L’Aquila soll auf keinen Fall untergehen, nicht im Diario – und auch sonst nicht. Nachdem ich die großen Viecher aus dem Weg räumte, passierte ich die Abzweigung nach Amatriche. Am Abend bestellte ich eine Pizza Nocerina. Erdbeben sind in den Abruzzen allgegenwärtig. In den Gassen von L’Aquila dampft auch am Samstagabend der feuchte Baustaub. Die Passeggiata läuft. Aber anders. Nicht die Frauen bleiben stehen an den Schaufenstern (die gibt’s noch nicht). Die Männer bleiben stehen und begutachten den Baufortschritt in der Innenstadt. Fünf Jahre hat’s gedauert, bis man sich an den Wiederaufbau der Stadt machte. Zuvor zog man improvisierte Trabantenstädte in den Außenbezirken hoch. So ging’s schneller mit den Wohnungen. Noch acht Jahre nach dem Beben wohnt in der vormaligen Innenstadt kein Mensch. Die Verzögerung ist offenbar original italienisch. Ein wenig unfähige Politik, eine Prise falsche Versprechungen, der Rest versickert in der Mafia. Seit drei Jahren wird im Zentrum wieder gebaut. Die Stadt hat ein Fest organisiert. Am zentralen Platz und vor dem Castello spielen Bands. Schön, dass die Passeggiata wieder lebt. Die Leute schlängeln sich durch die ehemalige Renommiergasse. Ein Paar Caffebars sind offen. Gelati gibts auch. Für mich bitte den großen Becher. Bin im Unterzucker. Die Abruzzen haben mir zugesetzt. Zumal ich vor dem großen Anstieg bereits 800 Höhenmeter in den Waden hatte. Erkenntnis des Tages: Wenn auf Hauptverkehrsstraßen kaum jemand unterwegs ist, muss das kein ungetrübter Genuss sein. Es könnte auch daran liegen, dass bald eine Totalsperrung kommt, die die Route mit steilen Feldwegen und abgelegenen Dörfern bereichert.

119 km, ca. 2500 Höhenmeter

Villa Passo
Frondarola
Abruzzen
Abruzzen
L’Aquila