Lohn der Mühen

Das Atelier von Michael Luz hatten wir gestern noch erreicht, grad so vor Einbruch der Dunkelheit. Wer verstehen will, warum der Künstler an diesem Ort bei freien Arbeiten vornehmlich zu honigsüßen Motiven neigt, dem sei ein Besuch von Osteno am Luganer See empfohlen. Nicht mal mein eingebauter Miesepampel konnte einen Fehler entdecken. Zu kitschig, würde ich normalerweise sein Postkartenatelier kritisieren, aber die Bemerkung schlucke ich mit herzhaftem Stelviokäse, dünnsten Schinkenstreifen und von Michl zünftigst bereiteten Spiegeleiern gleich wieder runter.

Ob des Paradieses verschwitze ich fast, dass mein Rückzug ab Lugano um 12.42 Uhr Schweizer Pünktlichkeit abfährt. So werden die Kilometer um den Postkartensee herum zum Zeitfahren gegen die Uhr. Sightseeing bei erhöhtem Tempo. Sonne im Zenit. Überraschenderweise erreiche ich Zug und Ziel. Schalten Sie also bitte auch Mitte August wieder ein, wenn sich das Diario frei von der Wade weg meldet, dann vom Giro d‘Italia Norte. Übrigens auch wieder mit Stelvio, aber nicht nur mit dem Käse.

Zweimetereins großen Dank an den vortrefflichen Michl für Windschatten und kulinarischen Spürsinn. Erkenntnis des Tages: Wenn du in Lugano mit Velo jedoch ohne Veloticket in den Zug steigst, fliegst Du in Bellinzona gleich wieder raus.

Ach… bevor sportliche Bewunderung aufkommt, hier noch ein Reisefakt, den ich nicht verschweigen möchte: Beim Aufstieg auf den Bernina wurden wir von einem Handbikefahrer überholt. Bergrunter zischt er mit neunzig Sachen. Soviel vom Sport.

Michl an seinem Stammplatz in Osteno

Vierte Etappe: Zeitfahren Osteno – Lugano
35 km, ca. 300 Höhenmeter