Für die Meisten bedeutet das Meer pure Erholung. Sonne, Strand, Super. Ganz normal: Weil längst bewiesen ist, dass ich nicht mehr normal bin, kann ich’s ja zugeben: Am Meer werd ich zickig. Je touristischer, desto zick. Die Orte leben davon, dass sie langweilige Menschen bespaßen müssen. Diese Industrie erschüttert meistens die Struktur des Ortes. Termoli, wo ich heute nach anspruchslosen hundert Kilometern gelandet bin, ist auch nicht frei davon. Aber wenigstens ordentlich aufgeräumt. In der Mitte steht eine alte verwinkelte Stadt auf einer Festung, fast 360 Grad von Meer umgeben. Die paar Gassen im Inneren der Feste sind natürlich zu wenig. Die Stadt hat sich dahinter den notwendigen Raum verschafft. Wenn man sich von dort Richtung Meer wendet, hat man rechts der Festung den Industriehafen, da stinkts nach Benzin. Links der Festung befinden sich fünf Kilometer Sandstrand. Da stinkts nach verbrannter Resthaut. Am Abend schälen sich die Touris unter ihren Sonnenschirmen hervor, und wuchten ihre trägen, aber wenigstens braunen Gestalten in die Neustadt. Dort werden sie von Gastronomen erwartet, die sich mit DIN A4-großen Tischnummern aufs große Fressen vorbereitet haben. Eine CD mit spanischen Salsapop läuft dazu in Endlosschlaufe. Das vergällt der Junior-Bergziege und Senior-Meereszicke etwas die Laune. Zugegen, keiner zwang mich nach Termoli. Aber über tausend Hügel kraxeln wollte ich auch nicht. Und schon gar keine Bergankunft. Drum Termoli. Das lag halt so rum auf dem Weg zum Gargano. Gegenmittel: Die Enoteca mit Weinen aus der Molise. So heißt die kleine Region, die Abruzzen und Apulien trennt. Und: Eine napolitanische Fritteuse, in die ich mich kopfüber reinwerfe. Dachte immer die Belgier seien Frittierweltmeister. Enzo aus Napoli kann’s auch. Lecker Frutti di Mare. Doppio bidde. Und dazu ein belgisches Bier. Erkenntnis des Tages: Auch Flachetappen haben ihre Haken. Sie offenbaren sich allerdings hinter der Ziellinie.

108 km, ca.900 Höhenmeter

Termoli
Vasto
Termoli