Die beste Nichtlesung aller Zeiten – echt jetzt? Wer sagt das? Nicht ich. Die hymnische Einordnung des Abends formulierte der VfB-Blog vertikalpass in einem Tweet. Falls es tatsächlich so sein sollte: Es liegt nicht an mir und meinem Buch, dass die Präsentation so unterhaltsam wurde. Das lag einzig und allein an den bemerkenswerten Gästen, die (Lebens-) Geschichten erzählten, bei dem manchen Zuhörern der Mund vor Staunen offen blieb. Manchmal auch vor lauter Lachen.

Tatsächlich wurde der Abend vermutlich deshalb so gut besprochen, weil ich mein Versprechen einlöste und keine einzige der 100 Geschichten aus dem Buch vortrug. Je länger ich darüber nachdachte, desto konsequenter fand ich die Idee: Nicht lesen, sondern erzählen lassen. Wenn wir uns schon im Fanprojekt treffen, so dachte ich weiter, lass ich besser diejenigen berichten, die die Anekdoten und Geschichten selbst erlebten. Bitteschön…

Reiner Fricke

Historiker Reiner Fricke beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Arbeiterfußball. Seine Informationen hat er dabei nicht nur aus Quellen, sondern auch von seinem Vater, der 1931 Goldmedaillengewinner bei der Olympiade der Arbeitersportler in Wien wurde. Die Disziplin ist so erstaunlich wie viele Geschichten rund um die Fußballorganisation, von der viele behaupten, bei denen wurde damals der bessere Fußball gespielt. Schon mal was vom Fußball-Dreikampf gehört? Vater Otto Fricke wurde Olympiasieger. Vielen Dank, lieber Reiner Fricke, für die unterhaltsame Einweisung in eine andere Fußballwelt.

Gojko Cizmic

Ende der sechziger Jahre war Gojko Cizmic bereits mit von der Partie bei den ersten Spielen der legendären Yugoliga. Die Liga gibt’s schon lang nicht mehr. Aber es gibt ja Gojko Cizmic, der Informationen und Erinnerungsstücke an die Zeit dieser merkwürdigen Liga sammelt. Die vielleicht schönsten Stücke seiner Kollektion präsentierte er im Fanprojekt: Geschichten und Anekdoten von damals, als es in Süddeutschland eine Liga gab, die ihre Ergebnisse nicht zum Württembergischen Fußballverband meldete, sondern direkt in die Heimat nach Belgrad. Danke, lieber Gojko, für deine bewegenden Beobachtungen.

Alexander Sollner
Alexander Sollner und Markus Kleber

Das vielleicht berühmteste Tor des Landes hat Alexander Sollner gefangen. Er stand bei Grunbach im Tor, als der TSV in der Kreisliga Pforzheim 2010 beim TSV Wimsheim antreten musste. Grunbach war als Tabellenführer angereist. Ein Sturm zog auf. Der Rest ist das erste YouTube-Meme des deutschen Fußballs. Vielen Dank, lieber Alexander Sollner, dass wir dieses Tor aus der Perspektive des Torhüters erleben durften. Und vielen Dank, lieber Markus Kleber, für deine Darstellung aus der Perspektive dieses von dir gründeten Filmteams namens Die Ligen.

Evelyn Klumpp

Evelyn Klumpp hat schon gekickt, als es den Frauen vom DFB noch verboten wurde. Sie darf als Frau der ersten Stunde gelten, wenn man die Wiedereinführung des Frauenfußballs im Jahr 1970 im Blick hat. Nachdem sie in den siebziger Jahren mit dem VfL Sindelfingen erfolgreich war („Hacki-Wimmer-Typ“) war Klumpp die erste Frau, die in Deutschland den Trainer-B-Schein hatte. Die großen Zeiten des VfL Sindelfingen wären ohne Evelyn Klumpp nicht so golden geworden. Vielen Dank, liebe Evelyn, für deine hochinteressanten Geschichten und für die Analyse des aktuellen Zustand bei wfv und DFB.

