Kann man an das Gute im Fußball noch glauben, wenn man Michael Wulzinger zugehört hatte? Es fällt schwer, aber höchst faszinierend war die Lesung dennoch.

Lassen wir die Kirche im Dorf. Es ist nur Fußball, also ein Spiel. Man muss sich das vergegenwärtigen, angesichts der haarsträubenden Geschichten, die Michael Wulzinger am Nikolausabend im Fanprojekt erzählte. Wulzinger arbeitet seit fast zweieinhalb Jahren für den Spiegel am Projekt Football Leaks. Sein Kollege Raphael Buschmann ist die einzige Person, die mit dem Informanten mit den Decknamen John Kontakt hält. John stellt den Redakteuren mehrere Terrabyte hochgeheimer Daten aus den Insiderkreisen zur Verfügung – von tausendseitigen Verträgen bis zu kurzen E-Mails. Vieles, was im großen Fußball gerade schief läuft, geht aus den Dokumenten hervor. Wie FIFA-Präsident Infantino die eigene Ethik-Kommission austrickst, wie der FC Bayern eine Superleague plant, wie Dopingkontrollen vertuscht werden, wie Verbandskorruption gehandhabt wird… alles festgehalten in Dokumenten, die man vor Gericht nicht verwenden könnte. Und doch: In zweieinhalb Jahren Football Leaks ist noch niemand aufgetaucht, der die Echtheit des Material bezweifeln würde.

Wulzingers Schilderungen sind mitreissend. Er trägt die Geschichte, die erklärt wie Raphael Buschmann den mysteriösen John kennen lernt, und eine Kooperation zu beiderseitigem Vorteil beginnt. John ist zwar im Besitz von heißem Material, aber er möchte nicht enden wie Julian Assange. Daher vertraut er die Daten dem Spiegel an, der sich längst mit einem europäischen Netzwerk zusammengetan hat, um die Dokument auszuwerten und journalistisch aufzubereiten. Sein ursprüngliches Blog mit Namen Football Leaks nimmt er vom Netz. Das war eine von Bedingungen von Seiten der Journalisten.

Das Fanprojekt in Stuttgart ist voll. Michael Wulzinger beantwortet jede Frage ausführlich. Und mit jeder Frage kramt er eine weitere schockierende Nachricht aus dem Gedächtnis. Wulzinger hat die letzten zweieinhalb Jahre an den Leaks gearbeitet. Fulltime. Bei der letzten Frage aus dem Publikum berichtet er aus dem Vertragswerk, das der ehemalige Hoffenheimer Stürmer Firmino in Liverpool unterschrieben hatte. Pro Treffer würde Firmino 25.000 Euro aufs private Konto erhalten. Einen ähnlichen Betrag würde Verteidiger Virgil Van Dyke einstreichen – falls die Reds ein Spiel zu Null beenden. Nach zwei Stunden entlässt das Publikum den Leiter der investigativen Abteilung des Spiegel. Etwas desillusioniert zwar, dennoch bereichert und in der Hoffnung, dass eine qualifizierte und schonungsloses Veröffentlichung wenigstens manches zum Guten verändern möge. So viel Fußballromantik darf auch angesichts der schockierenden Leaks erlaubt sein. 



Beim 24. Sporttalk der Sportregion Stuttgart durfte ich als agent provocateur die Diskussion mit einem sportpolitischen Impuls anstossen. Aber gerne. Thema: „Wahrer Sport oder Ware Sport“ Die Veranstaltung fand in Herrenberg statt. Und ich fand es nur höflich, meine Ausführungen mit einer lokalen Besonderheit zu beginnen.

