Einmal Mond und zurück. Ich kann mich an keinen Tag auf dem Rad erinnern, der so eindrucksvoll war, wie der gestrige. Zurück von L’Aquila durch die Abruzzen über den Campo Imperatore nach Chieti. Das hatte im Profil gar nicht so schwer ausgesehen. Waren aber laut Garmin runde 2500 Höhenmeter. Aber sehr gerne. Die Strecke war der ideale Campo für mich, den Imperatore unter den Jungbergziegen. Vom ehemaligen Gletscher ist eine riesige Hochebene übrig, die ich gegen böhigen Wind auf gerader Rumpelpiste durchschneide. Ich, Rouleur Imperatore. Schon der Aufstieg war wunderschön. Zwischen den Steinen blühen die Kräuter. Hoch geht’s so langsam, dass ich die Pflanzen am Wegesrand bestimmen könnte, hätt ich nur einen Pflanzenführer zur Hand. Oben steht ein Schild, in Memoriam Pantani. Wie schnell der den Pass hochsprintete, will ich eigentlich gar nicht wissen. Hinter der Passhöhe geht’s runter zum Mond. Hinterm Mond geht’s dankenswerterweise noch weiter, meistens runter, jedoch mit schmerzhaften Gegenhängen, damit die Beine schön wehtun. Wunderbare Dörfer durchquere ich der Abfahrt. Caffebar Pflicht. Bei der Schussfahrt mit Aussicht trotz Staunen Mund geschlossen halten. Das habe ich gelernt, sonst droht ungebetene Mahlzeit. Was ich heute lerne, praktisch Erkenntnis des Tages: Statt Aussicht schön auf die Schlaglöcher achten. Sie sind immer immer immer dort, wo man sie nicht sieht, im Schatten unter den Bäumen. Tut man’s nicht, macht’s plötzlich Pffft. Nur ein kurzes Pfft. Und dann ist die Luft raus und der Achter drin. Langsam, ganz langsam nähere ich mich nach Schlauchwechsel am Abend Chieti und schwöre mir, dass ich bei der Planung in Zukunft keine Städte auf Bergrücken mehr ansteuere. Da macht selbst die Junior-Bergziege nur noch müde „Mäh“.

118 km, ca. 2538 Höhenmeter

Camarda
Campo Imperatore
Campo Imperatore
Castel del Monte Abruzzo
Villa Santa Lucia delli Abruzzi