Alexander Fangmann

Sechsmal deutscher Fußballmeister. Das muss man erstmal schaffen als Stuttgarter Spieler. Alexander Fangmann wies völlig zurecht darauf hin, dass der VfB nur fünf Meisterschaften holte. Fangmann ist der vielleicht beste Spieler, den der deutsche Blindenfußball je hervorgebracht hat. Der Kapitän der Blindenfußballnationalmannschaft hatte im Herbst mit dem deutschen Team den siebten Platz bei der Europameisterschaft geholt. Vielen lieben Dank, lieber Alexander Fangmann für die Einweisung in eine faszinierende Sportart.

Vielen Dank an meine Gäste. Vielen Dank für die super Vorbereitung von Jörg und Andreas vom Fanprojekt. Vielen Dank für die tollen Bilder an meinen Freund Smail Mast. Und vielen Dank an alle, die mir nachsahen, dass wir fast eine glatte Stunde überzogen hatten. Es war mir eine Ehre.

Volle Hütte im Fanprojekt
Danke, lieber Andreas Kirchner für den warmen Empfang.

Am 22. Oktober präsentiere ich mein neues Buch „Fußballheimat Württemberg“ im VfB-Fanprojekt. Gemeinsam mit den Menschen, die in den Episoden die Hauptrolle spielen – unter anderem eine Wegbereiterin des Frauenfußballs, ein Nationalmannschaftskapitän und ein Amateurtorwart, der im Sturm um die Welt ging.

Hier die offizielle Pressemeldung zur Einladung:

„100 Orte der Erinnerung“ lautet der Untertitel des neuen Buches. Für sein zweites Werk „Fußballheimat Württemberg“ hat der Fußballautor Bolzplätze, Fankneipen und Stadien zwischen Hollenbach und Friedrichshafen gesammelt. Doch die genannten Orte dienen lediglich als Aufhänger. Im Grunde handeln die verschiedenen Kapitel von Ballkünstlern, Vereinsmeiern und anderen schwäbischen Spielmachern, bei denen die Leidenschaft am schönen Spiel im Vordergrund steht. „Meisterschaften und Siege sind nicht die Kriterien“, sagt Sautter über das, was ihn besonders fasziniert hat. „Wer verliert, hat oft die besseren Geschichten zu erzählen.“ 

Selbstverständlich finden sich in „Fußballheimat Württemberg“ alle Meister, Aufsteiger und legendäre Pokalhelden, die das Land hervorgebracht hat. Aber auch Erfinder, Revolutionäre und manche Fußballverrückte haben den Lauf des Balles so nachhaltig verändert, dass sie zu Legenden wurden. Im Fußball spiegelt sich die Zeitgeschichte. Im Großen und im Kleinen, zum Beispiel in der winzigsten Tribüne des Landes und im Acker, über den die schlechteste Mannschaft Deutschlands pflügte.

Zur Buchpräsentation wird sich der Autor mit den Akteurinnen und Akteuren unterhalten, deren Geschichten über das Spielfeld hinaus reichen: Evelyn Klumpp, die dem Frauenfußball im Land kräftig Beine gemacht hat, Dr. Reiner Fricke, Sohn eines der besten Arbeiterfußballers aus den Roaring Twenties, Gojko Cizmic, Zeitzeuge und Archivar der legendären Yugoliga, Alexander Fangmann, Kapitän der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft, sowie Alexander Sollner, der als Kreisligatorwart weltweit für Aufsehen sorgte.

Die Präsentation

Fußballheimat Baden-Württemberg

Buchpräsentation mit Gästen im VfB-Fanprojekt

Dienstag, 22. Oktober 2019, 19.30 Uhr

im VfB-Fanprojekt, Hauptstätter Straße 41

Fußballheimat Württemberg

Seit Jahren versuche ich ein Buch zu veröffentlichen, welches ohne Rasen auf dem Cover auskommt. Was soll ich sagen? Schon wieder gescheitert.

Jedoch gerne und aus gutem Grund: Mit großem Vergnügen reihe ich mich ein in die bestehende Fußballheimat-Serie aus dem Arete Verlag. Die Titel „Fußballheimat Franken“ und „Fußballheimat Südbayern“ liegen bereits vor. Der sportliche Anstand gebührt es, sich an die vorgegebenen Regeln zu halten. Gern geschehen, lieber Arete Verlag.

