Wenn sich die Regenwolken verziehen, erkennt man, warum Anpezo schon Ende des 19. Jahrhunderts als Perle der Alpen, die Schönen und Reichen anzog. Man kann kaum ein Foto von Ort und Bergpanorama machen, welches nicht als japanische Kitschtapete taugen würde. Jede Richtung fotogen, es sei denn, man lässt mal das Bergpanorama weg. Was mich überrascht hat: Fast keiner da, außer Bernd. Und ich dachte noch: Bäumler Kilius, Eiskunstläufer, Traumpaar der Sechziger. Dachte an Olympiade und James Bond. Aber außer ein paar Schwarz-weiß-Fotografien beim pseudowichtigen Pizzabäcker ist wenig übrig. Zwischensaison. Auf der Prachtstraße haben manche Rennommierabsteigen ihre Läden dicht. Viele Ristorante haben ihr Personal auf Urlaub geschickt. Moncler und Rossignol-Stores sind ganztags verriegelt. Der Ort ist lebendig wie ein Museum am Ruhetag. Fast ein Viertel aller Wohnhütten gehören Menschen, die gar nicht hier leben. Wenn was leer steht, wird es zum Spekulationsobjekt. Die horrenden Preise wollen nicht mal die Mafiosi zahlen. Auch kein Mussolini ist in Sicht, der mal von hier aus Italien regieren wollte. Berlusconi ist ja auch schon zu alt. Der Lack ist ab, das Panorama bleibt. Die Leute, die im Café sitzen, sehen alle aus als hätten sie Kilius-Bäumler noch live erlebt. Ich fühle mich jung und frisch. Zumal ich in einem feinen vollverholzten Agriturismo bei Familie Ghedina residiere, etwas außerhalb der scheintoten Alpenperle. Erkenntnis des Tages: Ghedina, Ghedina, Ghedina??? Den ganzen Tag hab ich mich gefragt, woran mich der Name erinnert. Gut, dass mir das noch gedämmert hat: Ich erhole mich beim Pappa von Christian Ghedina, x-facher Weltcupsieger in der Abfahrt, unter anderem Gewinner in Kitzbühel. Na Servus.

Cortina Cadin di Sotto
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