Auf dieser kleinen Tour de Suisse durfte ich den Windschatten des großen Michl Luz genießen. Michl ist einer der größten Illustratoren unserer Tage. Wir nahmen den Zug von Stuttgart nach Lindau und legten los. Die Tagebucheinträge sind von mir. Die Bilder zum Teil von Michl.

Passhöhe

Bin heute mit dem großartigen Michl von Lindau nach Lugano aufgebrochen. Als alter Alleinfahrer lernte ich die Freuden der gegenseitigen Motivation kennen. Im Großen und Ganzen ist das klasse. Im Detail peinlich.

Wenn du dem Radler angeratenes, leichtes Gemüse zum Mittag verzehrst und sich der persönliche Vergaser kohlgetrieben immer wieder meldet, ist das ja sonst niemandem aufgefallen. Als wir heute die wunderbar einsame Taminaschlucht bis zum Kunkelspass hochkurbelten, knatterte ich durch die Bergstille wie ein altes Mofa. Dieser mangelnde Respekt vor der Schöpfung ist ja kaum auszuhalten. Naturschutz geht anders. Könnte schwören, dass mir das bei Alleingängen noch nie passiert ist.

Wie ist das eigentlich im Peloton der Tour? Vermutlich lassen sich manche Fahrer nicht wegen mangelnder Form zurückfallen. Sondern aus anderen Gründen. Über dieses Tabuthema wird natürlich nie berichtet. Aber ich weiß das jetzt. Oben auf dem Kunkelspass gibt’s übrigens den besten Heidelbeerkuchen ever. Diese Passhüttenkuchen sind auch deshalb immer so lecker, weil der halb unterzuckerte Körper genau sowas braucht. Heidelbeeren in Verbindung mit steilen Abfahrten sind nebenbei extrem beruhigend für den Vergaser.

Erkenntnis des Tages: Die Rezeption im Gasthaus Rössli ist der Hammer. Muss man erstmal schaffen, dem Zweimetereinsmann Michl ungerührt das Zimmer mit dem Namen „Zwerg“ zu geben.

Vattis
Michl und der Wirt der Kunkelspasshütte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rheinschlucht

Erste Etappe Lindau – Versam:
124 km, ca. 2.000 Höhenmeter