Volle Hütte im Benninger Museum im Adler. Hier der Bericht der Ludwigsburger Kreiszeitung:

Seitdem der TSV Benningen 1899 im Jahr 1960 als württembergischer Meister in die oberste Amateurliga aufgestiegen war, ist für Benningen die Fußballgeschichte ein besonderes Highlight. Keine Frage, dass dieses Thema zum 30-jährigen Jubiläum des örtlichen Heimatmuseums einen besonderen Stellenwert bekam. Passend dazu fand nun die Autorenlesung mit Bernd Sautter statt, der – akribisch recherchiert und sorgfältig dokumentiert – 94 Fußballgeschichten in seinem Buch Heimspiele Baden-Württemberg zusammengefasst hat. Einige davon erzählte er im Museum im Adler vor rund 30 Besuchern.

Das Publikum ist bestens im Thema, immerhin gebe es in Deutschland gut 40 Millionen Bundestrainer, sagte Sautter ausgenzwinkernd. Der Auricher, der sich von der Mutter bereits im Alter von vier Jahren die Aufstellung der damaligen Nationalmannschaft Uruguay aus dem Kicker-Sonderheft von 1970 vorlesen ließ, kennt mittlerweile die baden-württembergischen Clubstrukturen- und Geschichten wie wohl kein anderer. Der besonderes Reiz seines Buches liegt zweifelsfrei in der Tatsache, dass der freiberufliche Werbetexter und Fußballfreak Sauter literarische Kompetenz mit fußballerischem Sachwissen kombinieren kann, sagte Museumsdirektorin Christina Vollmer. Thema des 52-jährigen ist zum Beispiel das Verbot des Frauenfußballs 1955 durch den DFB, das die zur Damenelf zusammengestellte Affalterbacher TSV-Gymnastikgruppe jedoch nicht davon abhielt, ein Benefizspiel gegen ihr Äquivalent aus Weiler zum Stein abzuhalten. Das Spiel lockte 2000 Zuschauer auf den Sandplatz am Lemberg und spülte dem Pfarrer 1000 Mark in den Kirchensäckel. Und das trotz der einheimischen Unkenrufe „Ihr spennat doch“.

Sautter hat noch viele zu erzählen, zum Beispiel davon, dass früher die Gemeinschaft und der Sport selbst im Mittelpunkt standen und nicht so sehr die Ergebnisse. Er erzählt vom VfR Heilbronn, der 1988 als Außenseiter ggen den FC Bayern München im Frankenstadion spielte, ein Spiel, das nach Sonnenuntergang abgebrochen wurde, weil es dort keine Flutlichtanlage gab, und die kurzerhand angeforderten Großscheinwerfer der örtlichen Feuerwehr dem damaligen Bayern-Trainer zufolge eher eine Barbeleuchtung glich. Aus dieser Zeit habe Jupp Heynckes den Spitznamen „Osram“ und Heilbronn den historischen Sieg mit 2:1 über den Champion davongetragen.

Der heute in Plieningen lebende Autor erzählt auch von den Errungenschaften, die der Fußball seiner Hochburg Baden-Württemberg zu verdanken hat. Cannstatt sei die erste Stadt gewesen, in der man Fußball gespielt hatte. Das war bereits 1865, noch bevor in England nach Trennung nach Trennung des Fußballs vom Rugby die offiziellen Regeln eingeführt wurden. „Wir waren die ersten“, kosntatiert er mit Leidenschaft, die den ganzen Abend über spürbar ist. Auf die Idee, die Handschuhe des Torwarts mit einer rutsch-hemmenden Latex-Auflage zu bekleben, kam das Metzinger Unternehmen Reusch. Selbst Tipp-Kick ist eine hiesige Erfindung.

Von diesem Spiel wird im nächsten Buch eine Geschichte über Hirschlanden zu finden sein. Auch für Benningen ist ein Kapitel reserviert, für das Sautter an diesem Abend ergänzend noch ein Interview mit Rudi Entenmann führte, der 1961 zum VfB Stuttgart wechselte. Für seine Heimat-Fußball-Bücher ist ihm offenbar kein Aufwand zu groß. So hat er das gesamte unglaubliche Leben Albert Olbrechts recherchiert und in Interviews mit dem damals 99-jährigen nachvollzogen, wie ein einzelner Mensch innerhalb von zehn Jahren in Ettlingen ein ganzes Stadion ohne fremde Hilfe bauen konnte. Auch hier gilt: Der Fußball macht’s möglich. Denn diese Geschichte ist wirklich wahr, wie alles, was der schwäbische Patriot Sautter in liebevoller Kleinarbeit an Bildern und Anekdoten für knapp 300 großformatige, farbig bedruckte Seiten zusammengetragen hat. Dies, damit das Ländle in Sachen Fußballliteratur im deutschlandweiten Vergleich endlich auch mithalten kann. Es ist im Silberburgverlag erschienen.

Autorin für die Ludwigsburger Kreiszeitung: Sabine Krell

Fußball im Heimatmuseum? Aber natürlich. Dort gehört er auch hin. Natürlich ist das gute Spiel auch auf dem Dorf ein hochbindender Kitt, der die Menschen zusammen hält. Darum ist die Ausstellung im Benninger Museum im Adler unbedingt sehenswert. Wer am Donnerstag, den 11.4. nichts anderes vorhat: An diesem Abend gibt’s nicht nur die Ausstellung, sondern auch noch eine Lesung.

Lesung Heimspiele Baden-Württemberg im Museum im Adler in Benningen: 11. April ab 19.30 Uhr

Auf die Lesung in Benningen freu ich mich ganz besonders – und das liegt nicht nur am schönen Benningen und der wundervollen Fußballausstellung, in deren Mitte ich einige Texte vorspielen darf. Die Vorfreude ist deshalb so groß, weil ich die Gelegenheit nutzen kann, aus dem Skript vom neuen Buch vorzulesen. Manche Kapitel aus dem neuen Werk „Fußballheimat Württemberg“ passen wundervoll in dieses kleine, aber schicke Heimatmuseum. Für Fußballheimat Baden-Württemberg bin ich mehr als ein Jahr über die Dörfer gefahren und habe dort einige Geschichten ausgegraben, die zu Unrecht niemals aufgeschrieben wurden. In Benningen werde ich einige neue Kapitel aufschlagen – wobei eines davon tatsächlich in Benningen spielt.

Zur Website der Veranstaltung: www.museum.in-adler.de

Genauer gesagt: in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg in Berlin. Ziemlich coole Location, muss ich schon sagen.

Schön, wenn mein Buch immer wieder Anstösse zum Nachdenken liefert. Und das sogar über die Grenzen von Württemberg und Baden hinaus. Dass dabei ein kleiner Auftritt in Berlin für mich abfällt, darüber kann ich als Schwabe nicht meckern.

Um was geht’s: Heimspiele bekommt einen Hashtag und wird zu #MeinHeimspiel. Unter diesem Motto steht ein Abend in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg in Berlin, an dem wir der Frage nachgehen, was Fußball und Heimat miteinander zu tun haben. Konkret: Was gibt mir mein Drittligist und was kann mir Neymar nicht geben?

Auf der Bühne lauter Prominenz. Fritz Keller (Präsident des SC Freiburg) Christoph Ruf (Fan und Journalist) und Dirk Zingler (Präsident des 1. FC Union Berlin). Und ich (nicht so promiment). Moderation hat Jessi Wellmer von der ARD Sportschau.

#MeinHeimspiel
Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund
23. Januar, ab 18.30 Uhr

Danke an Steffenz für’s Beitragsbild via Pxhere