Volle Hütte im Benninger Museum im Adler. Hier der Bericht der Ludwigsburger Kreiszeitung:

Seitdem der TSV Benningen 1899 im Jahr 1960 als württembergischer Meister in die oberste Amateurliga aufgestiegen war, ist für Benningen die Fußballgeschichte ein besonderes Highlight. Keine Frage, dass dieses Thema zum 30-jährigen Jubiläum des örtlichen Heimatmuseums einen besonderen Stellenwert bekam. Passend dazu fand nun die Autorenlesung mit Bernd Sautter statt, der – akribisch recherchiert und sorgfältig dokumentiert – 94 Fußballgeschichten in seinem Buch Heimspiele Baden-Württemberg zusammengefasst hat. Einige davon erzählte er im Museum im Adler vor rund 30 Besuchern.

Das Publikum ist bestens im Thema, immerhin gebe es in Deutschland gut 40 Millionen Bundestrainer, sagte Sautter ausgenzwinkernd. Der Auricher, der sich von der Mutter bereits im Alter von vier Jahren die Aufstellung der damaligen Nationalmannschaft Uruguay aus dem Kicker-Sonderheft von 1970 vorlesen ließ, kennt mittlerweile die baden-württembergischen Clubstrukturen- und Geschichten wie wohl kein anderer. Der besonderes Reiz seines Buches liegt zweifelsfrei in der Tatsache, dass der freiberufliche Werbetexter und Fußballfreak Sauter literarische Kompetenz mit fußballerischem Sachwissen kombinieren kann, sagte Museumsdirektorin Christina Vollmer. Thema des 52-jährigen ist zum Beispiel das Verbot des Frauenfußballs 1955 durch den DFB, das die zur Damenelf zusammengestellte Affalterbacher TSV-Gymnastikgruppe jedoch nicht davon abhielt, ein Benefizspiel gegen ihr Äquivalent aus Weiler zum Stein abzuhalten. Das Spiel lockte 2000 Zuschauer auf den Sandplatz am Lemberg und spülte dem Pfarrer 1000 Mark in den Kirchensäckel. Und das trotz der einheimischen Unkenrufe „Ihr spennat doch“.

Sautter hat noch viele zu erzählen, zum Beispiel davon, dass früher die Gemeinschaft und der Sport selbst im Mittelpunkt standen und nicht so sehr die Ergebnisse. Er erzählt vom VfR Heilbronn, der 1988 als Außenseiter ggen den FC Bayern München im Frankenstadion spielte, ein Spiel, das nach Sonnenuntergang abgebrochen wurde, weil es dort keine Flutlichtanlage gab, und die kurzerhand angeforderten Großscheinwerfer der örtlichen Feuerwehr dem damaligen Bayern-Trainer zufolge eher eine Barbeleuchtung glich. Aus dieser Zeit habe Jupp Heynckes den Spitznamen „Osram“ und Heilbronn den historischen Sieg mit 2:1 über den Champion davongetragen.

Der heute in Plieningen lebende Autor erzählt auch von den Errungenschaften, die der Fußball seiner Hochburg Baden-Württemberg zu verdanken hat. Cannstatt sei die erste Stadt gewesen, in der man Fußball gespielt hatte. Das war bereits 1865, noch bevor in England nach Trennung nach Trennung des Fußballs vom Rugby die offiziellen Regeln eingeführt wurden. „Wir waren die ersten“, kosntatiert er mit Leidenschaft, die den ganzen Abend über spürbar ist. Auf die Idee, die Handschuhe des Torwarts mit einer rutsch-hemmenden Latex-Auflage zu bekleben, kam das Metzinger Unternehmen Reusch. Selbst Tipp-Kick ist eine hiesige Erfindung.

Von diesem Spiel wird im nächsten Buch eine Geschichte über Hirschlanden zu finden sein. Auch für Benningen ist ein Kapitel reserviert, für das Sautter an diesem Abend ergänzend noch ein Interview mit Rudi Entenmann führte, der 1961 zum VfB Stuttgart wechselte. Für seine Heimat-Fußball-Bücher ist ihm offenbar kein Aufwand zu groß. So hat er das gesamte unglaubliche Leben Albert Olbrechts recherchiert und in Interviews mit dem damals 99-jährigen nachvollzogen, wie ein einzelner Mensch innerhalb von zehn Jahren in Ettlingen ein ganzes Stadion ohne fremde Hilfe bauen konnte. Auch hier gilt: Der Fußball macht’s möglich. Denn diese Geschichte ist wirklich wahr, wie alles, was der schwäbische Patriot Sautter in liebevoller Kleinarbeit an Bildern und Anekdoten für knapp 300 großformatige, farbig bedruckte Seiten zusammengetragen hat. Dies, damit das Ländle in Sachen Fußballliteratur im deutschlandweiten Vergleich endlich auch mithalten kann. Es ist im Silberburgverlag erschienen.

