In die Hirschkuh fuhr der Schreck, etwa so wie in mich rund zwanzig Minuten zuvor, als mein Höllenwecker lärmte. Man kann die Hirschkuh verstehen. Ich sause selten morgens gegen Fünfe aus dem Haus. Und schon gar nicht 25 Kilometer Einzelzeitfahren von Osteno nach Lugano zum Bahnhof. Da es erst dämmerte und ich schon die Sonnenbrille auf der Nase hatte, bemerkte ich das Viech erst, als es auf Höhe meines Vorderrades geschwind vom Ufersträßle galoppierte. Danach war ich so wach wie eine Hirschkuh. Es ist schon ein großes Privileg, eine solche Reise zu unternehmen. Die grandiose Natur (und damit meine ich nicht nur den Arsch des Hufwilds), das Fort- und Ankommen, das Entdecken der Welt in allen Kontrasten und Winkeln hat den Horizont der eigenen kleinen Welt geweitet. Kleines Stoßlüften des Hirns. Das Ganze gemeinsam mit dem großartigen Michl Luz im synchronen Auf und Ab der Pedale. Jedes Pathos berechtigt. Das Selfie nahmen wir am Donnerstag auf – als einzige Gäste in der Oma&Enkelin-Bar im Val Formazza. Wir melden: Die Pässe sind kontrolliert. Alle Passagen gültig – mit Ausnahme des Grimsel. Gut, dass wir nachgeschaut hatten. Ich schreibe für uns beide, wenn ich allen Verfolgern dieser frühen und feuchten Transalp herzlichen Dank sage. Eure hohen Daumen, spöttischen Kommentare und manch stummes Unverständnis über das abgefahrene Projekt waren uns Motivation und Vergnügen. Erkenntnis der Tour: Wenn du mit einem Genussmenschen unterwegs bist, bleibt Gewichtsabnahme eine Utopie. Es sei denn, Du läßt Teile des Gepäcks in Pensionen liegen.

Cronometro finale: Osteno – Lugano
28 km