Der alte Herr auf dem Klapprad hätte mich heute morgen leicht überholt. Trotz Ruhetag war mein Antrieb total im Eimer. Da ging es nicht um Kleinigkeiten wie Rasur. Sondern um den Inhalt. Was ich spürte war so flexibel wie armierter Beton. Schon als ich vom Frühstück die Stufen hoch aufs Zimmer ging, wußte ich, dass es kein Tag für Helden wird. Am dritten Tag und in der dritten Woche, sagt man bei Rundfahrten, sei es am schlimmsten. Dagegen war mein dritter Tag noch Zucker. Also Wellnessradeln. Freude am Fahren unter widrigen Bedingungen. Treten, damit es wieder besser geht. Ich hatte die Wahl zwischen Mittelgebirge und öder Adria. Keine Frage. An der Adria schob die Luft leicht anlandig. Nie war Rückenwind so wertvoll wie heute. Tatsächlich erspähte ich einen RennradSenior, der in meine Richtung bummelte. Genau mein Tempo. Außerdem bog er so zielstrebig um die Ecken, dass ich von seiner Orts- und Radwegkenntnis profitierte. Zu meinem eigenen Erstaunen kam im Laufe der Etappe mein Ein-Mann-Gruppetto wieder auf Touren. Plötzlich war der richtige Schnitt auf der Ebene wieder da. Ich bog ab ins Inland. Ziel Ascoli Piceno. Famose Stadt vor beeindruckender Kulisse. Unten Bruthitze. Im Hintergrund noch schneebedeckte Gipfel. Morgen früh wird’s spannend. Trau ich mich hoch in die Abruzzen – oder besser nicht. Nach dem Frühstück nochmal genau hören, was die Beine flüstern. Erkenntnis des Tages: Je älter die Fahrer, desto bunter das Trikot.

104 km, ca. 600 Höhenmeter

Ascoli
Ascoli
Ascoli