Der eigentliche Grund, warum wir zum Nachtreten antraten, war dieser gar grimslige Pass, der sich im Frühjahr extrem garstig präsentierte, inklusive Wolken, klirrender Kälte, Lawinen und einer saftigen Komplettsperrung. Dickköpfe wie wir reagieren darauf mit besonderer Sturheit. Manchmal nicht das schlechteste. Swissmeteo gönnte uns nochmal formidable Bedingungen. Maximaler Lichtschutzfaktor. Die grimslige Nordseite hat drei wunderbare Stauseen. Tatsächlich ist nicht jeder Eingriff des Menschen gleich ein landschaftliches Debakel. Gut… die Strommasten. Aber an einem solchen Tag wollen wir nicht kleinlich werden. Kann man eigentlich die Wasserkraft direkt in die Waden umleiten? Das Zeug in der Trinkflasche taugte kaum für eine radlerische Energiewende. Hilfreich dagegen die Fotopausen. Waren ja verkappte Verschnaufpausen, mit Kamera als Alibi. All zu lange konnten wir uns nicht nicht aufhalten. Den Zug in Visp am späten Nachmittag durften wir auf keinen Fall verpassen. So blieb ich nur kurz an der Egan-Bernal-Kurve stehen, also der Kurve, in der der spätere Toursieger fast in der Almwiese gelandet wäre. Man muss sich von den Profis ja nicht jeden Trick anschauen, einen aber schon: Niemals bei Tempo 55 die Nase putzen. Froomy hatte sich dadurch die ganze Saison an einer Hauswand vermasselt. Wir dagegen: EinsA Zinken, also immer reichlich Luft. Praktisch Erfolgsgeheimnis. Erkenntnis des Tages: Manchmal hilft es, ein sturer Type mit einer großen Nase zu sein, vor allem, wenn du einen ebensolchen Kumpel hast.

Passkontrolle Nachtreten, Etappe 3: Innertkirchen – Visp
90 km, ca. 1850 Höhenmeter

Guttannen
Unterer Grimselsee
Grimselpass
Grimselpass
Grimselpass
Grimsel Südseite
Tagesfilm