Autorin für die Ludwigsburger Kreiszeitung: Sabine Krell

Fußball im Heimatmuseum? Aber natürlich. Dort gehört er auch hin. Natürlich ist das gute Spiel auch auf dem Dorf ein hochbindender Kitt, der die Menschen zusammen hält. Darum ist die Ausstellung im Benninger Museum im Adler unbedingt sehenswert. Wer am Donnerstag, den 11.4. nichts anderes vorhat: An diesem Abend gibt’s nicht nur die Ausstellung, sondern auch noch eine Lesung.

Lesung Heimspiele Baden-Württemberg im Museum im Adler in Benningen: 11. April ab 19.30 Uhr

Auf die Lesung in Benningen freu ich mich ganz besonders – und das liegt nicht nur am schönen Benningen und der wundervollen Fußballausstellung, in deren Mitte ich einige Texte vorspielen darf. Die Vorfreude ist deshalb so groß, weil ich die Gelegenheit nutzen kann, aus dem Skript vom neuen Buch vorzulesen. Manche Kapitel aus dem neuen Werk „Fußballheimat Württemberg“ passen wundervoll in dieses kleine, aber schicke Heimatmuseum. Für Fußballheimat Baden-Württemberg bin ich mehr als ein Jahr über die Dörfer gefahren und habe dort einige Geschichten ausgegraben, die zu Unrecht niemals aufgeschrieben wurden. In Benningen werde ich einige neue Kapitel aufschlagen – wobei eines davon tatsächlich in Benningen spielt.

Zur Website der Veranstaltung: www.museum.in-adler.de

Endlich! Die Ausstellung „fan.tastic females“ rückt die Frauen unter den Fußballfans ins Licht. Die Ausstellung mit beeindruckenden Dokumenten und spannenden Geschichten kommt jetzt nach Stuttgart. Zu sehen zwischen 6.4. und 18.4. im VfB-Fanprojekt Stuttgart, Hauptstätter Str. 41. Die Podiumsdiskussion mit der Co-Ausstellungsmacherin Antje Grabenhorst findet am 8.4. statt.

Wieder eine spannende Veranstaltung im Fanprojekt, für die ich mich gerne einsetze. Freue mich vor allem auf die Podiumsdiskussion, am Montag 8. April 2018. Hier einige Infos über die Hintergründe von Ausstellung und Diskussionsabend.

Mehr als ein Viertel der Stadionbesucher in Deutschland sind weiblich. In einer Studie geben mehr als die Hälfte aller Frauen zwischen 16 und 69 Jahren an, dass sie an Fußball interessiert sind. Das sind 18 Millionen weibliche Fußballfans. Die Liebe zum Fußballspiel hat längst eine deutlich weibliche Dimension. Doch in der allgemeinen Wahrnehmung kommen die Frauen in den Fanszenen kaum vor. Dagegen ist das Bullshit-Bingo von Frauen und Fußball kaum auszurotten. Ausgehend von der Frage, was wohl bitteschön abseits sei, wird den weiblichen Fans aller Orten Kompetenz und Hingabe abgesprochen. Die Männergesellschaft dominiert. Manchmal ist es krasse Diskriminierung und schlimmer Sexismus.

Weil bereits das abgestandene Frauenklischee gehörig auf die Nerven geht, konzentriert sich die Ausstellung „fan.tastic females – football her.story“ komplett auf das weibliche Gesicht des Fußballs. Dabei geht es keineswegs um plumpe Abgrenzung oder den erhobenen Zeigefinger. Es geht vor allem um wundervolle Geschichten und ihre ausschließlich weiblichen Hauptdarstellerinnen, die möglicherweise bekannter wären, wenn es sich um Männer gehandelt hätte. Die Ausstellungsmacherinnen des Netzwerks Football Supporters Europe haben ihre Storys in sechs verschiedene Kategorien eingeteilt: weibliche Fans wie du und ich, weibliche Ultras, Frauen in Führungspositionen, Ikonen der Fankultur, weibliche Fan-Netzwerke und weibliche Fangruppen. 

