Unvergessen, aber auch unvollendet. Das gilt für die historische Friedensfahrt ebenso wie für meine Tour auf ihren Spuren.

Durch Tschechien und die Slowakei habe ich mir einige historische Orte der Friedensfahrt erradelt. Der Weg durch die Tatra wurde von einer fiebrigen Erkältung ausgebremst. Schade, aber nichts, was man nicht noch nachholen kann. Die neun Etappen von Stuttgart bis Zilina hatten es auch so in sich. Mit dabei: der Böhmerwald, der mährische Karst und giftige Beskidenberge.

Bitteschön: http://heimspiele-buch.de/ausreisser/

Viel Vergnügen.



Fußballheimat Württemberg

Seit Jahren versuche ich ein Buch zu veröffentlichen, welches ohne Rasen auf dem Cover auskommt. Was soll ich sagen? Schon wieder gescheitert.

Jedoch gerne und aus gutem Grund: Mit großem Vergnügen reihe ich mich ein in die bestehende Fußballheimat-Serie aus dem Arete Verlag. Die Titel „Fußballheimat Franken“ und „Fußballheimat Südbayern“ liegen bereits vor. Der sportliche Anstand gebührt es, sich an die vorgegebenen Regeln zu halten. Gern geschehen, lieber Arete Verlag.

Selbstverständlich sind auch bei der Fußballheimat aller guten Dinge das Dritte. Keine Frage: Der Württemberg-Band darf als absolutes Highlight der Serie gelten. So sieht man das zumindest in meiner Fußballheimat. Das Buch erscheint im Oktober. Weitere, total objektive Informationen – frei von jedem Lokalpatriotismus – stehen in der beigefügten Pressemeldung des Arete Verlages, die ich im folgenden zitiere:

Fußballheimat Württemberg – mehr als Titel, Tore und Triumphe

Wer sich auf eine Fußball-Reise durchs Ländle begibt, entdeckt alle schwäbischen Klischees, aber auch vieles, mit dem niemand rechnen konnte. So stößt man auf eine Geburtsstätte des deutschen Fußballs in Cannstatt. Man entdeckt die Keimzelle der taktischen Revolution in Ruit und stolpert über einen Verein, der dreimal Süddeutscher Meister wurde, aber nicht VfB heißt. 

Die Schauplätze der „Fußballheimat Württemberg“ liegen zwischen Bundesliga und Kreisklasse, zwischen Komödie und Tragödie, zwischen Vereinsheim und Trainingslager. Württembergische Fußballgeschichte wird nämlich überall geschrieben: auf der winzigsten Tribüne und im Acker, über den die schlechteste Mannschaft Deutschlands pflügte. 

Um diese Fußballheimat zu erkunden, reiste Bernd Sautter quer durchs Land, schwätzte mit Fans, Freaks und Funktionären. Herausgekommen sind originelle100 Orte in Wort und Bild, die die Menschen in Württemberg auch emotional beweg(t)en. 

Bernd Sautter, der sich bereits mit dem Buch „Heimspiele Baden-Würrtemberg“ als Kenner der hiesigen Fußballszene erwiesen hat, steht für Lesungen zur Verfügung. 

Offizielle Buchvorstellung mit prominenten Zeitzeugen am 22.10.2019 um 19.30 Uhr im VfB-Fanprojekt, Hauptstätter Str. 41, 70173 Stuttgart. 

Feine Transalp auf dem Rennrad mit dem großartigen Illustrator Michl Luz: von Degerloch mit Umwegen zur Giro-Etappe an die Madonna di Ghisallo.

Und wie immer habe ich ein Diario geschrieben – über Forellen auf dem Radweg, Lawinen vor dem Grimsel und eine zünftige Blasmusik in Aulfingen.

Bitteschön: http://heimspiele-buch.de/ausreisser/

Viel Vergnügen.



