Jetzt echt? Schon wieder so ne Tour? Vielleicht sollte ich vorher überlegen, warum ich mich darauf freue. Wenn Bata Illic oder Costa Cordalis sich einst fürs Dschungelcamp hergegeben haben, stand auch die Frage im Raum, ob das unbedingt hätte sein müssen. Costa und Bata redeten sich damit raus, dass es etwas zu verdienen gibt – und sichtbar wurden sie auch im ganzen Land. Es war für beide zwar unter Niveau, den australischen Grillen und anderen B-Promis ein Ständchen zu singen, aber eingezogen sind sie trotzdem. Vor aller Öffentlichkeit schwitzen, Sternchen feiern und nach Kräften zu versuchen, die menschlichen Peinlichkeiten in Grenzen zu halten, ist durchaus eine Herausforderung. Und das in aller Öffentlichkeit, praktisch live und in Farbe.

Wo ist denn eigentlich der Unterschied? Radlcompagnon Michl Luz und meine Windschlüpfrigkeit cruisen in Kürze mit den Velos durchs Land. Cap Arkona auf Rügen bis Berchtesgaden, so der Plan. Immer an der frischen Luft soll ja gut sein in Zeiten unsichtbarer Gefahren. Aber gleich so dauernd? In Dschungelcamplänge quasi? Ja, und zwar mit größtem Vergnügen. Mini-Serien funktionieren, sagt man. Wir sind ja das Gegenteil von eingesperrt. Wir nutzen die Freiheit, die uns das Rad verleiht, um von Arkona bis Watzmann die deutsche Realität zu genießen. Die Konsequenz lautet zwar Pirna statt Australien, aber wir sind ja morgen schon ein Stück weiter, während Costa und Bata im Camp eingesperrt blieben.

Aber das Wichtigste ist natürlich das Rad. Es erinnert uns daran, dass echter Genuss im Leben zwangsläufig mit Strampeln verbunden ist. Wir sind Flaneure zweiter Ordnung, also nicht zu Fuß unterwegs wie der große Stuttgarter Herzschrittmacher Joe Bauer, sondern etwas zügiger und in ganz Deutschland. Etwas mehr Puls dabei, aber wir müssen halt schauen, dass die Dinge im Rollen bleiben. Darum haben wir uns auf den Osten festgelegt, mehr Dschungelcampcharakter dort, außerdem wollte ich mich in Stuttgart-Ost nicht umsonst auf die Nase gelegt haben. Das härtet ab. Grenzerfahrung verweist also darauf, dass wir stets an der Ostgrenze entlang gondeln wollen. Offensive Erweiterung des Horizonts. Reisen bildet, sagt man. Probieren wir’s aus. Ob wir geistig fit genug sind, wird sich herausstellen. In aller Öffentlichkeit. Es ist ja so: Große Künstler können sich rar machen. Es sind die Möchtegerns, die mit ihren halbstarken Ideen ins Licht und die sozialen Netzwerke drängen. Und ähnlich wie im Dschungelcamp wird’s auch bei Michl und mir: Um so lustiger je schiefer es geht. Mit der Ausnahme, dass ich bitte nicht schief in Pirna hängen möchte. Das fänd ich unlustig.

Erkenntnis des Tages: Costa Luz und Bata Sautter sind bereit für die Grenzerfahrung Ost. Italien war geplant, jetzt gehts durch Frankfurt an der Oder. Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Zwei Altsternchen auf Tour. Immer wieder eine große Freude. Hoffentlich sinken die Einschaltquoten nicht all zu tief in den Keller.