Von der Sektion Menstruation aus Österreich über die slowakischen Gangster Girls bis zu einer weiblichen Hooligan Gruppe inszeniert die Ausstellung die gesamte Bandbreite. Dass die Liebe zum Spiel auch unter gesellschaftlich schwierigen Bedingungen glüht, bestätigen weibliche Fans von Besiktas und Hapoel Katamon Jerusalem. Auch die Geschichten werden erzählt, die fast zu schön sind, um wahr zu sein: zum Beispiel von der schottischen Dauerbesucherin, Jahrgang 1924, die seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts fest zu ihrem Verein hält. Die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Antje Grabenhorst konzipierte die Ausstellung mit. Grabenhorst beschreibt den großen gemeinsamen Nenner aller Hauptdarstellerinnen: „Sie alle verbindet, dass sie das Fußballstadion als ihr Zuhause sehen.“

Weil „fan.tastic females“ alles andere als eine trockene Ausstellung ist, sollten die Gäste auf einen vollen Akku ihres Smartphones achten. Auf den Tafeln sind QR-Codes aufgebracht. Wer sie scannt, erlebt die fantastischen Geschichten in kurzen Filmen. Die Ausstellung war bereits an einigen Bundesligastandorten zu Gast. Die Fanbetreuung des VfB Stuttgart und das VfB-Fanprojekt haben in einer Gemeinschaftsaktion fan.tastic females nach Stuttgart geholt. Eröffnet wird die Ausstellung zum VfB-Heimspiel gegen Nürnberg am Samstag, den 6. April. Der Raum des VfB-Fanprojektes in der Hauptstätter Straße 41 steht rund um die beiden Spieltage gegen Nürnberg und Leverkusen offen – sowie an Werktagen von 15 bis 20 Uhr. Die Ausstellung in Stuttgart, die am 18. April weiterzieht, wird unterstützt von der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik Baden-Württemberg.

Am Montag den 8. April laden die Veranstalter zu einer Podiumsdiskussion ins VfB-Fanprojekt ein. Mit von der Partie sind die Co-Ausstellungsmacherin Antje Grabenhorst, die Vorsitzende des Landtagsausschusses für Kultus, Jugend und Sport Brigitte Lösch, die schon seit Jahren eine Dauerkarte beim VfB Stuttgart hat. Außerdem auf dem Podium: die Fanbeauftragte des VfB Stuttgart Antje Büscher-Tittes und Britta Kotzuschkewitz vom VfB-Fanclub Chaoszwerge. Die Podiumsdiskussion wird moderiert von Swantje Dake, der Chefredakteurin Digital der Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten. Los geht’s um 19.30 Uhr.

fan.tastic females
im VfB-Fanprojekt
Hauptstätter Str. 41

Ausstellung
6. April bis 18. April
Mo. – Fr.  15 bis 20 Uhr
und rund um die VfB-Heimspiele

Podiumsdiskussion
Montag, 8. April, 19.30 Uhr

Danke für’s Foto an fan.tastic females /Ariane Gramelspacher


Oder noch mehr? Beim Traditionsabend im VfB-Fanprojekt hat sich schnell herausgestellt, welch großes und unübersichtliches Thema wir besprechen. Doch gerade dort, wo objektive Meinungen kaum zu formulieren sind, kann ein Meinungsaustausch spannend werden. Auf dem Podium diskutierten: Hardy Grüne (Fußballhistoriker, von der FAZ als „Gedächtnis des deutschen Fußballs“ geadelt), Prof. Dr. André Bühler (Direktor des Deutschen Instituts für Sportmarketing) und Martin Harsch (Brustring-Talk). Inklusive Publikum waren mehr deutlich mehr als 50 Perspektiven auf die Tradition vorhanden.

Auf den Brustring-Talk von Martin Harsch verlinke ich an dieser Stelle gerne. Dort kann man die gesamte Veranstaltung nachhören.

https://www.brustringtalk.de/bt061-traditionsabend-im-vfb-fanprojekt-mit-hardy-gruene/

Einige Statements, quer durch die verschiedenen Epochen und Aspekte unserer Diskussion:

Martin Harsch: „Für uns Fans ist die Tradition ein ganz ganz wichtiges Thema. Mit der Tradition können wir uns abheben. Uns gibt’s länger. Wir haben schon in den Fünfzigern und Sechzigern Erfolg gehabt. Natürlich hab ich das nicht selbst erlebt. Bis mir mein Papa mal erklärt hat, wer dieser Schlienz war. „