Volle Hütte im Benninger Museum im Adler. Hier der Bericht der Ludwigsburger Kreiszeitung:

Seitdem der TSV Benningen 1899 im Jahr 1960 als württembergischer Meister in die oberste Amateurliga aufgestiegen war, ist für Benningen die Fußballgeschichte ein besonderes Highlight. Keine Frage, dass dieses Thema zum 30-jährigen Jubiläum des örtlichen Heimatmuseums einen besonderen Stellenwert bekam. Passend dazu fand nun die Autorenlesung mit Bernd Sautter statt, der – akribisch recherchiert und sorgfältig dokumentiert – 94 Fußballgeschichten in seinem Buch Heimspiele Baden-Württemberg zusammengefasst hat. Einige davon erzählte er im Museum im Adler vor rund 30 Besuchern.

Das Publikum ist bestens im Thema, immerhin gebe es in Deutschland gut 40 Millionen Bundestrainer, sagte Sautter ausgenzwinkernd. Der Auricher, der sich von der Mutter bereits im Alter von vier Jahren die Aufstellung der damaligen Nationalmannschaft Uruguay aus dem Kicker-Sonderheft von 1970 vorlesen ließ, kennt mittlerweile die baden-württembergischen Clubstrukturen- und Geschichten wie wohl kein anderer. Der besonderes Reiz seines Buches liegt zweifelsfrei in der Tatsache, dass der freiberufliche Werbetexter und Fußballfreak Sauter literarische Kompetenz mit fußballerischem Sachwissen kombinieren kann, sagte Museumsdirektorin Christina Vollmer. Thema des 52-jährigen ist zum Beispiel das Verbot des Frauenfußballs 1955 durch den DFB, das die zur Damenelf zusammengestellte Affalterbacher TSV-Gymnastikgruppe jedoch nicht davon abhielt, ein Benefizspiel gegen ihr Äquivalent aus Weiler zum Stein abzuhalten. Das Spiel lockte 2000 Zuschauer auf den Sandplatz am Lemberg und spülte dem Pfarrer 1000 Mark in den Kirchensäckel. Und das trotz der einheimischen Unkenrufe „Ihr spennat doch“.

Sautter hat noch viele zu erzählen, zum Beispiel davon, dass früher die Gemeinschaft und der Sport selbst im Mittelpunkt standen und nicht so sehr die Ergebnisse. Er erzählt vom VfR Heilbronn, der 1988 als Außenseiter ggen den FC Bayern München im Frankenstadion spielte, ein Spiel, das nach Sonnenuntergang abgebrochen wurde, weil es dort keine Flutlichtanlage gab, und die kurzerhand angeforderten Großscheinwerfer der örtlichen Feuerwehr dem damaligen Bayern-Trainer zufolge eher eine Barbeleuchtung glich. Aus dieser Zeit habe Jupp Heynckes den Spitznamen „Osram“ und Heilbronn den historischen Sieg mit 2:1 über den Champion davongetragen.

Der heute in Plieningen lebende Autor erzählt auch von den Errungenschaften, die der Fußball seiner Hochburg Baden-Württemberg zu verdanken hat. Cannstatt sei die erste Stadt gewesen, in der man Fußball gespielt hatte. Das war bereits 1865, noch bevor in England nach Trennung nach Trennung des Fußballs vom Rugby die offiziellen Regeln eingeführt wurden. „Wir waren die ersten“, kosntatiert er mit Leidenschaft, die den ganzen Abend über spürbar ist. Auf die Idee, die Handschuhe des Torwarts mit einer rutsch-hemmenden Latex-Auflage zu bekleben, kam das Metzinger Unternehmen Reusch. Selbst Tipp-Kick ist eine hiesige Erfindung.