 

„Haben Sie gewusst, dass in Herrenberg  einst 3 Fußball-Länderspiele stattgefunden hatten. Für die Nerds hab ich die Ergebnisse parat: Deutschland – Holland 9:2  (1958), Deutschland – Holland 3:0  (1959), Deutschland – Österreich 7:0 (1961). Die Begegnungen fanden in der grauen Spielzeit des Frauenfußballs statt. So nennt man die Jahre 1955 -1970. In dieser Zeit war es den Frauen vom DFB offiziell verboten zu spielen. Die Länderspiele wurden von der DDFV veranstaltet, der Deutschen Damen-Fußball-Vereinigung. Es handelte sich dabei um einen halbseriösen Verband, der im Verbot des Frauenfußballs eine Marktlücke erkannt hatte. 

Diese Länderspiele waren also einzig und allein eine kommerzielle Veranstaltung. Das bringt uns direkt zum Thema „Ware Sport“. Eine kommerzielle Veranstaltung hat Fußball und Gesellschaft weiter gebracht. Chancengleichheit war das gesellschaftliche Thema, das man früher noch Emanzipation nannte. Auch der Fußball profitierte. Später konnte man feststellen:  An vielen Orten, an denen der DDFV seine Damenfußball-Länderspiel ausgetragen hatte, kam der Damenfußball schneller voran. Unter anderem in Crailsheim und hier in Herrenberg.

Das Beispiel zeigt:Kommerzialisierung kann eine Gesellschaft nach vorne bringen. Muss man deshalb gleich ein Pladoyer für Kommerzialisierung halten? Gewiss nicht. Aber ein Plädoyer gegen Überkommerzialisierung. Denn aktuell ist die Gemengelage explosiv: Viele wenden sich vom Fußball ab. Viele Fans sagen: „Freunde der Sonne. Geht ihr ruhig Millionen scheffeln. Mir reichts.“ Nicht erst seit Football Leaks hat der Profifußball ein  Glaubwürdigkeitsproblem. Und das betrifft auch die Amateure.

Darum gibt es einen FC PlayFair!, dessen Präsident Claus Vogt war der Erste, der eine ganz einfache Frage stellte: Wem gehört der Fußball? Der NDR hat diese Frage in einer Sendung aufgegriffen und weitergereicht.  Einhellige Antwort: Der Fußball gehört den Fans, also allen. Doch man muss die Aussage geringfügig verbessern, schließlich sollte man die Spieler nicht vergessen. Richtig ist: Der Fußball gehört der Gesellschaft. Und wenn das stimmt, dürfen wir ihn nicht nach den Blutsaugern überlassen. Deren Ziel ist Gewinnmaximierung. Der ökonomische Gewinn bestimmt das Geschehen. Das ist fatal. Es sollte vielmehr um gesellschaftlichen Gewinn gehen. Um diesen zu bilanzieren steht ein Verfahren zur Verfügung, das immer mehr Beachtung findet: die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ). Es ist ein Bewertungsverfahren für Firmen und Institutionen, das ermittelt, in wie weit sie dem Gemeinwohl, also der Gesellschaft dienen.

Als Kritieren der GWÖ wurden untern anderem definiert:
1 Menschenwürde
2 Solidarität
3 Chancengleichheit
4 Ökologische Nachhaltigkeit
5 Transparenz und Mitentscheidung

 1 Menschenwürde

Leider muss man feststellen: Den Begriff Menschenwürde hat jüngst der größte Neokapitalist des Fußballs, Karl-Heinz Rummenigge versaut, als er ihn in Unkenntnis des wahren Inhalts exklusiv für Millionäre einfordert – und auf dramatische Art deutlich machte, dass man in München jede Menschenrecht so hindreht, wie man es braucht, wenn man nur Geld damit verdienen kann. Trotzdem darf man festhalten. Die teil schleppende Gegenwehr gegen rechte Unterwanderung in den Fanblocks, Homophobie, Alltagsrassismus sind konkrete Probleme, die man offensiver angehen muss, teils offensiver als es bisher getan wird. Auch auf manchen Amateurplätzen wird Menschenwürde stellenweise vergessen. Stichwort: Schiedsrichter. Gerade diejenigen, die das Spiel zusammenhalten, erfahren oft ein Defizit im Zusammenhang mit der Menschenwürde

