Daheim würde ich den Bus nehmen bei dem Wetter. Aber find mal die Linie, die dich quer durch die südböhmische Savanne chauffiert. Blöd vor allem, dass man kaum was sieht. Fotomomente keine. Wolkenverhangene Ebene ist ja nicht gerade das, was man von der schönen Reise zeigen mag. Bei der Planung stell ich mir das immer im Sonnenschein vor. Immer. Fall ich den üblichen Tourismusbilder zum Opfer, oder bin ich tatsächlich notorischer Wetteroptimist? Dann dauernd Stoßgebete: Möge bitte mein drittes Garmin Navi endlich wirklich wasserdicht sein (bis jetzt schon). Möge das doofe Geknatter, das mein Rad plötzlich von sich gibt, genauso unvermittelt verschwinden, wie es erschien (ein halber Liter Fahrradöl heute Abend könnte geholfen haben). Möge diese Schotterpiste nach der nächsten Kurve besser werden (nein). Und das, wo das Abenteuer heute erst richtig begann. Denn plötzlich bin ich in Österreich. Man nennt das wohl österreichisch Sibirien, den Norden. Korrekt ausgedrückt: Waldviertel. Fast wie Böhmen, soweit ich es durch die tropfige Brille beurteilen kann. Auf dem Weg nach Brünn war es die kürzeste Variante. Sogenannte Überführungsetappe. Vermutlich sind die anderem drei Touristen hier in Raabs an der Thaya auch auf dem Weg nach woanders. Viele Grenzregionen haben ja von der Öffnung nach Osten profitiert. Rein optisch drängt sich der Verdacht hier nicht auf. Andererseits: In den paar Waldviertler Städtchen findet man Einzelhändler, die es zu Hause kaum noch gibt: Gartenbedarf, Elektriker mit schönem Laden, Polsterer und sogar drei Trafikanten. Alles am Hauptplatz in Raabs, der Perle an der Thaya. Abseits des Hauptplatzes, andere Welt. Die Wohnhäuser gerne mal in der Architektur barackig. Die weniger reizvolle Form der Schlichtheit. Der raue Charme des Ostens beginnt schon in Niederösterreich. Wer sich mal etwas Zeit nehmen möchte, ein Buch schreiben, oder anderen Gründen ungestört leben: das Waldviertel bietet sich an, eine Gegend ohne das besondere Etwas. Auch mal schön. In diesem Punkt so ähnlich wie Nordhessen. Erkenntnis des Tages: Egal, was drumherum (nicht) ist, im Hof beim Heurigen, ist‘s immer angenehm. Erkenntnis gerade eben: Bei Zimmern am ruhigen Fluß bitte schön die Fenster geschlossen halten. Ssssssss.

Krumlov – Raabs an der Thaya: 115 km, ca. 1050 Höhenmeter