Grenzerfahrung (Etappe 13): Böbrach – Plattling, 40 km, ca. 400 Höhenmeter

Kein Zweifel: Es war ein Surfbrett. Eines von der kleinen Sorte, grad so zwei Meter lang. Der junge Mann hatte es fürsorglich in einen Nikiplüsch-Überzieher gehüllt. Er stellte das Board neben mein Fahrrad und setzte sich. Ich war schon in Plattling in den Zug eingestiegen. Das Board warf Fragen auf: Was macht man mit einem Surfbrett bei 10 Grad, peitschendem Wind und Dauerregen mit einem Surfbrett? War er gestern etwa über die Münchner Isarwelle gesprungen und hatte den Schwung bis zu Donau mitgenommen? Schützt das Nikistöffchen wirklich? Von allen möglichen Fragen stellte ich keine einzige. Bei naseweisen Fragen ist Lächeln geboten. Durch den Mundschutz nicht die leichteste Übung. Außerdem vermutete ich, dass er nicht von einem triefnassen Mittfuffziger in bunten Regenklamotten ausgequetscht werden wollte. 

Die Leute haben komische Marotten. Der Surfer mag die Pfütze unter meinem Sitz wahrgenommen haben. „Bei dem Wetter radeln wollen, was ein Trottel“, las ich hinter der Surferstirn ab. „Kein Wunder, dass er sich in den Zug setzt,“ stand da geschrieben. Weiter wollt ich nicht lesen. Dabei hatte ich mich auf die Etappe gefreut, die flach durch Niederbayern geführt hätte, als verdiente Erholung nach dem Mittelgebirge. Andererseits: In Plattling in den Zug setzen – wenn nicht in Plattling, wo sonst… 

Zuvor war ich die Hänge des Bayernwaldes hintergesurft. Dabei hätt ich gerne Lycra und Fahrrad gegen Neopren und Surfbrett eingetauscht. Die Laster überholten mich mitleidigerweise mit drei Metern Abstand. War aber egal, ich war schon nass. Trotzdem Danke. 

Noch ungemütlicher als das Radeln der Blick auf die gleichgeschalteten Wetter-Apps. Drei Tage Regen vorhergesagt, überall, also in Nieder- und in Oberbayern, über 1000 Metern in Schnee übergehend.  Die Roßberghöhenstraße bei Berchtesgaden im Spätsommer: nicht vor nächstem Jahr. So lange wollt ich doch nicht warten. So spannend ist die Gegend nicht, dass ich mit niederbayrischen Schwänken ein Jahr Diario füllen könnte. 

Erkenntnis des Tages: Es war womöglich ein Fehler, den jungen Surfer nicht zu interviewen. Die Story hätte dieses letzte Rad-Diario des Jahres mit einer nikiplüschen Pointe abgeschlossen. 

Diesen finalen Höhepunkt des modernen Radjournalismus muss nun ich schuldig bleiben. Ich bedaure und gelobe Besserung. Der Plattling dankt fürs allseitige Mitradeln und verabschiedet sich in die Winterpause. Bleibt fit und gesund.