2 Solidarität

Die landläufige Meinung über den Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL ist folgende: Man denkt, darin sei geregelt, dass Gelder aus dem Profifußball den Amateuren zu gute kommen. Tatsächlich ist geregelt: Dass die Profivereine nicht zu viel an die Amateure bezahlen. Die schreiende Ungerechtigkeit wird auch von den Landesverbänden klaglos abgenickt. Stattdessen alimentiert der DFB Werbekampagnen wie „Unsere Amateure – echte Profis“. Die Solidarität der Profis mit den vielen Amateuren ist definitiv ausbaufähig. Auch was die Spielzeiten betrifft. Liga eins und zwei decken das gesamte Wochenende ab. Eine zweistündige Profifußballpause am Sonntagnachmittag würde vielen Amateuren helfen. Aber solch solidarische Ideen stehen überhaupt nicht zur Debatte.

3 Chancengleichheit

Seit Pseudovereine wie Rasenballsport Leipzig in der Bundesliga spielen, können wir Chancengleichheit vergessen. Der 17-Herren-Verein aus Leipzig spart´ sich nämlich das ganze Gedöns mit Amateurfußball und gesellschaftlicher Verantwortung restlos. Er wurde nur zu Zwecken des Dosenmarketings gegründet. Doch Chancengleichheit war schon vor Red Bull kaum vorhanden. Eine gerechtere Verteilung der Fernsehgelder würde helfen – in Bundesliga und Championsleague. Aber wenn Bayern den Hals nicht voll bekommt, wird eben mit der Superleague gedroht. Leider geht die Strategie auf.

4 Ökologische Nachhaltigkeit

Jetzt wundern sich alle Clubpräsidenten und Trainer: Was ist denn das für ein Orchideenthema? Andererseits stelle ich die Frage: Gibt es überhaupt einen Bereich der Gesellschaft, der es sich leisten kann, das Thema „Ökologische Nachhaltigkeit“ auszuklammern?

5 Transparenz und Mitentscheidung

Tatsache ist: Der oberste FiFA-Boss Gianni Infantino hat kürzlich den Straftatbestand Korruption selbst aus dem obersten Ethikcode des Fußballs entfernen lassen. Im Alleingang. Mit dem Rotstift. Das wußte man auch schon vor den Football Leaks. Soviel zu Transparenz. Fisch stinkt von oben. Amateurverbände können die Vorwürfe gegen die Oberen der internationalen Verbände zwar kaum mehr hören. Aber hören kann man auch keine DFB-Verantwortlichen, der die Missstände öffentlich anprangert. Der Eindruck entsteht: Von oben bis unten alles eine Mischpoke.

Ich stelle also abschließend fest fest: Wenn man den Fußballsport mit den Methoden der Gemeinwohl-Ökonomie beurteilen würde, die Bilanz wäre extrem ausbaufähig. Statt dessen regiert der Kommerz. Das ist deshalb enorm schade, weil der Sport, sogar der Fußball, eine gute Sache ist. Wenn man es pathetisch mag, könnte man sagen: Fußball ist die eine Sache, auf die sich die Menschheit weltweit am leichtesten einigen kann. Weitere Stichworte zum gesamtgesellschaftlichen Profit sind: Gesundheit, soziale Bindung, gesellschaftliches Engagement, Identifikation, Heimat. All das ist Fußball: ein Kulturgut, das keinesfalls dem Kommerz überlassen werden darf.

Ein letzter Punkt: Versuchen Sie mal als Frau beim VfB Stuttgart Fußball zu spielen. Die bittere Wahrheit: Unser schwäbischer Vorzeigeklub ist in manchem noch so rückständig wie der DFB vor 60 Jahren.“

Danke an den Veranstalter Sportregion Stuttgart und an Dr. Qingwei Chen für das Foto.