Hardy Grüne: „Was ist eigentlich Tradition? Beim VfB ist das unbestritten. 1893 die Wurzeln, seither eine stringente Linie, da kann man definitiv von einem Traditionsverein sprechen. Es wurde Leverkusen erwähnt, es wurde Wolfsburg erwähnt. Leverkusen ist 1904 gegründet, vor der Stadt Leverkusen, seither eine stringente Linie im Fußball. Kein Traditionsverein, nur weil Bayer dazu steht, finde ich schwierig. Wolfsburg. Die Stadt Wolfsburg ist 1945 gegründet. Der VfL Wolfsburg ist 1945 gegründet. Der konnte gar nicht früher gegründet werden. Der VfL hat in den fünfziger Jahren in der Oberliga Nord gespielt, hat den HSV geschlagen. Keine Tradition? Find ich schwierig. Die Definition der Tradition ist schwer und immer eine Frage der Perspektive.“

Hardy Grüne: „Ich finde es sehr spannend zu sehen, dass Tradition auch beweglich ist. Wo wir gerade beim VfB Wappen sind… offensichtlich fängt sie beim Wappen nicht bei 1893 an, dann wären wir nämlich beim Kronenklub oder dem Stuttgarter FV, sondern wir sind bei der Zeit, so 1949, bei dem Wappen, das eingeführt wurde und jetzt wieder verwendet wird. Der Begriff Tradition ist also offenbar etwas flexibel. Viele verbinden das meistens mit einer Zeit, in der sie groß geworden sind.“

André Bühler: „Tradition hängt viel mit Geschichten zusammen, die man erlebt hat. Meine VfB Tradition besteht aus Jürgen Klinsmann, Fallrückzieher, 7:0 gegen Dortmund mit zwei Allgöwer-Toren, die Meisterschaften 92 und 2007, das sind Geschichten. Natürlich kann RB Leipzig diese Geschichten jetzt noch nicht erzählen, aber wenn es die in 40 Jahren noch geben sollte, dann haben sie die gleichen Geschichten wie der VfB jetzt.“

André Bühler: „Meine Familie regt sich traditionellerweise seit 40 Jahren über den VfB auf. Das ist auch eine Form der Tradition.“

Hardy Grüne: Wir reden ja gar nicht über Tradition, wir reden über Kommerz. Und Kommerz ist etwas, das immer zum Fußball gehört hat. Da sind wir wieder bei dem Ding Früher-war-alles-besser. Aber in den Zwanziger Jahren haben sie auch überall gemeckert, weil vieles zu kommerziell geworden ist.“

André Bühler: Was mich an dem Konstrukt Leipzig aufregt: Red Bull ist ein Marketingkonzern, die zufälligerweise auch Energydrinks herstellen. Aber sie erzählen die Geschichte, sie wollen diesen Bundesligastandort Leipzig aufblühen lassen. Absolut gar nicht! Null! Die wollen auch gar nicht erfolgreich Fußball spielen lassen. Die wollen ihre Getränkedosen verkaufen. Das ist das Narrativ und das stört mich, dass sie das nicht offen zugeben.“

Martin Harsch: „Mein Vater ist ein überzeugter Schwabe. In Fellbach aufgewachsen. Ich hatte recht früh eine Flagge vom Königreich Württemberg, auf der „Furchtlos und treu“ stand. Deswegen ist für mich das „Furchtlos und treu“ nicht negativ belegt. Es kam ja auch bei der Gründung zu dieser Verbindung zwischen Königreich und Volk. Wir gemeinsam, furchtlos und treu.“

Teaser: Nächste Veranstaltung. fan.tastic females. Ausstellung und Diskussion über Frauen in Fanszenen. Diskussion am Montagabend, 8. April 2019. Herzlich willkommen!


Selten erscheint die Tradition so aktuell wie in diesen Tagen. Der VfB Stuttgart steckt in der Krise – und es ist weit mehr als eine Ergebniskrise. Fußballhistoriker Hardy Grüne, Sportmarketing-Experte Prof. André Bühler und VfB-Podcaster Martin Harsch diskutieren über Geschichte und Werte – und darüber, wie sich ein großer Verein verhalten sollte. Was steckt eigentlich im Brustring?

Der VfB Stuttgart steckt in einer sportlichen Krise, die sich rasant zu einer Führungskrise entwickelt. Nicht nur über sportliche Belange wird gestritten. Auch über Stil, Strukturen und gesellschaftliche Verantwortung wird heiß diskutiert. Vor diesem Hintergrund fragen sich Fans, wofür der VfB eigentlich steht – eine Frage, die immer dann aufkommt, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt.

