Im Valtellina

Wenn Du von Zuoz im Engadin an den Lago di Lugano fahren willst, musst du eigentlich nur über die Malojakante gleiten und den Schwung mitnehmen. Wer von uns beiden Möchtegernhelden auf die Schnapsidee kam, über den Bernina zu fahren, weil der so schön ist, konnten wir während der gesamten 190 km nicht letztgültig klären. Sicher ist: Irgendwo auf den 2000 Höhenmetern Superabfahrt hab ich die letzten Schichten meines Bremsbelages verstreut, aber durchs Valtellina geht’s auch ohne. Bei der Entfernung kann ich mir sowieso keine Bremsung leisten.

Was völlig genial ist, wenn du mit dem großartigen Michl unterwegs bist: Aufs Kulinarische wird geachtet. Als Sternefüllung des Energiespeichers wurden mittags Malfece mit Edelspeck an Safransößle gereicht. Danach hatten wir beide noch ein Semifreddo mit Frucht und Karamelldings. Foodporn, damit die Waden wieder Bumms bekommen. Ein paar Kilometer zuvor, nördlich der Schweizer Grenze, hätte ich dafür noch extra den Kreditrahmen erweitern müssen. Wenn man bedenkt, was die Radprofis in ihren Nahrungstaschen gereicht bekommen, ekeliges Proteinzeugs an Quetschbananen, kommt gleich doppelt Freude auf. Meine traurigen funktionsoptimierten Energieriegel nehm ich grad wieder nach Hause. Steht „Ballaststoffreich“ drauf – ach, so war das gemeint.

Erkenntnis des Tages: Nach langen Etappen bin ich zu keiner Erkenntnis mehr fähig.

Bernina
Bernina

Dritte Etappe Zouz im Engadin – Osteno am Luganer See:
190 km, ca. 1600 Höhenmeter