Weitere Infos zur Gemeinwohlbilanz gibt’s auf www.ecogood.org und www.em-faktor.de

Das vergangene Wochenende wollte ich eigentlich verdrängen. Ich sag nur: 0:4 gegen Dortmund. Und das komplett verdient – hätte höher ausfallen müssen. Stuttgart am Tiefpunkt. Einziges Problem: Wenn du das verdrängen willst, darfst du nicht zusagen, beim wöchentlichen VfB-Podcast zu erscheinen.

Dann eben nicht. Ich bekam schließlich Gelegenheit, unseren FC PlayFair! vorzustellen. Als braves Mitglied muss man das nutzen.

Gern geschehen. Psychologen sagen sowieso, dass man über seine Probleme reden muss. Wie gut, dass mich Philipp Maisel und Christian Pavlic an die Hand genommen haben. Beim PodCannstatt, dem feinen Podcast der Stuttgarter Nachrichten und Antenne1. Philipp und Christian machen das öfters. Absolute Podprofis. Unsere therapeutische Dreierrunde in U-Form hatte folgende Themen

  • Der FC PlayFair!
  •  Rückblick #VfBBVB/Trainingswoche
  • Problemzonen beim VfB abseits des Rasens
  • Ausblick auf #TSGVfB
  • Podcast TikiTaka

Viel Vergnügen.

 

Lang ist’s her, da fanden in Herrenberg noch Fußballländerspiele statt. Tatsächlich: echte Länderspiele, in Herrenberg, im Fußball.  Zweimal Deutschland gegen Holland. Einmal Deutschland gegen Österreich. Wirklich, kein Witz. Das ist nur schon arg lange her. Aber diese Begegnungen sind heute noch extrem bemerkenswert. Sie stehen als Sinnbild dafür, dass sich Kommerz und gesellschaftlicher Fortschritt nicht ausschließen. Muss man deshalb ein Plädoyer für Kommerz im Sport halten? Sicher nicht. Aber ich will nicht zu viel verraten, von dem, was ich in Herrenberg erzählen will. Nicht an dieser Stelle. Pointe vorwegnehmen gehört sich nicht.

„Schneller, höher, kommerzieller – Wird der wahre Sport langsam zur Ware Sport?“ Darüber darf ich sprechen beim SportTalk 24 der Sportregion Stuttgart. Nach meinen einleitenden Worten werden sich Thomas Sprißler (OB Herrenberg), Matthias Schöck (Präsident wfv), Hans Artschwager (DHB Vize) und Claus Vogt (Präsi FC PlayFair!) die Köpfe heiß reden, wieviel Kommerz im Sport noch gut tut – und wann es einfach zu viel wird. Ich freue mich darauf, die Runde in Schwung zu bringen.

Habe die Ehre:
SportTalk24
8. November 2018, 19,oo Uhr
Mensa im Markweg-Schulzentrum     Schießtäle 33    71083 Herrenberg

 

 

 

 

Michael Wulzinger und Rafael Buschmann sind die treibenden Kräfte hinter den Football Leaks. Wer durch dieses Datenleck schaut, entdeckt die dunkle Seite des Profigeschäfts. Der Whistleblower John hat dem Magazin Spiegel 18,6 Mio Dokumente übergeben, Verträge, Vereinbarungen und Absprachen, die zeigen, dass für die Akteure im Fußball, Moral und Gesetz kaum gelten. Im Buch Football Leaks haben Buschmann und Wulzinger die Fakten gesammelt. Daraus ergeben sich spannende Fragen, unter anderem:

  • Wie fräst man sich durch ein solchen Berg an Dokumenten?
  • Wie abenteuerlich ist es, das Leck zu erforschen? Gefährlich gar?
  • Wie geht’s dem Whistleblower heute?
  • Müssen wir endgültig unseren Glauben ans Gute im Profifußball begraben?

