Sackgassen können so spannend sein. Wir stecken mal wieder in einer. Und zwar mit Absicht. Schon mal was vom Val Formazza gehört? Wir auch nicht. Das Tal wird die kleine Walser-Republik Italiens genannt. Laut Wiki leben 442 Einwohner ständig hier oben, mehr nicht. Besiedelt wurde das Tal von Norden, aber auf Pfaden. Der Hauptort selbst hat sechs Ristorante. Davon sind heute sechs geschlossen. Im kleinen Onkel-Walter-Laden ergattern wir noch Formaggio und Prosciutto. Der zittrige Mann an der Kasse erzählt uns ungefragt, dass er ein Nachfahre eines Lehrers aus dem Berner Oberland ist. Walser sind stolz. In der einzigen Bar findet man zwei Bier für uns. Wir bestellen mit schlechtem Gewissen, weil die Barfrau noch betagter als Onkel Walter und mit zwei Tedesci und zwei Bier überfordert. Wie gut, dass die Enkelin noch da ist. Weiter unten, wo wir herkommen, heißt das Tal anders, irgendwie italienisch. Nur hier oben walserisch. Los ist gar nichts, eher noch weniger. Keine Zwischensaison, sondern Unsaison. Heute also 444 Menschen hier, vielleicht war die Alte deshalb so verstört, weil wir Bier anstelle von Schnaps bestellten. Auf unserem Weg nach Süden sind wir nun nördlicher als gestern. Die kleine italienische Walser-Republik keilt sich ins Eidgenössisches Gebiet. Wir nahmen übrigens nicht den Weg der Walser, sondern von Brig aus den Simplon. Das waren 1500 Höhenmeter und die lange Sackgasse talaufwärts nochmal 1000 Meter dazu. Endlich Radsport, der den Namen verdient hat. Feine Beine auch bei mir, im engen Hochtal zusätzlich angeschoben von erlesenem Fürwind. Ich bilde mir sogar ein, dass sich unter dem Bauch sowas ähnliches wie ein Bauchmuskel befindet. Welcome back! Überhaupt ein kompletter Sahnetag. Kein Wolke, fast kein Verkehr über den Simplon, sogar die pensionierten Zahnärzte auf ihren kindischen Harleys störten nur selten. Die Schussfahrt den Simplon herunter wurde mit bester italienischer Bauernküche gekrönt – zu einem Preis, für den wir gestern kein Salatblatt auf einem Teller bekommen hätten. Erkenntnis des Tages: Das Pumatt – wie Formazza auf walserdeutsch heißt – ist zwar der Arsch der Welt, aber unter all diesen fraglos der knackigste.

Tappa cinque: Brig – Val Formazza:
110 km

Simplon Altes Spittel
Crevoladossola
Baceno
Der Tagesfilm von Michl