In Aulfingen hätte man uns gerne den Marsch geblasen. Ging aber im Ansatz schief. Dieser Ansatz fehlte den Damen und Herren, damit sie in ihre Instrumente richtig reinblasen konnten. Als wir beim Selfiemachen unsere Räder verkrampft hielten, erkundigte sich eine der uniformierten Schönheiten, ob wir denn als Radler keine Ständer dran hätten. Und dass mir jetzt keiner blöd kommt, es wäre unsere Fantasie gewesen, die die berechtigte Frage zum flachen Witz geraten ließ. Das Kichern von zwei der Damen war nicht zwei- sondern eindeutig. Spielen ja selbst gerne unter Zuhilfenahme eines Notenständers. Alter Blasmusikantinnenwitz. Auch sonst heute mehr das Gesellschaftliche im Vordergrund. Nach malerischen Kilometern zwischen Rhein und Winterthur schnürten wir aus Richtung Stadion in die Stadt des weltbesten Fußballvereins der Schweiz. Kurze Stippvisite in der Stadionbar Libero so obligatorisch wie die Stange Haldenbräu. Und gleich unter Freunden. Winti-Fans halt. Kaum was los am Sonntagnachmittag. Aber die sieben anwesenden Thekenkräfte von bester Sorte. Der Eine war der Sohn des alten Haldenbräuchefs. Ehrenwort! Darauf gleich noch ne Stange, klarer Fall. Leise angezählt erreichten wir die Villa Jakobsbrunnen, wo die kulturbeflissene Betreiberin des erlesenen B&Bs uns Stadionbarschluckern in Radlerhosen die edlen Räume zuwies. Michl im roten, ich im grünen Salon. Hicks. Die mondäne Villa muss einst einem hohen eidgenössischen Tier gehört haben. Alles vom Feinsten, links vom Museum, und öko und organisch so. Hicks. Doch keine Zeit für neunmalkluges Googlen nach hohen Ex-Besitzern. Vor der Villa warten schon die formidablen Locals, die Nicole Fitz und der feine Zeichner JANZ -jan zablonier. Die Beiden entführen uns zum ehrlichsten Italiener der Stadt. Maja und Philip sind auch da, und wäre morgen nicht Montag, säßen wir Sechs immer noch da. Erkenntnis des Tages: Morgen auf dem Radweg an der Töss entlang – und zwar bei Thurbental – unbedingt den Kopf einziehen. Keinesfalls schnell um eine Kurve sausen. Dahinter könnte ein Stahlträger auf etwa einssechzig Höhe lauern. Und wir wären nicht die ersten, die da schonmal… sagen Maja, Philip, Nicole und Jan. Mehrmals. Also um Himmels Willen nicht vergessen, dass oben auf dem Äpfel auch noch der Radhelm sitzt. Diese Zentimeter können für den weiteren Verlauf noch wichtig werden. Turbenthal, Turbenthal, Turbenthal… man kann‘s nicht oft genug schreiben.

Tappa due: Tuttlingen – Winterthur
100 km

Vor Schaffhausen
Winterthur Stadionkneipe Libero
Der Tagesfilm von Michl