Diese und andere Fragen darf ich an Michael Wulzinger weiterreichen. Neben einigen spannenden Passagen aus seinem Buch erwartet uns eine spannende Diskussion. Und ganz eventuell… sprechen wir auch über eine weitere aktuelle Enthüllung des Football Leaks Teams.

Meine Empfehlung:

Football Leaks live mit Michael Wulzinger
6.12, 19.30 Uhr
Fanprojekt Stuttgart, Hauptstätter Str. 41,
neben Immer Beer Herzen

Wir sehen uns. Habe die Ehre.

Volle Hütte bei der Lesung der Wochenendrebellen im Fanprojekt Stuttgart.

Es gibt Regeln. Unglaublich viele Regeln, seltsame Regeln, belastende Regeln. Bei einer Lesung der Wochenendrebellen sind sie noch verhältnismäßig harmlos. Erstens: Das Publikum stimmt ab, welcher Text gelesen wird. Zweitens: Jason ist der Wahlleiter. Wenn er zu keinem vernünftigen Ergebnis kommt, annulliert er das Ergebnis und setzt Neuwahlen an. Drittens: In der Fragerunde muss eine Frage zum Thema „Nachtzüge“ gestellt werden. Jason findet Nachtzüge klasse.

Jason, geboren 2005, ist Autist und seit seinem sechsten Lebensjahr mit seinem Vater unterwegs in den Fußballstadien Deutschlands und des benachbarten Auslands. Sein Vater Mirco von Juterczenka war anfangs der Reiseleiter des Vater-Sohn-Groundhoppingteams. Längst kann er sich seiner Rolle als Reiseleiter nicht mehr sicher sein. Im Grunde hat Jason die Organisation übernommen. Ursprünglich sollte es nur darum gehen, dem Jungen einen Lieblings-Fußballverein zu suchen. Doch nach und nach bekommen ihre Touren eine tiefere Bedeutung. Was ursprünglich dem Sohn als Erlebnisarchiv und Gedächtnisstütze dienen sollte, entwickelt sich schnell zu einem Lebensprojekt: Die vielen peinlichen, lustigen, lehrreichen, ernüchternden, teils erschütternden und nachdenklich machenden Erlebnisse und Erkenntnisse finden online eine ungeahnte und stets wachsende Schar von Fans. Auch bei der Lesung im Stuttgarter Fanprojekt wurde dies deutlich. Die Hütte in der Hauptstätter Straße war proppenvoll.

So wie Jason kein normaler Sohn ist, war der Abend keine normale Lesung. Gut so. Die Besucher waren zu Gast bei den von Juterczenkas, deren männliche Teile am Podium munter miteinander diskutierten. Die Gäste im Fanprojekt nahmen Teil am alltäglichen Leben einer Familie, die es gewohnt ist mit einem Sohn zu leben, der Asperger-Autist ist. Hochintelligent selbstverständlich. In Quantenphysik und Chaostheorie allen anderen weit voraus. Dafür in einigen anderen Dingen des Leben etwas eigen. Zu den Symptomen des Asperger-Syndroms gehört unter anderem ein Unverständnis für zwischenmenschliche Gefühle und ausgeprägte Sonderinteressen. Jason will nur ungern berührt werden. Er mag Fußball und Nachtzüge. Und er besteht darauf, dass alles korrekt abläuft. Das gehört zu den Regeln. Darum unterbricht er seinen Vater ständig und stellt kleine Unsauberkeiten in den Formulierungen von Mirco sofort richtig.