Von diesem Spiel wird im nächsten Buch eine Geschichte über Hirschlanden zu finden sein. Auch für Benningen ist ein Kapitel reserviert, für das Sautter an diesem Abend ergänzend noch ein Interview mit Rudi Entenmann führte, der 1961 zum VfB Stuttgart wechselte. Für seine Heimat-Fußball-Bücher ist ihm offenbar kein Aufwand zu groß. So hat er das gesamte unglaubliche Leben Albert Olbrechts recherchiert und in Interviews mit dem damals 99-jährigen nachvollzogen, wie ein einzelner Mensch innerhalb von zehn Jahren in Ettlingen ein ganzes Stadion ohne fremde Hilfe bauen konnte. Auch hier gilt: Der Fußball macht’s möglich. Denn diese Geschichte ist wirklich wahr, wie alles, was der schwäbische Patriot Sautter in liebevoller Kleinarbeit an Bildern und Anekdoten für knapp 300 großformatige, farbig bedruckte Seiten zusammengetragen hat. Dies, damit das Ländle in Sachen Fußballliteratur im deutschlandweiten Vergleich endlich auch mithalten kann. Es ist im Silberburgverlag erschienen.

Autorin für die Ludwigsburger Kreiszeitung: Sabine Krell

Fußball im Heimatmuseum? Aber natürlich. Dort gehört er auch hin. Natürlich ist das gute Spiel auch auf dem Dorf ein hochbindender Kitt, der die Menschen zusammen hält. Darum ist die Ausstellung im Benninger Museum im Adler unbedingt sehenswert. Wer am Donnerstag, den 11.4. nichts anderes vorhat: An diesem Abend gibt’s nicht nur die Ausstellung, sondern auch noch eine Lesung.

Lesung Heimspiele Baden-Württemberg im Museum im Adler in Benningen: 11. April ab 19.30 Uhr

Auf die Lesung in Benningen freu ich mich ganz besonders – und das liegt nicht nur am schönen Benningen und der wundervollen Fußballausstellung, in deren Mitte ich einige Texte vorspielen darf. Die Vorfreude ist deshalb so groß, weil ich die Gelegenheit nutzen kann, aus dem Skript vom neuen Buch vorzulesen. Manche Kapitel aus dem neuen Werk „Fußballheimat Württemberg“ passen wundervoll in dieses kleine, aber schicke Heimatmuseum. Für Fußballheimat Baden-Württemberg bin ich mehr als ein Jahr über die Dörfer gefahren und habe dort einige Geschichten ausgegraben, die zu Unrecht niemals aufgeschrieben wurden. In Benningen werde ich einige neue Kapitel aufschlagen – wobei eines davon tatsächlich in Benningen spielt.

Zur Website der Veranstaltung: www.museum.in-adler.de

Endlich! Die Ausstellung „fan.tastic females“ rückt die Frauen unter den Fußballfans ins Licht. Die Ausstellung mit beeindruckenden Dokumenten und spannenden Geschichten kommt jetzt nach Stuttgart. Zu sehen zwischen 6.4. und 18.4. im VfB-Fanprojekt Stuttgart, Hauptstätter Str. 41. Die Podiumsdiskussion mit der Co-Ausstellungsmacherin Antje Grabenhorst findet am 8.4. statt.

Wieder eine spannende Veranstaltung im Fanprojekt, für die ich mich gerne einsetze. Freue mich vor allem auf die Podiumsdiskussion, am Montag 8. April 2018. Hier einige Infos über die Hintergründe von Ausstellung und Diskussionsabend.

Mehr als ein Viertel der Stadionbesucher in Deutschland sind weiblich. In einer Studie geben mehr als die Hälfte aller Frauen zwischen 16 und 69 Jahren an, dass sie an Fußball interessiert sind. Das sind 18 Millionen weibliche Fußballfans. Die Liebe zum Fußballspiel hat längst eine deutlich weibliche Dimension. Doch in der allgemeinen Wahrnehmung kommen die Frauen in den Fanszenen kaum vor. Dagegen ist das Bullshit-Bingo von Frauen und Fußball kaum auszurotten. Ausgehend von der Frage, was wohl bitteschön abseits sei, wird den weiblichen Fans aller Orten Kompetenz und Hingabe abgesprochen. Die Männergesellschaft dominiert. Manchmal ist es krasse Diskriminierung und schlimmer Sexismus.