Selbstverständlich sind auch bei der Fußballheimat aller guten Dinge das Dritte. Keine Frage: Der Württemberg-Band darf als absolutes Highlight der Serie gelten. So sieht man das zumindest in meiner Fußballheimat. Das Buch erscheint im Oktober. Weitere, total objektive Informationen – frei von jedem Lokalpatriotismus – stehen in der beigefügten Pressemeldung des Arete Verlages, die ich im folgenden zitiere:

Fußballheimat Württemberg – mehr als Titel, Tore und Triumphe

Wer sich auf eine Fußball-Reise durchs Ländle begibt, entdeckt alle schwäbischen Klischees, aber auch vieles, mit dem niemand rechnen konnte. So stößt man auf eine Geburtsstätte des deutschen Fußballs in Cannstatt. Man entdeckt die Keimzelle der taktischen Revolution in Ruit und stolpert über einen Verein, der dreimal Süddeutscher Meister wurde, aber nicht VfB heißt. 

Die Schauplätze der „Fußballheimat Württemberg“ liegen zwischen Bundesliga und Kreisklasse, zwischen Komödie und Tragödie, zwischen Vereinsheim und Trainingslager. Württembergische Fußballgeschichte wird nämlich überall geschrieben: auf der winzigsten Tribüne und im Acker, über den die schlechteste Mannschaft Deutschlands pflügte. 

Um diese Fußballheimat zu erkunden, reiste Bernd Sautter quer durchs Land, schwätzte mit Fans, Freaks und Funktionären. Herausgekommen sind originelle100 Orte in Wort und Bild, die die Menschen in Württemberg auch emotional beweg(t)en. 

Bernd Sautter, der sich bereits mit dem Buch „Heimspiele Baden-Würrtemberg“ als Kenner der hiesigen Fußballszene erwiesen hat, steht für Lesungen zur Verfügung. 

Offizielle Buchvorstellung mit prominenten Zeitzeugen am 22.10.2019 um 19.30 Uhr im VfB-Fanprojekt, Hauptstätter Str. 41, 70173 Stuttgart. 

Volle Hütte im Benninger Museum im Adler. Hier der Bericht der Ludwigsburger Kreiszeitung:

Seitdem der TSV Benningen 1899 im Jahr 1960 als württembergischer Meister in die oberste Amateurliga aufgestiegen war, ist für Benningen die Fußballgeschichte ein besonderes Highlight. Keine Frage, dass dieses Thema zum 30-jährigen Jubiläum des örtlichen Heimatmuseums einen besonderen Stellenwert bekam. Passend dazu fand nun die Autorenlesung mit Bernd Sautter statt, der – akribisch recherchiert und sorgfältig dokumentiert – 94 Fußballgeschichten in seinem Buch Heimspiele Baden-Württemberg zusammengefasst hat. Einige davon erzählte er im Museum im Adler vor rund 30 Besuchern.

Das Publikum ist bestens im Thema, immerhin gebe es in Deutschland gut 40 Millionen Bundestrainer, sagte Sautter ausgenzwinkernd. Der Auricher, der sich von der Mutter bereits im Alter von vier Jahren die Aufstellung der damaligen Nationalmannschaft Uruguay aus dem Kicker-Sonderheft von 1970 vorlesen ließ, kennt mittlerweile die baden-württembergischen Clubstrukturen- und Geschichten wie wohl kein anderer. Der besonderes Reiz seines Buches liegt zweifelsfrei in der Tatsache, dass der freiberufliche Werbetexter und Fußballfreak Sauter literarische Kompetenz mit fußballerischem Sachwissen kombinieren kann, sagte Museumsdirektorin Christina Vollmer. Thema des 52-jährigen ist zum Beispiel das Verbot des Frauenfußballs 1955 durch den DFB, das die zur Damenelf zusammengestellte Affalterbacher TSV-Gymnastikgruppe jedoch nicht davon abhielt, ein Benefizspiel gegen ihr Äquivalent aus Weiler zum Stein abzuhalten. Das Spiel lockte 2000 Zuschauer auf den Sandplatz am Lemberg und spülte dem Pfarrer 1000 Mark in den Kirchensäckel. Und das trotz der einheimischen Unkenrufe „Ihr spennat doch“.