Damit sorgen Jason und Mirco zwei Stunden für beste Unterhaltung. Lehrreich und amüsant zugleich. Und am Ende legen die Beiden ihr wichtigstes Anliegen so überzeugend dar, dass ein stolzer Betrag für die Neven-Subutic-Stiftung im Spendenkässchen landet. Denn auch das gehört zu den Regeln: Mit ihren Lesungen wollen die Wochenendrebellen kein Geld verdienen. Jason hat beschlossen, Brunnen für Afrika zu finanzieren. Inklusive sanitäre Anlagen. Mehr als 25.000 Euro benötigt er dafür. Auch darum wird ein Besuch von weiteren Lesungen der Wochenendrebellen ausdrücklich empfohlen. Weitere Infos unter www.wochenendrebellen.de

Nächste Lesung im Fanprojekt Stuttgart:
Michael Wulzinger, Co-Autor „Football Leaks – die schmutzigen Geschäfte im Fußball“, 6.12.2018

 

 

Dem kritischen Fußballpublikum sei diese Veranstaltung wärmstens empfohlen. Sie ist ganz kurzfristig auf den Terminkalender gekommen. Ich freue mich auf Ronny Blaschke und Dr. Stephan Kaußen.

  • Fanprojekt Stuttgart, Hauptstätter Straße 41 (neben Immer Beer Herzen)
  • Mittwoch, 6. Juni 2018, 19.00 Uhr

Hier die „offizielle“ Pressemitteilung:

Vor der WM in Russland: Spielwiese Menschenrechte

Kann eine Weltmeisterschaft ein Gastgeberland nach vorne bringen oder bleibt dies nur eine sportpolitische Wunschvorstellung? Vielleicht ist das Gegenteil der Fall. Wenn die Versammlungsfreiheit eingeschränkt wird, Einwohner vertrieben werden und Bauarbeiter auf Baustellen zu Tode kommen, darf man das gute Verhältnis von Sport und Ethik in Zweifel ziehen. Die Wirkung eines sportlichen Großevents auf die Zivilgesellschaft eines Landes steht im Mittelpunkt des Vortrags- und Diskussionsabends im Fanprojekt Stuttgart. Zu Gast sind mit Ronny Blaschke und Dr. Stephan Kaußen zwei anerkannte Experten, die sich schon seit Jahren mit gesellschaftlichen und politischen Wirkungen von Megaevents befassen. 

Ronny Blaschke

Autor und Sportjournalist Ronny Blaschke beschäftigt sich vor allem mit ethischen Gesichtspunkten im Sport. Er schreibt an gegen Gewalt und Menschenfeindlichkeit. Für sein Engagement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus wurde er 2013 vom DFB  mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet. Ronny Blaschke tourt seit Beginn des Jahres mit seinem Vortrag durch Deutschland. Mit seinem Bericht von der „Spielwiese Menschenrechte“ wird er die Diskussion eröffnen. Darin thematisiert er unter anderem die Aushöhlung von Menschenrechten und den Schutz von Minderheiten. Andererseits stellt er die Frage, ob Kritik auf Basis eines eurozentristischen Weltbilds überhaupt legitim erscheint.

Stephan Kaußen

Danach wird Dr. Stephan Kaußen von seinen vielfältigen Erfahrungen auf großen Turnieren berichten. Kaußen hat viele Berufe, er arbeitet unter anderem als Dozent, Politikwissenschaftler und Sportreporter. Fußballfans kennen seine Stimme aus der legendären Bundesliga-Konferenz der ARD Radiosender. Der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit liegt allerdings außerhalb der Bundesliga: in Südafrika. Er schrieb unter anderem über den Beitrag des Sports zur Versöhnungspolitik im ehemaligen Apartheidstaat und analysierte den gesellschaftlichen und politischen Wandel. Kaußen kann am Beispiel Südafrika die Auswirkungen einer Weltmeisterschaft einschätzen. Auch die anderen Europa- und Weltmeisterschaften der letzten Jahre hat Kaußen aus Fanperspektive erlebt und wird von seinen Erfahrungen berichten.

Der Abend wird veranstaltet vom Fanprojekt Stuttgart mit Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Moderation hat Bernd Sautter. Die Veranstaltung beginnt am 19 Uhr in den Räumen des Fanprojekts Stuttgart in der Hauptstätter Straße 41. Der Eintritt ist frei.

