Passo del Croce

Genau so! An Tag 10 spüre ich erstmals Rückenwind. Ich gleite durch das flache Chianti Rufina wie ne Vespa. Nur ohne Gestank. 35er-Schnitt flach, mindestens, das kann ich leicht behaupten, weil mein Navi-Tacho schon vor einer Woche die Biege gemacht hat. Aber da steht ja noch ein Appenin-Pass im Weg. 800 Höhenmeter circa. Aber oh Wunder, er liegt in der Sonne, und meine Beine machen mit. So wollt ich das haben, der trockene Traum des Tourenfahrers (feucht war mir’s auf meinem Giro schon viel zu häufig). Ich spiele mit dem Pass, auf kurzen Flachstücken schalte ich aufs große Ritzel, ich greife an. Der ganze Pass ist motorradfrei. Weit und breit keiner dieser fetten Folklorezwerge, die mit fetter Maschine und Mickymaus-Lederfransen ihre Minderwertigkeit kompensieren. Heute ist der Tag des Wahren Mannes. Ich, der Rouleur als Bergziege. Marco Pantani lebt, in mir, mit Rotwein als Doping. Zugegeben, oben musste ich dann doch beißen. Aber das gehört dazu. Trotz erstmals erlebter Bergeuphorie hab ich mich nicht übernommen. Belohnung: Kurz vor Arezzo fand ich mich plötzlich auf der Strecke des „echten“ Giro wieder. Mit rosa Fahnen schön markiert. Bernardo, der Blitz im Rosa Trikot. Ey, mal echt, ohne Scheiss.

Erkenntnis des Tages:

Kutte, lange Fransen, ZZ Top,
scheisser noch als Kümmel,
Nix inner Hose, nix im Kopp,
der Bauch hängt übern Lümmel.

Die Natur hat’s so gewollt,
niemals zeugt er einen Sohn.
Wer sich nicht bewegen kann, der rollt,
durch die Welt auf einer Harley-Davidson.

(Sorry an alle Kümmel-Liebhaber)

103 km, ca. 1030 Höhenmeter