Weil bereits das abgestandene Frauenklischee gehörig auf die Nerven geht, konzentriert sich die Ausstellung „fan.tastic females – football her.story“ komplett auf das weibliche Gesicht des Fußballs. Dabei geht es keineswegs um plumpe Abgrenzung oder den erhobenen Zeigefinger. Es geht vor allem um wundervolle Geschichten und ihre ausschließlich weiblichen Hauptdarstellerinnen, die möglicherweise bekannter wären, wenn es sich um Männer gehandelt hätte. Die Ausstellungsmacherinnen des Netzwerks Football Supporters Europe haben ihre Storys in sechs verschiedene Kategorien eingeteilt: weibliche Fans wie du und ich, weibliche Ultras, Frauen in Führungspositionen, Ikonen der Fankultur, weibliche Fan-Netzwerke und weibliche Fangruppen. 

Von der Sektion Menstruation aus Österreich über die slowakischen Gangster Girls bis zu einer weiblichen Hooligan Gruppe inszeniert die Ausstellung die gesamte Bandbreite. Dass die Liebe zum Spiel auch unter gesellschaftlich schwierigen Bedingungen glüht, bestätigen weibliche Fans von Besiktas und Hapoel Katamon Jerusalem. Auch die Geschichten werden erzählt, die fast zu schön sind, um wahr zu sein: zum Beispiel von der schottischen Dauerbesucherin, Jahrgang 1924, die seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts fest zu ihrem Verein hält. Die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Antje Grabenhorst konzipierte die Ausstellung mit. Grabenhorst beschreibt den großen gemeinsamen Nenner aller Hauptdarstellerinnen: „Sie alle verbindet, dass sie das Fußballstadion als ihr Zuhause sehen.“

Weil „fan.tastic females“ alles andere als eine trockene Ausstellung ist, sollten die Gäste auf einen vollen Akku ihres Smartphones achten. Auf den Tafeln sind QR-Codes aufgebracht. Wer sie scannt, erlebt die fantastischen Geschichten in kurzen Filmen. Die Ausstellung war bereits an einigen Bundesligastandorten zu Gast. Die Fanbetreuung des VfB Stuttgart und das VfB-Fanprojekt haben in einer Gemeinschaftsaktion fan.tastic females nach Stuttgart geholt. Eröffnet wird die Ausstellung zum VfB-Heimspiel gegen Nürnberg am Samstag, den 6. April. Der Raum des VfB-Fanprojektes in der Hauptstätter Straße 41 steht rund um die beiden Spieltage gegen Nürnberg und Leverkusen offen – sowie an Werktagen von 15 bis 20 Uhr. Die Ausstellung in Stuttgart, die am 18. April weiterzieht, wird unterstützt von der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik Baden-Württemberg.

Am Montag den 8. April laden die Veranstalter zu einer Podiumsdiskussion ins VfB-Fanprojekt ein. Mit von der Partie sind die Co-Ausstellungsmacherin Antje Grabenhorst, die Vorsitzende des Landtagsausschusses für Kultus, Jugend und Sport Brigitte Lösch, die schon seit Jahren eine Dauerkarte beim VfB Stuttgart hat. Außerdem auf dem Podium: die Fanbeauftragte des VfB Stuttgart Antje Büscher-Tittes und Britta Kotzuschkewitz vom VfB-Fanclub Chaoszwerge. Die Podiumsdiskussion wird moderiert von Swantje Dake, der Chefredakteurin Digital der Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten. Los geht’s um 19.30 Uhr.

fan.tastic females
im VfB-Fanprojekt
Hauptstätter Str. 41

Ausstellung
6. April bis 18. April
Mo. – Fr.  15 bis 20 Uhr
und rund um die VfB-Heimspiele

