Brücke bei Villa Banale (heißt tatsächlich so)

Schon gestern Abend wußten wir, dass wir uns die Morgendusche sparen können. Das hat die große Wolke erledigt, unter der wir zwischen Bozen und Salurn vierzig Kilometer lang hindurch pfeilten. Doch offenbar wurde das andauernde Wasser selbst dem Wetter zu langweilig. Plötzlich sahen wir Sonne. Höchstes Radfahrerglück. Die Straßen trockneten – sogar unsere Klamotten. Im schönsten Licht getaucht, nahmen wir bei Andalo nochmal einem klassischen Berg des Giro. Eine sonnige Schussfahrt in Richtung Gardasee entschädigte uns für manchen Tauchgang der letzten Tage. Wunderschöne Radwege zwischen steilen Schluchten. Meistens abschüssig. Ein Träumchen. Wer das Diario kennt, mag vielleicht ahnen, dass angesichts meiner ungezügelten Euphorie sicherlich bald etwas schief geht. Einen Platten, ein Sturzgewitter oder eine schwungvolle Unpässlichkeit des Enddarms wären das Mindeste, was man jetzt erwarten kann. Und was soll ich sagen: Nichts von alledem. Im Gegenteil. Auf kurvigen Radwegen fetzten wir an Flüssen entlang oder durch die schier endlosen Apfelplantagen. Alles malerisch bis kitschig. Wäre jeder Tag so schön, hätte ich bald keine Leser mehr.

Erkenntnis des Tages: Schön ist’s, wenn’s auch mal ohne Pointe geht, oder?

Aussicht vor Andalo
Sarche
Abfahrt nach Sarche

Tappa undici: Bolzano – Dra
110 km, ca. 1300 Höhenmeter