Michael Wulzinger und Rafael Buschmann sind die treibenden Kräfte hinter den Football Leaks. Wer durch dieses Datenleck schaut, entdeckt die dunkle Seite des Profigeschäfts. Der Whistleblower John hat dem Magazin Spiegel 18,6 Mio Dokumente übergeben, Verträge, Vereinbarungen und Absprachen, die zeigen, dass für die Akteure im Fußball, Moral und Gesetz kaum gelten. Im Buch Football Leaks haben Buschmann und Wulzinger die Fakten gesammelt. Daraus ergeben sich spannende Fragen, unter anderem:

  • Wie fräst man sich durch ein solchen Berg an Dokumenten?
  • Wie abenteuerlich ist es, das Leck zu erforschen? Gefährlich gar?
  • Wie geht’s dem Whistleblower heute?
  • Müssen wir endgültig unseren Glauben ans Gute im Profifußball begraben?

Diese und andere Fragen darf ich an Michael Wulzinger weiterreichen. Neben einigen spannenden Passagen aus seinem Buch erwartet uns eine spannende Diskussion. Und ganz eventuell… sprechen wir auch über eine weitere aktuelle Enthüllung des Football Leaks Teams.

Meine Empfehlung:

Football Leaks live mit Michael Wulzinger
6.12, 19.30 Uhr
Fanprojekt Stuttgart, Hauptstätter Str. 41,
neben Immer Beer Herzen

Wir sehen uns. Habe die Ehre.

Volle Hütte bei der Lesung der Wochenendrebellen im Fanprojekt Stuttgart.

Es gibt Regeln. Unglaublich viele Regeln, seltsame Regeln, belastende Regeln. Bei einer Lesung der Wochenendrebellen sind sie noch verhältnismäßig harmlos. Erstens: Das Publikum stimmt ab, welcher Text gelesen wird. Zweitens: Jason ist der Wahlleiter. Wenn er zu keinem vernünftigen Ergebnis kommt, annulliert er das Ergebnis und setzt Neuwahlen an. Drittens: In der Fragerunde muss eine Frage zum Thema „Nachtzüge“ gestellt werden. Jason findet Nachtzüge klasse.

Jason, geboren 2005, ist Autist und seit seinem sechsten Lebensjahr mit seinem Vater unterwegs in den Fußballstadien Deutschlands und des benachbarten Auslands. Sein Vater Mirco von Juterczenka war anfangs der Reiseleiter des Vater-Sohn-Groundhoppingteams. Längst kann er sich seiner Rolle als Reiseleiter nicht mehr sicher sein. Im Grunde hat Jason die Organisation übernommen. Ursprünglich sollte es nur darum gehen, dem Jungen einen Lieblings-Fußballverein zu suchen. Doch nach und nach bekommen ihre Touren eine tiefere Bedeutung. Was ursprünglich dem Sohn als Erlebnisarchiv und Gedächtnisstütze dienen sollte, entwickelt sich schnell zu einem Lebensprojekt: Die vielen peinlichen, lustigen, lehrreichen, ernüchternden, teils erschütternden und nachdenklich machenden Erlebnisse und Erkenntnisse finden online eine ungeahnte und stets wachsende Schar von Fans. Auch bei der Lesung im Stuttgarter Fanprojekt wurde dies deutlich. Die Hütte in der Hauptstätter Straße war proppenvoll.

So wie Jason kein normaler Sohn ist, war der Abend keine normale Lesung. Gut so. Die Besucher waren zu Gast bei den von Juterczenkas, deren männliche Teile am Podium munter miteinander diskutierten. Die Gäste im Fanprojekt nahmen Teil am alltäglichen Leben einer Familie, die es gewohnt ist mit einem Sohn zu leben, der Asperger-Autist ist. Hochintelligent selbstverständlich. In Quantenphysik und Chaostheorie allen anderen weit voraus. Dafür in einigen anderen Dingen des Leben etwas eigen. Zu den Symptomen des Asperger-Syndroms gehört unter anderem ein Unverständnis für zwischenmenschliche Gefühle und ausgeprägte Sonderinteressen. Jason will nur ungern berührt werden. Er mag Fußball und Nachtzüge. Und er besteht darauf, dass alles korrekt abläuft. Das gehört zu den Regeln. Darum unterbricht er seinen Vater ständig und stellt kleine Unsauberkeiten in den Formulierungen von Mirco sofort richtig.

Damit sorgen Jason und Mirco zwei Stunden für beste Unterhaltung. Lehrreich und amüsant zugleich. Und am Ende legen die Beiden ihr wichtigstes Anliegen so überzeugend dar, dass ein stolzer Betrag für die Neven-Subutic-Stiftung im Spendenkässchen landet. Denn auch das gehört zu den Regeln: Mit ihren Lesungen wollen die Wochenendrebellen kein Geld verdienen. Jason hat beschlossen, Brunnen für Afrika zu finanzieren. Inklusive sanitäre Anlagen. Mehr als 25.000 Euro benötigt er dafür. Auch darum wird ein Besuch von weiteren Lesungen der Wochenendrebellen ausdrücklich empfohlen. Weitere Infos unter www.wochenendrebellen.de

Nächste Lesung im Fanprojekt Stuttgart:
Michael Wulzinger, Co-Autor „Football Leaks – die schmutzigen Geschäfte im Fußball“, 6.12.2018

 

 

Dem kritischen Fußballpublikum sei diese Veranstaltung wärmstens empfohlen. Sie ist ganz kurzfristig auf den Terminkalender gekommen. Ich freue mich auf Ronny Blaschke und Dr. Stephan Kaußen.