Podiumsdiskussion
Montag, 8. April, 19.30 Uhr

Danke für’s Foto an fan.tastic females /Ariane Gramelspacher


Oder noch mehr? Beim Traditionsabend im VfB-Fanprojekt hat sich schnell herausgestellt, welch großes und unübersichtliches Thema wir besprechen. Doch gerade dort, wo objektive Meinungen kaum zu formulieren sind, kann ein Meinungsaustausch spannend werden. Auf dem Podium diskutierten: Hardy Grüne (Fußballhistoriker, von der FAZ als „Gedächtnis des deutschen Fußballs“ geadelt), Prof. Dr. André Bühler (Direktor des Deutschen Instituts für Sportmarketing) und Martin Harsch (Brustring-Talk). Inklusive Publikum waren mehr deutlich mehr als 50 Perspektiven auf die Tradition vorhanden.

Auf den Brustring-Talk von Martin Harsch verlinke ich an dieser Stelle gerne. Dort kann man die gesamte Veranstaltung nachhören.

https://www.brustringtalk.de/bt061-traditionsabend-im-vfb-fanprojekt-mit-hardy-gruene/

Einige Statements, quer durch die verschiedenen Epochen und Aspekte unserer Diskussion:

Martin Harsch: „Für uns Fans ist die Tradition ein ganz ganz wichtiges Thema. Mit der Tradition können wir uns abheben. Uns gibt’s länger. Wir haben schon in den Fünfzigern und Sechzigern Erfolg gehabt. Natürlich hab ich das nicht selbst erlebt. Bis mir mein Papa mal erklärt hat, wer dieser Schlienz war. „

Hardy Grüne: „Was ist eigentlich Tradition? Beim VfB ist das unbestritten. 1893 die Wurzeln, seither eine stringente Linie, da kann man definitiv von einem Traditionsverein sprechen. Es wurde Leverkusen erwähnt, es wurde Wolfsburg erwähnt. Leverkusen ist 1904 gegründet, vor der Stadt Leverkusen, seither eine stringente Linie im Fußball. Kein Traditionsverein, nur weil Bayer dazu steht, finde ich schwierig. Wolfsburg. Die Stadt Wolfsburg ist 1945 gegründet. Der VfL Wolfsburg ist 1945 gegründet. Der konnte gar nicht früher gegründet werden. Der VfL hat in den fünfziger Jahren in der Oberliga Nord gespielt, hat den HSV geschlagen. Keine Tradition? Find ich schwierig. Die Definition der Tradition ist schwer und immer eine Frage der Perspektive.“

Hardy Grüne: „Ich finde es sehr spannend zu sehen, dass Tradition auch beweglich ist. Wo wir gerade beim VfB Wappen sind… offensichtlich fängt sie beim Wappen nicht bei 1893 an, dann wären wir nämlich beim Kronenklub oder dem Stuttgarter FV, sondern wir sind bei der Zeit, so 1949, bei dem Wappen, das eingeführt wurde und jetzt wieder verwendet wird. Der Begriff Tradition ist also offenbar etwas flexibel. Viele verbinden das meistens mit einer Zeit, in der sie groß geworden sind.“

André Bühler: „Tradition hängt viel mit Geschichten zusammen, die man erlebt hat. Meine VfB Tradition besteht aus Jürgen Klinsmann, Fallrückzieher, 7:0 gegen Dortmund mit zwei Allgöwer-Toren, die Meisterschaften 92 und 2007, das sind Geschichten. Natürlich kann RB Leipzig diese Geschichten jetzt noch nicht erzählen, aber wenn es die in 40 Jahren noch geben sollte, dann haben sie die gleichen Geschichten wie der VfB jetzt.“

André Bühler: „Meine Familie regt sich traditionellerweise seit 40 Jahren über den VfB auf. Das ist auch eine Form der Tradition.“