Der Verein selbst sieht sich traditionell als fußballerische Vertretung für Württemberg. Stets wird der Brustring plakativ nach vorne gestellt. Doch die Frage nach der Tradition kennt nicht nur grafische und geografische Antworten. Gesucht sind Werte, die der Verein lebt. Mit Michael Reschke und seiner plakativen Haltung zum Thema Wahrheit wollen sich viele nicht identifizieren. Was bleibt also übrig, wenn der sportliche Erfolg mangels Leistung ausfällt? Wie nimmt der Verein seine gesellschaftliche Verantwortung neben dem Spielfeld wahr? Was steckt eigentlich im Brustring? Um die Fragen rund um Fußballtradition im Allgemeinen und die Tradition im Besonderen zu diskutieren, treffen sich im Stuttgarter VfB-Fanprojekt Experten aus verschiedenen Fachgebieten.

Hardy Grüne

Hardy Grüne, der vielleicht prominenteste Fußballhistoriker Deutschlands, hat nicht nur den VfB im Blick. Als Herausgeber der Zeitschrift Zeitspiel setzt er sich damit auseinander, in wie weit traditionelle Werte im modernen Fußball überleben. Hardy Grüne reist zu Fußballspielen in aller Welt und stöbert in den Archiven um die Geschichte des Spieles festzuhalten.

 

 

Prof. André BühlerProf. Dr. André Bühler vertritt die Perspektive des Marketingexperten. Als Direktor des deutschen Instituts für Sportmarketing beschäftigt er sich mit der Art und Weise, mit der Tradition im täglichen Sportbusiness greifbar wird. Er ist der Überzeugung, dass die Glaubwürdigkeit einer Sportorganisation das höchste Gut in der Vermarktung sei.

 

 

Schließlich wird Martin Harsch, Agenturinhaber und engagierter VfB-Blogger und Podcaster im Fanprojekt zu Gast sein. Harsch begleitet den VfB Stuttgart seit vielen Jahren kritisch. Unter seinem Pseudonym @twofourwo ist Harsch einer der wichtigsten Influencer im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart. Die Runde wird moderiert von Bernd Sautter.

Herzlich willkommen im 
Fanprojekt Stuttgart
Hauptstätter Str. 41
Dienstag, 12. Februar

Open: 19.30 Uhr,
Podiumsdiskussion ab 20.30 Uhr

Das VfB-Fanprojekt bedankt sich herzlich für die Unterstützung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.

 

 

Schön, wenn Buch einen Anstoß gibt, die angesprochenen Themen noch etwas zu vertiefen. Das Verhältnis von Fußball und Heimat ist aktueller denn je. Die Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin hat eine viel beachtete Veranstaltung daraus gemacht. Neben meiner Wenigkeit waren geladen: der Journalist Christoph Ruf, Fritz Keller (Präsident des SC Freiburg) und Dirk Zingler (Präsident von Union Berlin). Jessi Wellmer hat moderiert.

Hier einige Bilder und Zitate:

Dirk Zingler: “Die Verantwortung der Vereine ist, für etwas zu stehen, ein klares Wertegerüst zu bieten. […] Uns geht es um ‘Fußball pur’, aber Fußball ist nicht nur das Spiel, sondern auch ein soziales Miteinander auf den Rängen.”

Fritz Keller: Der Fußball hat etwas. Wir möchten wirklich alle haben, aber sie müssen mit den Werten leben, die wir vorleben. Es gibt auch eine Chance. Gerade für Leute vom Rand der Gesellschaft, die orientierungslos sind, die sind bei uns herzlich willkommen, sie müssen aber lernen mit unseren Werten umzugehen. Das ist unsere gesellschaftliche Verpflichtung.“

Christoph Ruf: „Es geht um das Stadionerlebnis. … Für mich ist Fußball auch Heimat … Was Fußball auch leistet, ist dieses Gemeinschaftserlebnis, das du vor dem Fernseher nicht hast. … Ich glaube, das hat ganz viel damit zu tun, wie sich die Fans selbst organisieren und kann nur bedingt vom Verein beeinflußt werden.“

Wer etwas Zeit mitbringt: Einfach auf das untere Bild klicken, dann gibt’s den Mitschnitt in voller Länge. Bitte nicht erschrecken, ich hatte das Vergnügen zu beginnen.

Genauer gesagt: in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg in Berlin. Ziemlich coole Location, muss ich schon sagen.

Schön, wenn mein Buch immer wieder Anstösse zum Nachdenken liefert. Und das sogar über die Grenzen von Württemberg und Baden hinaus. Dass dabei ein kleiner Auftritt in Berlin für mich abfällt, darüber kann ich als Schwabe nicht meckern.

