Marco Pantani hat nie aufgehört. Über dem Fenster des Spacio Pantani fährt er weiter und weiter und weiter. Angetrieben von einem kleinen Motor, der freilich nur während der Öffnungszeiten läuft. Im kleinen Museum erweise ich dem schillernden Piraten die Ehre. Ein tragischer Held, vermutlich auch Dopingsünder. Hat vieles ausprobiert, auch Giro-Sieg, auch Kokain. Mindestens ist er der Beweis, dass die Motorradfahrer richtig liegen, wenn sie bei manchen Radfahrern eine Macke vermuten. Persönlich darf ich feststellen: Heute hatte ich auch Pantani-Momente. Bergauf. Ohne Kokain, nur auf Caffe. Meine Etappe hätte auch kürzer sein können, aber ich wollte unbedingt hoch nach San Marino. Da half mir der gestrige Ruhetag, und die vielen Wolken, die sich entschlossen vor die Sonne schoben. In Serravalle besichtigte ich das Nationalstadion von San Marino, einen weiteren historischen Ort des Fußballwirkens. Wie es zu dem historischen Irrtum kam, dass dieser Flecken selbstständig blieb, sollen Andere analysieren. Meine Arbeitsthese: Zufall. Und Wurschtigkeit. San Marino, schlichtweg zu unbedeutend. Heute wohl Steueroase. Der Flecken ist trotz der schönen Hanglage multibel verbaut. Stadtplanung mögen die freiheitsliebenden Sanmarinesen nicht. TÜV gibt’s wohl auch keinen. Die Autos stinken. Alles arg unschwäbisch dort. Ich suche den Eingang des Stadions, passiere eine Pforte, und fahre plötzlich halbhoch durch die Haupttribüne. Als wenn alles auf Bici-Groundhopping vorbereitet gewesen wäre! Im Grunde ist das Ziel meines Giro di San Marino erreicht. Rest ist Zugabe. landschaftlich wundervoll wurde die Etappe auch noch. Hinter Cattolica als die endlosen Bibbiones, Riminis und Lidos di X und Y endlich aufhörten, gings einen Bergrücken hoch, der zum Schönsten zählt, was ich bisher in Italien becruisen durfte. Links das Meer, 200 Meter tiefer, rechts der Appenin, beides abwechselnd im Blick, hügelig zwar, aber ich war ja heute ganz mit dem Geist von Pantani. Keine Autos, keine Touristen, nur ein paar Radfahrer in bunten Trikots. Und plötzlich war ich in Tesaro. Meine Gastgeberin behauptet: Italien fängt erst an, wenn die Emilia Romagna aufhört. Könnte was dran sein – aus Sicht der Marken. Erkenntnis des Tages: Es gibt wenig wohl wenig Trostloseres als in einem Hotel in Rimini an einer Überdosis aus dem Leben zu gehen. In direkter Nachbarschaft zu Deinen Freunden. Puh! Und trotzdem fährt er weiter und weiter und weiter….

146 km, ca. 1315 Höhenmeter

 

Cesenatico
San Marino
Riccione
Cattolica