Hardy Grüne: Wir reden ja gar nicht über Tradition, wir reden über Kommerz. Und Kommerz ist etwas, das immer zum Fußball gehört hat. Da sind wir wieder bei dem Ding Früher-war-alles-besser. Aber in den Zwanziger Jahren haben sie auch überall gemeckert, weil vieles zu kommerziell geworden ist.“

André Bühler: Was mich an dem Konstrukt Leipzig aufregt: Red Bull ist ein Marketingkonzern, die zufälligerweise auch Energydrinks herstellen. Aber sie erzählen die Geschichte, sie wollen diesen Bundesligastandort Leipzig aufblühen lassen. Absolut gar nicht! Null! Die wollen auch gar nicht erfolgreich Fußball spielen lassen. Die wollen ihre Getränkedosen verkaufen. Das ist das Narrativ und das stört mich, dass sie das nicht offen zugeben.“

Martin Harsch: „Mein Vater ist ein überzeugter Schwabe. In Fellbach aufgewachsen. Ich hatte recht früh eine Flagge vom Königreich Württemberg, auf der „Furchtlos und treu“ stand. Deswegen ist für mich das „Furchtlos und treu“ nicht negativ belegt. Es kam ja auch bei der Gründung zu dieser Verbindung zwischen Königreich und Volk. Wir gemeinsam, furchtlos und treu.“

Teaser: Nächste Veranstaltung. fan.tastic females. Ausstellung und Diskussion über Frauen in Fanszenen. Diskussion am Montagabend, 8. April 2019. Herzlich willkommen!


Selten erscheint die Tradition so aktuell wie in diesen Tagen. Der VfB Stuttgart steckt in der Krise – und es ist weit mehr als eine Ergebniskrise. Fußballhistoriker Hardy Grüne, Sportmarketing-Experte Prof. André Bühler und VfB-Podcaster Martin Harsch diskutieren über Geschichte und Werte – und darüber, wie sich ein großer Verein verhalten sollte. Was steckt eigentlich im Brustring?

Der VfB Stuttgart steckt in einer sportlichen Krise, die sich rasant zu einer Führungskrise entwickelt. Nicht nur über sportliche Belange wird gestritten. Auch über Stil, Strukturen und gesellschaftliche Verantwortung wird heiß diskutiert. Vor diesem Hintergrund fragen sich Fans, wofür der VfB eigentlich steht – eine Frage, die immer dann aufkommt, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt.

Der Verein selbst sieht sich traditionell als fußballerische Vertretung für Württemberg. Stets wird der Brustring plakativ nach vorne gestellt. Doch die Frage nach der Tradition kennt nicht nur grafische und geografische Antworten. Gesucht sind Werte, die der Verein lebt. Mit Michael Reschke und seiner plakativen Haltung zum Thema Wahrheit wollen sich viele nicht identifizieren. Was bleibt also übrig, wenn der sportliche Erfolg mangels Leistung ausfällt? Wie nimmt der Verein seine gesellschaftliche Verantwortung neben dem Spielfeld wahr? Was steckt eigentlich im Brustring? Um die Fragen rund um Fußballtradition im Allgemeinen und die Tradition im Besonderen zu diskutieren, treffen sich im Stuttgarter VfB-Fanprojekt Experten aus verschiedenen Fachgebieten.

Hardy Grüne

Hardy Grüne, der vielleicht prominenteste Fußballhistoriker Deutschlands, hat nicht nur den VfB im Blick. Als Herausgeber der Zeitschrift Zeitspiel setzt er sich damit auseinander, in wie weit traditionelle Werte im modernen Fußball überleben. Hardy Grüne reist zu Fußballspielen in aller Welt und stöbert in den Archiven um die Geschichte des Spieles festzuhalten.

 

 

Prof. André BühlerProf. Dr. André Bühler vertritt die Perspektive des Marketingexperten. Als Direktor des deutschen Instituts für Sportmarketing beschäftigt er sich mit der Art und Weise, mit der Tradition im täglichen Sportbusiness greifbar wird. Er ist der Überzeugung, dass die Glaubwürdigkeit einer Sportorganisation das höchste Gut in der Vermarktung sei.

