Jetzt sind es nur noch zwei. Der Vereinsbeirat des VfB schlägt Claus Vogt und Chrsitian Riethmüller als Präsidentschaftskandidaten vor. Längst bevor die Wahl durch die Mitglieder fällt, stehen Gewinner und Verlierer bereits fest.

Es ist ein Richtungswechsel, wie er radikaler nicht sein kann. Völlig gleich, wer es wird – Claus Vogt oder Christian Riethmüller – beide stehen für einen maximalen Gegenentwurf zum vormaligen Präsidenten, der wegen mangelnder Sozialkompetenz förmlich aus dem Amt gebrüllt wurde. Es ist offensichtlich: Der Vereinsbeirat, der kraft Satzung die schwierige Aufgabe hatte, in einer Art Expertenkommission vorzuwählen, hatte offenbar genug von präsidialen Herrschergehabe, das cholerische Anfälle als Mittel der Machtausübung durchaus vorsieht. Dabei darf erwähnt werden, dass es der Beirat nicht leicht hatte. Nachdem die Öffentlichkeit entdeckte, wer dieses Gremium überhaupt sein soll, schoss der Vetterleswirtschaftsverdacht an jeder undichten Stelle durch die nichtasphaltierten Stellen des Cannstatter Wasens. Der Porth! Der Jenner! Der Schlensog! Hinter jeder Kandidatin und jedem Kandidaten wurden die einschlägig bekannten Liasons Dangereuses vermutet. Mit Recht übrigens, schließlich hat derlei Geklüngel eine Tradition, die länger ist als der Brustring. Und der ist bekanntlich so kreisrund, dass er nie aufhört.

In dieser Hinsicht versagte der Vereinsbeirat aufs Erfreulichste. Die Damen und Herren waren vor ihrer eigenen Wahl damals durch eine intensive Prüfung gejagt worden, die man als VfB-Treueprüfung verstehen konnte, aber auch deutliche Teile von Wolle-Dietrich-Treue als Prüfgegenstand enthielt. Mit der Wahl der beiden Kandidaten hat der Beirat erstmal jeden Verdacht der freundlichen Fremdsteuerung entkräftet. Vogt und Riethmüller haben mehrere Gemeinsamkeiten. Die vielleicht hervorstehende Übereinstimmung: Es handelt sich bei den Beiden um Persönlichkeiten, die den Verdacht der Beeinflussbarkeit nicht zerstreuen müssen, weil er gar nicht erst aufkommt. Die Chefs des Buchhändlers Osiander und des Facility-Management-Unternehmens Intesia kommen aus einer ganz anderen Ecke als diejenigen, die bisher – mehr hintenrum als vornerum – die Geschicke des Vereins und seiner AG leiten wollten. Vogt und Riethmüller setzten bei Ihrer Kandidatur voll auf Mitbestimmung, Gemeinsamkeiten und gesellschaftliche Verantwortung. Bemerkenswert ist dabei, dass ihre ersten Statements jetzt schon glaubwürdiger ihr Anliegen verkörpern als jeder Satz, den ihr lispelnder Vorgängergreis vom Papier abgestottert hatte.

Die Gewinner stehen damit längst fest: Ganz egal, wie turbulent es bei der nächsten Versammlung zugehen wird. Gewinner 1: Thomas Hitzlsperger. Der grundsympathische Turbokarrierist muss zwar seine Vorschusslorbeeren noch rechtfertigen, aber er kann sich sicher sein, dass er von Vereinsseite einen kooperativen Partner an die Seite gestellt bekommt. Schließlich gehört dem Verein die ganze AG-Chose hochprozentigerweise. Gewinner 2: Der Vereinsbeirat. Das Gremium hat seine Eigenständigkeit bewiesen und hat alles getan, um den Fehler wieder wett zu machen, den sich noch im Sommer begangen hatten, als es in einer Art Zeitspiel versuchte, den greisen Choleriker seines Amtes noch fertig walten zu lassen. Gewinner 3: Die Mitglieder. Sie können es sich nun sparen, nach Verstrickungen zu fahnden. Beide Kandidaten haben ein ähnliches Profil. Es wird eine schwere Wahl. Allerdings scheint der Präsident des FC PlayFair!, ein Verein, der sich für Integrität im Profifußball einsetzt (dem der Autor angehört) im Vorteil zu sein. Allerdings werden beide Kandidaten wissen: Diesen VfB-Mitgliedern wird man nichts mehr versprechen können – oder erst dann, wenn die Glaubwürdigkeit wieder hergestellt ist. Und das geht nicht durch Worte, sondern einzig durch Taten.

