Zum Schtäg, Früduwald, Unrumschtaldä – Walserdörfer führen herzallerliebste Bezeichnungen. Könnten auch aus Herr der Ringe sein. In der Früh waren wir ganz oben, durch alle Dörfer durch, am Stausee, wo die Sonne den Schnee in die Knie zwingt. Ein Hochgefühl. Niemand oben, außer den Pedaleuren aus Stuttgart. Zwischen dem Walserraum und dem italienischen Raum ist das Tal so eng und steil, dass man sich gut vorstellen kann, wie die Schweizer Einsiedler unbehelligt lebten.

Wir nahmen die Serpentinen runter durch die Engstelle und landeten zum Mittag vor Domodossola in einem Ristorante. Normalerweise hat jeder Italiener, den man kennenlernt mindestens einen Bruder in Stuttgart. Schöne Variation des alten Themas: Der Koch kennt Stuttgart von der Rad-WM damals. Bravo! Wie schnell ein Tag von traumhaft nach alptraumhaft wechseln kann, erlebten wir am Nachmittag. Da führte uns eine unvorsichtig ausgesuchte Route in ein anderthalbkilometer langes Steilbergauftunnel mit schlimmem Verkehr. Der Michl hat das gut gemacht. Er vertrieb sich die quälende Leidenszeit mit schwäbischen Fluchen. Hallt so schön. Aber irgendwann waren wir oben auf der letzten Bergwertung. Der örtliche Radsportclub hatte ein Pantani-Denkmal auf die Passhöhe gestellt. Ist irgendwie auch tröstlich: Wenn man langsamer berghoch fährt, lebt man länger. Gilt auch für bergrunter im übrigen. Nach 120 km kommen wir in Verbania am Lago Maggiore an. Heute gilt: Hoch die Hände, Wochenende! Am Ufer ist Prominierpflicht. Das gilt für alle, bis auf zwei Radfahrer, denen die zweite Bergetappe hintereinander die Beine kaputt gemacht hat.

Erkenntnis des Tages: Man kann tatsächlich etwas Sahne in ein Arrabiata-Sugo geben. Bis heute dachte ich, man würde sofort aus Italien ausgewiesen werden, wenn man es trotzdem tut. Stimmt wohl nicht… wenn der Koch sein Handwerk beherrscht.

Tappa sei: Val Formazza – Verbania:
120 km

Riale
Lago di Morasco