Um was geht’s: Heimspiele bekommt einen Hashtag und wird zu #MeinHeimspiel. Unter diesem Motto steht ein Abend in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg in Berlin, an dem wir der Frage nachgehen, was Fußball und Heimat miteinander zu tun haben. Konkret: Was gibt mir mein Drittligist und was kann mir Neymar nicht geben?

Auf der Bühne lauter Prominenz. Fritz Keller (Präsident des SC Freiburg) Christoph Ruf (Fan und Journalist) und Dirk Zingler (Präsident des 1. FC Union Berlin). Und ich (nicht so promiment). Moderation hat Jessi Wellmer von der ARD Sportschau.

#MeinHeimspiel
Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund
23. Januar, ab 18.30 Uhr

Danke an Steffenz für’s Beitragsbild via Pxhere

Kann man an das Gute im Fußball noch glauben, wenn man Michael Wulzinger zugehört hatte? Es fällt schwer, aber höchst faszinierend war die Lesung dennoch.

Lassen wir die Kirche im Dorf. Es ist nur Fußball, also ein Spiel. Man muss sich das vergegenwärtigen, angesichts der haarsträubenden Geschichten, die Michael Wulzinger am Nikolausabend im Fanprojekt erzählte. Wulzinger arbeitet seit fast zweieinhalb Jahren für den Spiegel am Projekt Football Leaks. Sein Kollege Raphael Buschmann ist die einzige Person, die mit dem Informanten mit den Decknamen John Kontakt hält. John stellt den Redakteuren mehrere Terrabyte hochgeheimer Daten aus den Insiderkreisen zur Verfügung – von tausendseitigen Verträgen bis zu kurzen E-Mails. Vieles, was im großen Fußball gerade schief läuft, geht aus den Dokumenten hervor. Wie FIFA-Präsident Infantino die eigene Ethik-Kommission austrickst, wie der FC Bayern eine Superleague plant, wie Dopingkontrollen vertuscht werden, wie Verbandskorruption gehandhabt wird… alles festgehalten in Dokumenten, die man vor Gericht nicht verwenden könnte. Und doch: In zweieinhalb Jahren Football Leaks ist noch niemand aufgetaucht, der die Echtheit des Material bezweifeln würde.

Wulzingers Schilderungen sind mitreissend. Er trägt die Geschichte, die erklärt wie Raphael Buschmann den mysteriösen John kennen lernt, und eine Kooperation zu beiderseitigem Vorteil beginnt. John ist zwar im Besitz von heißem Material, aber er möchte nicht enden wie Julian Assange. Daher vertraut er die Daten dem Spiegel an, der sich längst mit einem europäischen Netzwerk zusammengetan hat, um die Dokument auszuwerten und journalistisch aufzubereiten. Sein ursprüngliches Blog mit Namen Football Leaks nimmt er vom Netz. Das war eine von Bedingungen von Seiten der Journalisten.

Das Fanprojekt in Stuttgart ist voll. Michael Wulzinger beantwortet jede Frage ausführlich. Und mit jeder Frage kramt er eine weitere schockierende Nachricht aus dem Gedächtnis. Wulzinger hat die letzten zweieinhalb Jahre an den Leaks gearbeitet. Fulltime. Bei der letzten Frage aus dem Publikum berichtet er aus dem Vertragswerk, das der ehemalige Hoffenheimer Stürmer Firmino in Liverpool unterschrieben hatte. Pro Treffer würde Firmino 25.000 Euro aufs private Konto erhalten. Einen ähnlichen Betrag würde Verteidiger Virgil Van Dyke einstreichen – falls die Reds ein Spiel zu Null beenden. Nach zwei Stunden entlässt das Publikum den Leiter der investigativen Abteilung des Spiegel. Etwas desillusioniert zwar, dennoch bereichert und in der Hoffnung, dass eine qualifizierte und schonungsloses Veröffentlichung wenigstens manches zum Guten verändern möge. So viel Fußballromantik darf auch angesichts der schockierenden Leaks erlaubt sein. 



Beim 24. Sporttalk der Sportregion Stuttgart durfte ich als agent provocateur die Diskussion mit einem sportpolitischen Impuls anstossen. Aber gerne. Thema: „Wahrer Sport oder Ware Sport“ Die Veranstaltung fand in Herrenberg statt. Und ich fand es nur höflich, meine Ausführungen mit einer lokalen Besonderheit zu beginnen.