Sautter hat noch viele zu erzählen, zum Beispiel davon, dass früher die Gemeinschaft und der Sport selbst im Mittelpunkt standen und nicht so sehr die Ergebnisse. Er erzählt vom VfR Heilbronn, der 1988 als Außenseiter ggen den FC Bayern München im Frankenstadion spielte, ein Spiel, das nach Sonnenuntergang abgebrochen wurde, weil es dort keine Flutlichtanlage gab, und die kurzerhand angeforderten Großscheinwerfer der örtlichen Feuerwehr dem damaligen Bayern-Trainer zufolge eher eine Barbeleuchtung glich. Aus dieser Zeit habe Jupp Heynckes den Spitznamen „Osram“ und Heilbronn den historischen Sieg mit 2:1 über den Champion davongetragen.

Der heute in Plieningen lebende Autor erzählt auch von den Errungenschaften, die der Fußball seiner Hochburg Baden-Württemberg zu verdanken hat. Cannstatt sei die erste Stadt gewesen, in der man Fußball gespielt hatte. Das war bereits 1865, noch bevor in England nach Trennung nach Trennung des Fußballs vom Rugby die offiziellen Regeln eingeführt wurden. „Wir waren die ersten“, kosntatiert er mit Leidenschaft, die den ganzen Abend über spürbar ist. Auf die Idee, die Handschuhe des Torwarts mit einer rutsch-hemmenden Latex-Auflage zu bekleben, kam das Metzinger Unternehmen Reusch. Selbst Tipp-Kick ist eine hiesige Erfindung.

Von diesem Spiel wird im nächsten Buch eine Geschichte über Hirschlanden zu finden sein. Auch für Benningen ist ein Kapitel reserviert, für das Sautter an diesem Abend ergänzend noch ein Interview mit Rudi Entenmann führte, der 1961 zum VfB Stuttgart wechselte. Für seine Heimat-Fußball-Bücher ist ihm offenbar kein Aufwand zu groß. So hat er das gesamte unglaubliche Leben Albert Olbrechts recherchiert und in Interviews mit dem damals 99-jährigen nachvollzogen, wie ein einzelner Mensch innerhalb von zehn Jahren in Ettlingen ein ganzes Stadion ohne fremde Hilfe bauen konnte. Auch hier gilt: Der Fußball macht’s möglich. Denn diese Geschichte ist wirklich wahr, wie alles, was der schwäbische Patriot Sautter in liebevoller Kleinarbeit an Bildern und Anekdoten für knapp 300 großformatige, farbig bedruckte Seiten zusammengetragen hat. Dies, damit das Ländle in Sachen Fußballliteratur im deutschlandweiten Vergleich endlich auch mithalten kann. Es ist im Silberburgverlag erschienen.

Autorin für die Ludwigsburger Kreiszeitung: Sabine Krell

Fußball im Heimatmuseum? Aber natürlich. Dort gehört er auch hin. Natürlich ist das gute Spiel auch auf dem Dorf ein hochbindender Kitt, der die Menschen zusammen hält. Darum ist die Ausstellung im Benninger Museum im Adler unbedingt sehenswert. Wer am Donnerstag, den 11.4. nichts anderes vorhat: An diesem Abend gibt’s nicht nur die Ausstellung, sondern auch noch eine Lesung.

Lesung Heimspiele Baden-Württemberg im Museum im Adler in Benningen: 11. April ab 19.30 Uhr

Auf die Lesung in Benningen freu ich mich ganz besonders – und das liegt nicht nur am schönen Benningen und der wundervollen Fußballausstellung, in deren Mitte ich einige Texte vorspielen darf. Die Vorfreude ist deshalb so groß, weil ich die Gelegenheit nutzen kann, aus dem Skript vom neuen Buch vorzulesen. Manche Kapitel aus dem neuen Werk „Fußballheimat Württemberg“ passen wundervoll in dieses kleine, aber schicke Heimatmuseum. Für Fußballheimat Baden-Württemberg bin ich mehr als ein Jahr über die Dörfer gefahren und habe dort einige Geschichten ausgegraben, die zu Unrecht niemals aufgeschrieben wurden. In Benningen werde ich einige neue Kapitel aufschlagen – wobei eines davon tatsächlich in Benningen spielt.

Zur Website der Veranstaltung: www.museum.in-adler.de