 

Extremst feiner Podcast für VfB-Fans: der Brustringtalk. Wer anderthalb Stunden Zeit hat, kann nachvollziehen, warum wir uns verplappert haben. Erst entdeckten wir unsere Seelenverwandtschaft – und zu Schluß die Liebe. Ich betone allerdings, dass Frau Aogo damit rein gar nichts zu tun hat.

Zum Brustringtalk – der VfB Podcast
Folge 36 vom 4. Januar 2018

Unter anderem enthalten:

  • Rückblick auf die Hinrunde der Saison 2017/2018
  • Entlassung von Jan Schindelmeiser
  • Die Transfers von Akolo, Badstuber, Aogo, Beck und Ascacibar.
  • Die Rolle des Trainers Hannes Wolf
  • Das Nicht-Fritzle-II Mario Gomez
  • Der Ausblick aus die Rückrunde
  • und einige Gedanken zu 50+1 und die Ausgliederung des VfB

 

Zur Lesung im Deutschen Fleischermuseum in Böblingen gestalte ich mit Christian Baudisch einen Abend rund ums Thema Stadionwurst. Die BZ/SZ wollte bereits im Vorfeld wissen, was eine gute Stadionwurst ausmacht. Jürgen „Willi“ Wegner stellte die Fragen.

Wo gibt es die beste Stadionwurst?

Bernd Sautter: „Ganz konkret bei den Blauen. Da heißt sie auch ‘Blaue’ und nicht ‘Rote’. Die ist genau nach meinem Geschmack. Und das ist das Entscheidende: Jede einzelne Stadionwurst ist eine reine Geschmackssache.“

Was macht eine gute Stadionwurst aus?

Bernd Sautter: „Sie kommt von der Holzkohle und wird – ganz wichtig – auf Augenhöhe gegrillt. Hier kann ich auf den Grill schauen. Nur dann sehe ich, welche Wurst ich haben will. Die beste bekommt man kurz vor und nach dem Spiel oder in der Halbzeit. Dann ist sie besonders frisch.“

Die millionenschweren Clubs sollten eigentlich am meisten Kohle für eine gute Stadionwurst haben.

Bernd Sautter: „Das Gegenteil ist der Fall. Je höher die Liga und je mehr Kohle damit im Spiel ist, desto schlechter die Wurst. Wenn Systemgastronomen im Spiel sind, wird es furchtbar. Außen schwarz und innen nicht durch. Da muss man sich nur einmal das Stadion anschauen, das früher einmal Neckarstadion hieß. Am schlimmsten ist die Halbzeitwurst im Vip-Bereich. Die Haut ähnelt der einer 130-jährigen Oma. Einfach furchtbar und symbolisch dafür, was passiert, wenn der kommerzielle Aspekt in der Welt der Bezahlkarten und Einlasskontrollen jede Fankultur überholt.“

Ist die Stadionwurst somit ein Gradmesser dafür, ob die Fußballwelt noch heil ist?

Bernd Sautter: „Ja, und dafür gibt es wunderbare Beispiele. Der 1. FC Heidenheim ist so eins. Als der kometenhafte Aufstieg begann und der Stadionausbau anstand, hat der Architekt seinen Entwurf gezeigt. Auf diesem fehlte die alte Wurstbude. Geschäftsführer Holger Sanwald sprach ein Machtwort und meinte, man kann doch die Seele des Vereins nicht abreißen. Deshalb wurde das Stadion rund um die Wurstbude gebaut, die auch heute noch da steht. Heidenheim steht also völlig zu Unrecht unter dem Verdacht ein Retortenclub zu sein.“

Sie werden am Freitag sicher noch mehr solcher bunter Themen servieren. Aber um bei der Kulinarik zu bleiben: Wie stehen wir denn im internationalen Vergleich da?

