Vor etwa zwanzig Jahren erkannte man an weißen Fahrzeugen: Es ist ein Zuhälter oder ein Werber. Das gilt heute noch. Mit diesem Gerät starte ich morgen meinen Giro di San Marino. Also den winzigen Bruder des Giro d’Italia. Für die Experten: das Ding nennt sich Gravelbike. Schotterfahrrad. Mir taugt es. Nur den Elektroantrieb hab ich noch nicht gefunden. Mit dem, was ich in die Taschen gestopft hab, werd ich mich die nächste Zeit begnügen. Das wichtigste Utensil neben der bereits gewürdigten Creme ist vermutlich das Tubenwaschmittel. Während Luxuslimousinen heutzutage mit Conciergefunktionen ausgestattet sind, muss ich hier noch alles selbst machen. Sogar den Antrieb. Vielleicht fahr ich morgen früh doch nur zum Bäcker und wieder zurück.

Verzweiflung ist vielleicht zuviel. Aber langsam zweifele ich daran, ob mein Trainingspensum ausreicht. Ob es mir bei meinem Giro di San Marino wirklich hilft, wenn ich den Giro d’Italia im TV taktisch analysiere? Vielleicht wäre es doch besser in diesem Futterspeicher zu übernachten, der den Stadtrand von Plochingen markiert. Wer dort geboren ist, kennt übrigens keine Furcht. Plochinger gehen zu einem Friseur namens Haarvirus, blicken täglich auf ein scheußliches Türmchen des Antikünstlers Hundertwasser und haben inmitten eines Kreisverkehrs eine überdimensionale künstliche Hüfte aufgestellt. Ich sollte mir von der Plochinger Furchtlosigkeit eine Scheibe abschneiden. Vielleicht ist im Kraftfutterspeicher noch eine für mich übrig.