Stelvioanstieg

Pfffff… mein britischer Freund Martin würde sagen, ein solcher Tag sei „characterbuilding“. War ja klar, dass die dritte schwere Bergetappe hintereinander an die Substanz geht. Heute ging’s nur ums Durchkommen. Ein Tag im kleinsten Gang. Die Strecke kannte 60 km lang nur eine Richtung: hoch. Kein Rouleur Terrain, kein bißchen. Meinen einzigen Dumoulin-Moment, hatte ich ganz oben auf dem Umbrail, da stand sein Name auf der Straße. Aber von den Comebackqualitäten des Tom Dumoulin bei mir keine Spur. Pfffft, die Luft war raus. Und dann die Südseite des Stilfers Jochs nachmittags: Als Radfahrer muss man schon einen starken Charakter haben, damit man all den verhinderten Motorradrennfahrern das Bergerlebnis gönnt. Hundertvierzig Sachen müssen nicht sein. Auch die aufgedrehten Lautsprecher mit der armen Rockmusik von vorgestern müssen nicht sein. Vielleicht versage ich im Charaktertest des Gönnenkönnens. Lange genug hatte ich Zeit, um die Ärsche zu vermessen, die sich auf den Motorrädern in die Breite drücken. Ästhetisch geht anders. Wenn die sich mal von hinten sehen würden, hätten wir weniger von der Sorte. Gut, dass die schlimmen Ansichten schnell an einem vorüber ziehen. Auch die bösen Gedanken weichen schnell. Denn der marode Radfahrerkörper ist mit sich selbst beschäftigt. Eigenkritik. Hätte man nicht gut daran getan, selbst ein paar Kilo runterzutrainieren? Und wenn nicht, warum plant man dann drei Bergetappen hintereinander? Niemand ist perfekt. Und ich schon gar nicht. Auch eine Erkenntnis, aber keine neue. Erkenntnis des Tages: Ferien auf dem Bauernhof sind gewiß was Schönes. Morgen wird das Diario platzen vor lauter spannenden Ruhetagserlebnissen vom Vinschgauer Bauernhof. Sportphysiologischer Fachbegriff: Passive Erholung. Pffft.

Ein Schweizer Umbrailbezwinger
Umbrailpass

Tappa Otto: Tirano – Laatsch
91 km, ca. 2300 Höhenmeter