat der Fußballautor Bolzplätze, Fankneipen und Stadien zwischen Hollenbach und Friedrichshafen gesammelt. Doch die genannten Orte dienen lediglich als Aufhänger. Im Grunde handeln die verschiedenen Kapitel von Ballkünstlern, Vereinsmeiern und anderen schwäbischen Spielmachern, bei denen die Leidenschaft am schönen Spiel im Vordergrund steht. „Meisterschaften und Siege sind nicht die Kriterien“, sagt Sautter über das, was ihn besonders fasziniert hat. „Wer verliert, hat oft die besseren Geschichten zu erzählen.“ 

Selbstverständlich finden sich in „Fußballheimat Württemberg“ alle Meister, Aufsteiger und legendäre Pokalhelden, die das Land hervorgebracht hat. Aber auch Erfinder, Revolutionäre und manche Fußballverrückte haben den Lauf des Balles so nachhaltig verändert, dass sie zu Legenden wurden. Im Fußball spiegelt sich die Zeitgeschichte. Im Großen und im Kleinen, zum Beispiel in der winzigsten Tribüne des Landes und im Acker, über den die schlechteste Mannschaft Deutschlands pflügte.

Zur Buchpräsentation wird sich der Autor mit den Akteurinnen und Akteuren unterhalten, deren Geschichten über das Spielfeld hinaus reichen: Evelyn Klumpp, die dem Frauenfußball im Land kräftig Beine gemacht hat, Dr. Reiner Fricke, Sohn eines der besten Arbeiterfußballers aus den Roaring Twenties, Gojko Cizmic, Zeitzeuge und Archivar der legendären Yugoliga, Alexander Fangmann, Kapitän der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft, sowie Alexander Sollner, der als Kreisligatorwart weltweit für Aufsehen sorgte.

Die Präsentation

Fußballheimat Baden-Württemberg

Buchpräsentation mit Gästen im VfB-Fanprojekt

Dienstag, 22. Oktober 2019, 19.30 Uhr

im VfB-Fanprojekt, Hauptstätter Straße 41

Fußballheimat Württemberg

Seit Jahren versuche ich ein Buch zu veröffentlichen, welches ohne Rasen auf dem Cover auskommt. Was soll ich sagen? Schon wieder gescheitert.

Jedoch gerne und aus gutem Grund: Mit großem Vergnügen reihe ich mich ein in die bestehende Fußballheimat-Serie aus dem Arete Verlag. Die Titel „Fußballheimat Franken“ und „Fußballheimat Südbayern“ liegen bereits vor. Der sportliche Anstand gebührt es, sich an die vorgegebenen Regeln zu halten. Gern geschehen, lieber Arete Verlag.

Selbstverständlich sind auch bei der Fußballheimat aller guten Dinge das Dritte. Keine Frage: Der Württemberg-Band darf als absolutes Highlight der Serie gelten. So sieht man das zumindest in meiner Fußballheimat. Das Buch erscheint im Oktober. Weitere, total objektive Informationen – frei von jedem Lokalpatriotismus – stehen in der beigefügten Pressemeldung des Arete Verlages, die ich im folgenden zitiere:

Fußballheimat Württemberg – mehr als Titel, Tore und Triumphe

Wer sich auf eine Fußball-Reise durchs Ländle begibt, entdeckt alle schwäbischen Klischees, aber auch vieles, mit dem niemand rechnen konnte. So stößt man auf eine Geburtsstätte des deutschen Fußballs in Cannstatt. Man entdeckt die Keimzelle der taktischen Revolution in Ruit und stolpert über einen Verein, der dreimal Süddeutscher Meister wurde, aber nicht VfB heißt. 

Die Schauplätze der „Fußballheimat Württemberg“ liegen zwischen Bundesliga und Kreisklasse, zwischen Komödie und Tragödie, zwischen Vereinsheim und Trainingslager. Württembergische Fußballgeschichte wird nämlich überall geschrieben: auf der winzigsten Tribüne und im Acker, über den die schlechteste Mannschaft Deutschlands pflügte. 

