Ach, wie schön ist die Schweiz. Manchmal zu schön. Überall wohlfeile Puppenstubigkeit. Alles so akkurat aufgeräumt, dass man den pedantischen Geist dahinter lieber nicht kennen lernen möchte. Und überall wehen Schweizerfahnen. Häufiger sogar als kroatische Flaggen in deutschen Schrebergärten. Bei schönem Wetter fällt das besonders auf. Aktuell wird das Bild vervollständigt durch Plakate mit deutlich rechter Ästhetik, auf denen vor unschweizerischen Umtrieben gewarnt wird. Unschweizerisch! Geht’s noch dümmer? Es geht um Waffenmeldepflichten. Gestern donnerten laute Kanonenschüsse durchs verlassene Grimseltal, dass wir bei der Abfahrt fast vom Rad gefallen wären vor Schreck. Und Angst, die Vorderladeridioten könnten uns mit radelnden Keilern verwechseln.

Darum heute Kontrastprogramm. Keine protzigschweizerische Landschaftsschönheit mit traumhaften Seen, aufgeräumten Dörfern und imposanten Bergen. Sondern ein Mannschaftszeitfahren von Visp nach Brig, also dort, wo das Wallis am hässlichsten ist. Kein autofreies Heileweltsaasfee oder Fototapetenzermatt. Sondern Visp. Wir hatten Lust auf Industrie. Und etwas Bewegung, denn nach zwei anstrengenden Bergetappen gönnt sich der große Giro auch was flaches oder kurzes. So wie wir. Zwischen unschweizerischen Beton- und Kraftwerken und zweifelhaften Baracken hindurch führte unsere Lockerungsrunde. Morgen greifen wir wieder voll an.

Auch unseren Marketingpflichten sind wir endlich nachgekommen. Fototermin für neue Profilbilder sind im Kasten. Die Schweizer stimmten übrigens für strengere Meldepflichten bei den Waffen. Erfrischend unschweizerisch, wie ich finde. Loben darf man allerdings die Bahn, mit der wir unser grimseliges Pech gestern korrigieren konnten. Status: En Route. Morgen Simplon. Mir wird schon jetzt ganz domm und dossola, wenn ich dran denke. Erkenntnis des Tages: Die erste Weltmeisterschaft 1954 hat Deutschland nicht dem Geist von Spiez zu verdanken (gesprochen „Spiiz“), sondern dem Geist von Spiez (gesprochen „Spi-ez“) also mit Betonung auf dem e. Ich muss das wissen. Ich bin das Wunder von Bernd und heute in Spi-ez umgestiegen.

Cronosquadre Brig – Visp – Brig:
14 km

Radservice Brig
Brig