Brendola am Morgen

Kannst du niemandem erklären, warum du hundertfuffzig Kilometer durch die schöne Po-Ebene strampelst, um dann ausgerechnet in Brescia anzukommen, dem Pforzheim Italiens. Aber wenn schon, dann richtig. Wenn wir das Fenster unseres Hotels in Bahnhofsnähe aufmachen, bekommen wir die Atmosphäre der großen Billigbushaltestelle frei Haus. Volle Dröhnung. Auch bei uns haben sie den großen Spülknopf gedrückt. Pfützenhüpfen statt Stadtspaziergang. Die Pizzeria in Plieningen kann das übrigens besser als die einzige, die hier wohl offen hatte. Von wegen, wo voll ist, muss das Essen gut sein. Gilt nicht, wenn die Auswahl gegen Null geht. Samstagabend – und die Stadt ist ausgestorben (bis auf die Billigbushaltestelle) Verständlich, dass die Leute hier weg wollen. Wir wollten hin. Durchreise. Ein besseres Argument fällt mir leider nicht ein. Gute Einstimmung also für mein Freund Martin, die Bergziege, den ich heute in Verona traf. Es kann nur besser werden.

Über die Fahrt hierhin kann übrigens man nicht meckern. Wir surften wohltemperiert durch die Hügel der Weinregion südlich des Gardasees. Zu zweit geht’s natürlich schneller. Endlich mal nicht so heiß. Regen gabs heute morgen, als ich noch alleine unterwegs war – und heute Abend, als wir das Ortsschild Brescia passiert hatten. Seitdem läuft die Spülung durch. Regen nicht wie am Schnürchen, sondern an ganzen Seilen. Freuen wir uns mit der einheimischen Landwirtschaft. Jetzt sind wir also endlich da, wo keine anderen Touristen sind. Im echten Italien – und dann ist auch wieder nicht recht. Jaja.

Erkenntnis des Tages: Lieber in einem der zigtausend Venedigs des Nordens als im einzigen Pforzheim des Südens.

Isola Rizza
Brescia

Tappa Cinque a: Brendola – Verona
55 km, ca. 150 Höhenmeter

Tappa Cinque b: Verona – Brescia
90 km, ca. 500 Höhenmeter