Und das Sportliche? Banale Antwort: Es wird, wie es wird. Der Verein ist dafür nicht mehr direkt zuständig. Das sportliche Schicksal haben die Mitglieder in die Hände der ausgegliederten AG dirigiert. Ob es dort besser aufgehoben ist, wird sich erweisen müssen. Für die Präsidentschaftskandidaten galt jedenfalls: Die Erfahrungen der WM 90 und das Meistertor von Leverkusen ’92 konnten leider nicht als Kriterium gewertet werden. Und das war auch: Gut so!

Wie es so ist, wenn es nicht unentschieden ausgehen kann, finden wir beim ganzen Kandidatenprozedere auch zwei Verlierer. Bemerkenswerterweise hatten sich beide noch letztes Jahr etwas in der „Wolle“. Verlierer Nummer 1: Ein gewisser Herr Porth. Noch vor einigen Monaten hatte er in grober Missachtung jeder Daimler Compliance versucht, zu retten, was nicht mehr zu retten war. Ein Daimler-internes Mail gab VfB-Mitgliedern, die unter dem guten Stern arbeiten eine eindeutige Wahlempfehlung. Vielleicht hat Porth inzwischen eingesehen, dass er sich besser gründlich um die automobile Zukunft kümmern sollte als um die fußballerische. Bei diesem Unterfangen kann man ihm nur Glück wünschen – und die dazu notwendige Aufrichtigkeit.

Als Loser Nummer zwei gilt man ein Mann, der in einem unauffälligen Büro in Ludwigsburg sein Tagwerk verrichtet: Roland Eitel. Der Spin Doctor aus dem Untergrund des deutschen Fußballschaffens hatte erst seinen Kunden Jürgen Klinsmann in Stellung gebracht und dann seinen Kunden Guido Buchwald. Als er sah, dass man mit Klinsmann nicht landen konnte, geschah ein öffentlichkeitswirksamer Rückzug. Es war wie beim Skat, wenn man den Kreuzbuben opfert, weil man listigere Pläne verfolgt. Was auch immer der Plan war: Er scheiterte krachend. Spätestens als Freund Berthold von kruden Plänen mit einem Filderstadion träumte, musste allen klar gewesen sein, dass sich die große Zeit des Spin Doctors dem Ende entgegen neigt.

Der Vereinsbeirat als Gremium hat nun seine große Probe bestanden. Mit der Wahl der beiden Kandidaten beweist er eindrucksvoll: Er ist mehr als ein Rat der alten, weisen Männer. Die Wahl Mitte Dezember darf mit Spannung erwartet werden. In ersten Spontanumfragen, die im Netz kursieren, liegt Vogt vor Riethmüller. Ob die Wahl gut und erfolgreich verlaufen wird, ob also der VfB einen neuen Präsidenten bekommt, liegt allerdings nicht an den Mitgliedern und nicht an den Kandidaten. Es ist einzig die Frage, ob das W-LAN funktioniert.

Wer sich aus erster Hand informieren möchte, dem sei diese Veranstaltung vorgeschlagen (unter meiner bescheidenen Mitwirkung)

Kommet zuhauf ins SSC Vereinsheim

Wer den Baden-Württembergischen Fußball und die Tradition, in der dieser Verein mit dem Brustring steht, unter die Lupe nehmen möchte: bitte gerne. (Kann man auch bei Osiander käuflich erwerben)