 

„Haben Sie gewusst, dass in Herrenberg  einst 3 Fußball-Länderspiele stattgefunden hatten. Für die Nerds hab ich die Ergebnisse parat: Deutschland – Holland 9:2  (1958), Deutschland – Holland 3:0  (1959), Deutschland – Österreich 7:0 (1961). Die Begegnungen fanden in der grauen Spielzeit des Frauenfußballs statt. So nennt man die Jahre 1955 -1970. In dieser Zeit war es den Frauen vom DFB offiziell verboten zu spielen. Die Länderspiele wurden von der DDFV veranstaltet, der Deutschen Damen-Fußball-Vereinigung. Es handelte sich dabei um einen halbseriösen Verband, der im Verbot des Frauenfußballs eine Marktlücke erkannt hatte. 

Diese Länderspiele waren also einzig und allein eine kommerzielle Veranstaltung. Das bringt uns direkt zum Thema „Ware Sport“. Eine kommerzielle Veranstaltung hat Fußball und Gesellschaft weiter gebracht. Chancengleichheit war das gesellschaftliche Thema, das man früher noch Emanzipation nannte. Auch der Fußball profitierte. Später konnte man feststellen:  An vielen Orten, an denen der DDFV seine Damenfußball-Länderspiel ausgetragen hatte, kam der Damenfußball schneller voran. Unter anderem in Crailsheim und hier in Herrenberg.

Das Beispiel zeigt:Kommerzialisierung kann eine Gesellschaft nach vorne bringen. Muss man deshalb gleich ein Pladoyer für Kommerzialisierung halten? Gewiss nicht. Aber ein Plädoyer gegen Überkommerzialisierung. Denn aktuell ist die Gemengelage explosiv: Viele wenden sich vom Fußball ab. Viele Fans sagen: „Freunde der Sonne. Geht ihr ruhig Millionen scheffeln. Mir reichts.“ Nicht erst seit Football Leaks hat der Profifußball ein  Glaubwürdigkeitsproblem. Und das betrifft auch die Amateure.

Darum gibt es einen FC PlayFair!, dessen Präsident Claus Vogt war der Erste, der eine ganz einfache Frage stellte: Wem gehört der Fußball? Der NDR hat diese Frage in einer Sendung aufgegriffen und weitergereicht.  Einhellige Antwort: Der Fußball gehört den Fans, also allen. Doch man muss die Aussage geringfügig verbessern, schließlich sollte man die Spieler nicht vergessen. Richtig ist: Der Fußball gehört der Gesellschaft. Und wenn das stimmt, dürfen wir ihn nicht nach den Blutsaugern überlassen. Deren Ziel ist Gewinnmaximierung. Der ökonomische Gewinn bestimmt das Geschehen. Das ist fatal. Es sollte vielmehr um gesellschaftlichen Gewinn gehen. Um diesen zu bilanzieren steht ein Verfahren zur Verfügung, das immer mehr Beachtung findet: die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ). Es ist ein Bewertungsverfahren für Firmen und Institutionen, das ermittelt, in wie weit sie dem Gemeinwohl, also der Gesellschaft dienen.

Als Kritieren der GWÖ wurden untern anderem definiert:
1 Menschenwürde
2 Solidarität
3 Chancengleichheit
4 Ökologische Nachhaltigkeit
5 Transparenz und Mitentscheidung

 1 Menschenwürde

Leider muss man feststellen: Den Begriff Menschenwürde hat jüngst der größte Neokapitalist des Fußballs, Karl-Heinz Rummenigge versaut, als er ihn in Unkenntnis des wahren Inhalts exklusiv für Millionäre einfordert – und auf dramatische Art deutlich machte, dass man in München jede Menschenrecht so hindreht, wie man es braucht, wenn man nur Geld damit verdienen kann. Trotzdem darf man festhalten. Die teil schleppende Gegenwehr gegen rechte Unterwanderung in den Fanblocks, Homophobie, Alltagsrassismus sind konkrete Probleme, die man offensiver angehen muss, teils offensiver als es bisher getan wird. Auch auf manchen Amateurplätzen wird Menschenwürde stellenweise vergessen. Stichwort: Schiedsrichter. Gerade diejenigen, die das Spiel zusammenhalten, erfahren oft ein Defizit im Zusammenhang mit der Menschenwürde

2 Solidarität

Die landläufige Meinung über den Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL ist folgende: Man denkt, darin sei geregelt, dass Gelder aus dem Profifußball den Amateuren zu gute kommen. Tatsächlich ist geregelt: Dass die Profivereine nicht zu viel an die Amateure bezahlen. Die schreiende Ungerechtigkeit wird auch von den Landesverbänden klaglos abgenickt. Stattdessen alimentiert der DFB Werbekampagnen wie „Unsere Amateure – echte Profis“. Die Solidarität der Profis mit den vielen Amateuren ist definitiv ausbaufähig. Auch was die Spielzeiten betrifft. Liga eins und zwei decken das gesamte Wochenende ab. Eine zweistündige Profifußballpause am Sonntagnachmittag würde vielen Amateuren helfen. Aber solch solidarische Ideen stehen überhaupt nicht zur Debatte.