Um diese Fußballheimat zu erkunden, reiste Bernd Sautter quer durchs Land, schwätzte mit Fans, Freaks und Funktionären. Herausgekommen sind originelle100 Orte in Wort und Bild, die die Menschen in Württemberg auch emotional beweg(t)en. 

Bernd Sautter, der sich bereits mit dem Buch „Heimspiele Baden-Würrtemberg“ als Kenner der hiesigen Fußballszene erwiesen hat, steht für Lesungen zur Verfügung. 

Offizielle Buchvorstellung mit prominenten Zeitzeugen am 22.10.2019 um 19.30 Uhr im VfB-Fanprojekt, Hauptstätter Str. 41, 70173 Stuttgart. 

Selten erscheint die Tradition so aktuell wie in diesen Tagen. Der VfB Stuttgart steckt in der Krise – und es ist weit mehr als eine Ergebniskrise. Fußballhistoriker Hardy Grüne, Sportmarketing-Experte Prof. André Bühler und VfB-Podcaster Martin Harsch diskutieren über Geschichte und Werte – und darüber, wie sich ein großer Verein verhalten sollte. Was steckt eigentlich im Brustring?

Der VfB Stuttgart steckt in einer sportlichen Krise, die sich rasant zu einer Führungskrise entwickelt. Nicht nur über sportliche Belange wird gestritten. Auch über Stil, Strukturen und gesellschaftliche Verantwortung wird heiß diskutiert. Vor diesem Hintergrund fragen sich Fans, wofür der VfB eigentlich steht – eine Frage, die immer dann aufkommt, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt.

Der Verein selbst sieht sich traditionell als fußballerische Vertretung für Württemberg. Stets wird der Brustring plakativ nach vorne gestellt. Doch die Frage nach der Tradition kennt nicht nur grafische und geografische Antworten. Gesucht sind Werte, die der Verein lebt. Mit Michael Reschke und seiner plakativen Haltung zum Thema Wahrheit wollen sich viele nicht identifizieren. Was bleibt also übrig, wenn der sportliche Erfolg mangels Leistung ausfällt? Wie nimmt der Verein seine gesellschaftliche Verantwortung neben dem Spielfeld wahr? Was steckt eigentlich im Brustring? Um die Fragen rund um Fußballtradition im Allgemeinen und die Tradition im Besonderen zu diskutieren, treffen sich im Stuttgarter VfB-Fanprojekt Experten aus verschiedenen Fachgebieten.

Hardy Grüne

Hardy Grüne, der vielleicht prominenteste Fußballhistoriker Deutschlands, hat nicht nur den VfB im Blick. Als Herausgeber der Zeitschrift Zeitspiel setzt er sich damit auseinander, in wie weit traditionelle Werte im modernen Fußball überleben. Hardy Grüne reist zu Fußballspielen in aller Welt und stöbert in den Archiven um die Geschichte des Spieles festzuhalten.

 

 

Prof. André BühlerProf. Dr. André Bühler vertritt die Perspektive des Marketingexperten. Als Direktor des deutschen Instituts für Sportmarketing beschäftigt er sich mit der Art und Weise, mit der Tradition im täglichen Sportbusiness greifbar wird. Er ist der Überzeugung, dass die Glaubwürdigkeit einer Sportorganisation das höchste Gut in der Vermarktung sei.

 

 

Schließlich wird Martin Harsch, Agenturinhaber und engagierter VfB-Blogger und Podcaster im Fanprojekt zu Gast sein. Harsch begleitet den VfB Stuttgart seit vielen Jahren kritisch. Unter seinem Pseudonym @twofourwo ist Harsch einer der wichtigsten Influencer im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart. Die Runde wird moderiert von Bernd Sautter.

Herzlich willkommen im 
Fanprojekt Stuttgart
Hauptstätter Str. 41
Dienstag, 12. Februar

Open: 19.30 Uhr,
Podiumsdiskussion ab 20.30 Uhr

Das VfB-Fanprojekt bedankt sich herzlich für die Unterstützung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.