Bernd Sautter: „sehr gut. Es ist wie immer. Wenn Deutsche etwas machen, dann richtig. Eine ähnlich gute Stadionwurst gibt es vielleicht in der Schweiz. Allerdings habe ich in Aarau mit 8,60 Franken die teuerste meines Lebens bezahlt.“

Wo war es besonders schlimm?

Bernd Sautter: „In Prag. Beim Stadtderby Slavia gegen Sparta gab es einen Fettklumpen, der auch noch etwas von einer Blutwurst hatte. Bei der Rückfahrt am Tag danach musste ich hinter der Grenze immer noch aufstoßen und bekam noch einmal das Aroma vom Vortag. Bei allem kulinarischen Offensivdrang, das war wirklich zu viel.“

Gibt es eigentlich überall Stadionwürste?

Bernd Sautter: „nein. Sie sind begrenzt auf die deutschsprachigen und ein paar östliche Nachbarländer.“

Was essen die anderen?

Bernd Sautter: „Die Spanier bringen ihre Bocadillos mit, auch in Italien gibt es belegte Brötchen. Ich erinnere mich wenig begeistert an die Pljeskavica auf dem Balkan, eine Art halbrohes Fleischküchle mit reichlich Zwiebeln, Knoblauch, viel Ketchup und Mayo. Ach so, und dann gibt es auch noch diese Sonnenblumenkerne.“

Sind Sonnenblumenkerne spektakulär?

Bernd Sautter: „Manchmal schon. Ich saß in Valencia im Stadion, als 40 000 Menschen gleichzeitig auf den Kernen gekaut haben. Das hat genau so wie Feuer geknistert, ich habe gesucht, wo es brennt.“

Wir haben gelernt, dass die besten Würste bei den Blauen auf dem Grill liegen. Darf man das sagen als bekennender Roter?

Bernd Sautter: „ja. Und ich bin tiefrot. Mein erstes Spiel im Stadion war das 3:3 gegen die Bayern nach dem Wiederaufstieg 1977. Nick Hornby hat mal geschrieben, du kannst vielleicht deine Frau wechseln, aber nicht den Club. Das stimmt, auch wenn das neben Freud auch Leid mit sich bringt.“

Das liegt manchmal eng beieinander.

Bernd Sautter: „ja. 1992 war ich nach der sensationellen Meisterschaft in Leverkusen auf dem Rasen, habe ein Stück davon mitgenommen. Mein Kumpel wollte diesen in einen Briefbeschwerer eingießen und hat ihn für zwei Monate in den Kühlschrank gelegt. Seine Mutter hat wohl nicht richtig verstanden, worum es hier ging. Sie hat den Rasen einfach rausgeschmissen.“

Der VfB scheint immer eine Geschichte wert. Verraten Sie doch mal, wo es rund ums Stadion eine gute Stadionwurst gibt.

Bernd Sautter: „Ich behaupte: gar nicht. Wenn es irgendwo sein muss, dann beim PSV – aber bitte hier darauf achten, dass man sich auf Augenhöhe begegnet.“

Da war selbst Gilbert Gress überrascht. Er hätte gedacht, in Stuttgart würde ihn niemand mehr kennen. Weit gefehlt. Die Szenekneipe fischlabor war schon eine Woche vor dem „Heimspiel mit Gilbert Gress“ völlig überreserviert. Hinterher sprach Mike der Wirt von einem der schönsten Abenden, die sein Laden je erlebt hatte. Und sogar Gress selbst schwärmte. So jedenfalls erzählte es mir seine Frau einige Tage später. Kein Abend würde mehr vergehen, ohne dass Monsieur Gress nicht erwähnt wie herzlich er in Stuttgart empfangen wurde.

„Lieber Monsieur Gress, wirklich gern geschehen. Jederzeit wieder.“

Große Anerkennung an den Granseigneur des Stuttgarter Photojournalismus Frank Eppler für die genialen Aufnahmen. Mehr von ihm unter www.foto-eppler.de Die Bildergalerie gibt’s hier.