Was ein Privileg! Das Reisen sowieso. Aber vor allem, dass wir beide Freischaffenden uns einen Wochenanfang frei schaffen können. Megaprivileg. So kannst du ohne Blechkarawane die Pässe genießen. Tatsächlich: Heute nur kümmerliche Pensionistenchapter unterwegs. Die Fettkutten der üblichen Midlifecrisis-Lederäffchen hängen im Ikeaschrank. Darum drivdet die Ode an den Susten ins ungereimt Euphorische: „Oh Susten. Oh Susten, schon von vorn biste wunderschön, vielleicht ein wenig zu hoch, aber es soll dich auch nicht jeder im Vorbeistrampeln erobern. Das war schon mühselig, musste zugeben, mein liebes Susten, und oben, das war fast schon zickig, gell, aber es sei Dir verziehen, liebes Süstchen, denn von oben und hinten, fantastisch!“ Tatsächlich ist die Seite von Innertkirchen die schönere. Ein Gletscher (ja, sowas gibts noch) lappt über den Kamm und tropft aufs feinste in den klaren Sustensee. Ein einheimischer Radheld verriet uns die schönste Aussichtsplattform. Da fotografierst du dich dämlich. Nur um festzustellen, dass Aufnahmen scheitern müssen. Sie sind in jedem Fall zu zweidimensional für diese aufregende Kulisse. Besser Kamera weg, und einfach genießen. Oder runterfahren. Die entsprechende Ode an die Sustenabfahrt verkneif ich mir besser, sonst wird’s unanständig. Erkenntnis des Tages: Wer dem Pass jedes Korn geopfert hat, wird seine Pasta in einem Zug einatmen.

Passkontrolle Nachtreten, Etappe 2: Vierwaldstätter See – Innertkirchen
72 km, ca. 2000 Höhenmeter

Sustenpass

Susten
Susten
Susten
Sustensee
Tagesfilm