3 Chancengleichheit

Seit Pseudovereine wie Rasenballsport Leipzig in der Bundesliga spielen, können wir Chancengleichheit vergessen. Der 17-Herren-Verein aus Leipzig spart´ sich nämlich das ganze Gedöns mit Amateurfußball und gesellschaftlicher Verantwortung restlos. Er wurde nur zu Zwecken des Dosenmarketings gegründet. Doch Chancengleichheit war schon vor Red Bull kaum vorhanden. Eine gerechtere Verteilung der Fernsehgelder würde helfen – in Bundesliga und Championsleague. Aber wenn Bayern den Hals nicht voll bekommt, wird eben mit der Superleague gedroht. Leider geht die Strategie auf.

4 Ökologische Nachhaltigkeit

Jetzt wundern sich alle Clubpräsidenten und Trainer: Was ist denn das für ein Orchideenthema? Andererseits stelle ich die Frage: Gibt es überhaupt einen Bereich der Gesellschaft, der es sich leisten kann, das Thema „Ökologische Nachhaltigkeit“ auszuklammern?

5 Transparenz und Mitentscheidung

Tatsache ist: Der oberste FiFA-Boss Gianni Infantino hat kürzlich den Straftatbestand Korruption selbst aus dem obersten Ethikcode des Fußballs entfernen lassen. Im Alleingang. Mit dem Rotstift. Das wußte man auch schon vor den Football Leaks. Soviel zu Transparenz. Fisch stinkt von oben. Amateurverbände können die Vorwürfe gegen die Oberen der internationalen Verbände zwar kaum mehr hören. Aber hören kann man auch keine DFB-Verantwortlichen, der die Missstände öffentlich anprangert. Der Eindruck entsteht: Von oben bis unten alles eine Mischpoke.

Ich stelle also abschließend fest fest: Wenn man den Fußballsport mit den Methoden der Gemeinwohl-Ökonomie beurteilen würde, die Bilanz wäre extrem ausbaufähig. Statt dessen regiert der Kommerz. Das ist deshalb enorm schade, weil der Sport, sogar der Fußball, eine gute Sache ist. Wenn man es pathetisch mag, könnte man sagen: Fußball ist die eine Sache, auf die sich die Menschheit weltweit am leichtesten einigen kann. Weitere Stichworte zum gesamtgesellschaftlichen Profit sind: Gesundheit, soziale Bindung, gesellschaftliches Engagement, Identifikation, Heimat. All das ist Fußball: ein Kulturgut, das keinesfalls dem Kommerz überlassen werden darf.

Ein letzter Punkt: Versuchen Sie mal als Frau beim VfB Stuttgart Fußball zu spielen. Die bittere Wahrheit: Unser schwäbischer Vorzeigeklub ist in manchem noch so rückständig wie der DFB vor 60 Jahren.“

Danke an den Veranstalter Sportregion Stuttgart und an Dr. Qingwei Chen für das Foto.

Weitere Infos zur Gemeinwohlbilanz gibt’s auf www.ecogood.org und www.em-faktor.de

Das vergangene Wochenende wollte ich eigentlich verdrängen. Ich sag nur: 0:4 gegen Dortmund. Und das komplett verdient – hätte höher ausfallen müssen. Stuttgart am Tiefpunkt. Einziges Problem: Wenn du das verdrängen willst, darfst du nicht zusagen, beim wöchentlichen VfB-Podcast zu erscheinen.

Dann eben nicht. Ich bekam schließlich Gelegenheit, unseren FC PlayFair! vorzustellen. Als braves Mitglied muss man das nutzen.

Gern geschehen. Psychologen sagen sowieso, dass man über seine Probleme reden muss. Wie gut, dass mich Philipp Maisel und Christian Pavlic an die Hand genommen haben. Beim PodCannstatt, dem feinen Podcast der Stuttgarter Nachrichten und Antenne1. Philipp und Christian machen das öfters. Absolute Podprofis. Unsere therapeutische Dreierrunde in U-Form hatte folgende Themen

  • Der FC PlayFair!
  •  Rückblick #VfBBVB/Trainingswoche
  • Problemzonen beim VfB abseits des Rasens
  • Ausblick auf #TSGVfB
  • Podcast TikiTaka

Viel Vergnügen.