 

 

Schließlich wird Martin Harsch, Agenturinhaber und engagierter VfB-Blogger und Podcaster im Fanprojekt zu Gast sein. Harsch begleitet den VfB Stuttgart seit vielen Jahren kritisch. Unter seinem Pseudonym @twofourwo ist Harsch einer der wichtigsten Influencer im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart. Die Runde wird moderiert von Bernd Sautter.

Herzlich willkommen im 
Fanprojekt Stuttgart
Hauptstätter Str. 41
Dienstag, 12. Februar

Open: 19.30 Uhr,
Podiumsdiskussion ab 20.30 Uhr

Das VfB-Fanprojekt bedankt sich herzlich für die Unterstützung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.

 

 

Schön, wenn Buch einen Anstoß gibt, die angesprochenen Themen noch etwas zu vertiefen. Das Verhältnis von Fußball und Heimat ist aktueller denn je. Die Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin hat eine viel beachtete Veranstaltung daraus gemacht. Neben meiner Wenigkeit waren geladen: der Journalist Christoph Ruf, Fritz Keller (Präsident des SC Freiburg) und Dirk Zingler (Präsident von Union Berlin). Jessi Wellmer hat moderiert.

Hier einige Bilder und Zitate:

Dirk Zingler: “Die Verantwortung der Vereine ist, für etwas zu stehen, ein klares Wertegerüst zu bieten. […] Uns geht es um ‘Fußball pur’, aber Fußball ist nicht nur das Spiel, sondern auch ein soziales Miteinander auf den Rängen.”

Fritz Keller: Der Fußball hat etwas. Wir möchten wirklich alle haben, aber sie müssen mit den Werten leben, die wir vorleben. Es gibt auch eine Chance. Gerade für Leute vom Rand der Gesellschaft, die orientierungslos sind, die sind bei uns herzlich willkommen, sie müssen aber lernen mit unseren Werten umzugehen. Das ist unsere gesellschaftliche Verpflichtung.“

Christoph Ruf: „Es geht um das Stadionerlebnis. … Für mich ist Fußball auch Heimat … Was Fußball auch leistet, ist dieses Gemeinschaftserlebnis, das du vor dem Fernseher nicht hast. … Ich glaube, das hat ganz viel damit zu tun, wie sich die Fans selbst organisieren und kann nur bedingt vom Verein beeinflußt werden.“

Wer etwas Zeit mitbringt: Einfach auf das untere Bild klicken, dann gibt’s den Mitschnitt in voller Länge. Bitte nicht erschrecken, ich hatte das Vergnügen zu beginnen.

Genauer gesagt: in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg in Berlin. Ziemlich coole Location, muss ich schon sagen.

Schön, wenn mein Buch immer wieder Anstösse zum Nachdenken liefert. Und das sogar über die Grenzen von Württemberg und Baden hinaus. Dass dabei ein kleiner Auftritt in Berlin für mich abfällt, darüber kann ich als Schwabe nicht meckern.

Um was geht’s: Heimspiele bekommt einen Hashtag und wird zu #MeinHeimspiel. Unter diesem Motto steht ein Abend in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg in Berlin, an dem wir der Frage nachgehen, was Fußball und Heimat miteinander zu tun haben. Konkret: Was gibt mir mein Drittligist und was kann mir Neymar nicht geben?

Auf der Bühne lauter Prominenz. Fritz Keller (Präsident des SC Freiburg) Christoph Ruf (Fan und Journalist) und Dirk Zingler (Präsident des 1. FC Union Berlin). Und ich (nicht so promiment). Moderation hat Jessi Wellmer von der ARD Sportschau.

#MeinHeimspiel
Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund
23. Januar, ab 18.30 Uhr

Danke an Steffenz für’s Beitragsbild via Pxhere