  • Fanprojekt Stuttgart, Hauptstätter Straße 41 (neben Immer Beer Herzen)
  • Mittwoch, 6. Juni 2018, 19.00 Uhr

Hier die „offizielle“ Pressemitteilung:

Vor der WM in Russland: Spielwiese Menschenrechte

Kann eine Weltmeisterschaft ein Gastgeberland nach vorne bringen oder bleibt dies nur eine sportpolitische Wunschvorstellung? Vielleicht ist das Gegenteil der Fall. Wenn die Versammlungsfreiheit eingeschränkt wird, Einwohner vertrieben werden und Bauarbeiter auf Baustellen zu Tode kommen, darf man das gute Verhältnis von Sport und Ethik in Zweifel ziehen. Die Wirkung eines sportlichen Großevents auf die Zivilgesellschaft eines Landes steht im Mittelpunkt des Vortrags- und Diskussionsabends im Fanprojekt Stuttgart. Zu Gast sind mit Ronny Blaschke und Dr. Stephan Kaußen zwei anerkannte Experten, die sich schon seit Jahren mit gesellschaftlichen und politischen Wirkungen von Megaevents befassen. 

Ronny Blaschke

Autor und Sportjournalist Ronny Blaschke beschäftigt sich vor allem mit ethischen Gesichtspunkten im Sport. Er schreibt an gegen Gewalt und Menschenfeindlichkeit. Für sein Engagement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus wurde er 2013 vom DFB  mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet. Ronny Blaschke tourt seit Beginn des Jahres mit seinem Vortrag durch Deutschland. Mit seinem Bericht von der „Spielwiese Menschenrechte“ wird er die Diskussion eröffnen. Darin thematisiert er unter anderem die Aushöhlung von Menschenrechten und den Schutz von Minderheiten. Andererseits stellt er die Frage, ob Kritik auf Basis eines eurozentristischen Weltbilds überhaupt legitim erscheint.

Stephan Kaußen

Danach wird Dr. Stephan Kaußen von seinen vielfältigen Erfahrungen auf großen Turnieren berichten. Kaußen hat viele Berufe, er arbeitet unter anderem als Dozent, Politikwissenschaftler und Sportreporter. Fußballfans kennen seine Stimme aus der legendären Bundesliga-Konferenz der ARD Radiosender. Der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit liegt allerdings außerhalb der Bundesliga: in Südafrika. Er schrieb unter anderem über den Beitrag des Sports zur Versöhnungspolitik im ehemaligen Apartheidstaat und analysierte den gesellschaftlichen und politischen Wandel. Kaußen kann am Beispiel Südafrika die Auswirkungen einer Weltmeisterschaft einschätzen. Auch die anderen Europa- und Weltmeisterschaften der letzten Jahre hat Kaußen aus Fanperspektive erlebt und wird von seinen Erfahrungen berichten.

Der Abend wird veranstaltet vom Fanprojekt Stuttgart mit Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Moderation hat Bernd Sautter. Die Veranstaltung beginnt am 19 Uhr in den Räumen des Fanprojekts Stuttgart in der Hauptstätter Straße 41. Der Eintritt ist frei.

 

Extremst feiner Podcast für VfB-Fans: der Brustringtalk. Wer anderthalb Stunden Zeit hat, kann nachvollziehen, warum wir uns verplappert haben. Erst entdeckten wir unsere Seelenverwandtschaft – und zu Schluß die Liebe. Ich betone allerdings, dass Frau Aogo damit rein gar nichts zu tun hat.

Zum Brustringtalk – der VfB Podcast
Folge 36 vom 4. Januar 2018

Unter anderem enthalten:

  • Rückblick auf die Hinrunde der Saison 2017/2018
  • Entlassung von Jan Schindelmeiser
  • Die Transfers von Akolo, Badstuber, Aogo, Beck und Ascacibar.
  • Die Rolle des Trainers Hannes Wolf
  • Das Nicht-Fritzle-II Mario Gomez
  • Der Ausblick aus die Rückrunde
  • und einige Gedanken zu 50+1 und die Ausgliederung des VfB

 

Bernd Sautter / heimspiele / Lesung

Als ich vor vier Jahren mein Buchprojekt zum Fußball in Baden-Württemberg startete, befürchtete ich durchaus ein kleines Shitstörmle. Ich ahnte, dass Leser sich beschweren könnten, weil sie eine relevante Geschichte kennen, die man unbedingt hätte im Buch aufnehmen müssen – ohne die das Buch eigentlich nichts wert sei.

Tatsächlich habe ich manche Auslassungssünde begangen, das liegt in der Natur der Sache. Die Seiten des Buches sind leider endlich. Auf Leben und Werk der Pforzheimer Barca-Legende Emil Walter verzichtete ich, weil das Magazin 11Freunde damals die Geschichte schon perfekt aufbereitet hatte. Das alte badische Lokalderby Kuppenheim gegen Gernsbach ist hinten runter gefallen. Auch in Hohenlohe hätte ich gerne noch länger gestöbert, dieser Landstrich ist in „Heimspiele Baden-Württemberg“ gewiss nicht ausreichend gewürdigt. Um nur drei von tausend Ansatzpunkte zu nennen.

Und trotzdem: Das Shitstörmle ist bis zum heutigen Tage ausgeblieben. Stattdessen erreichen mich Mails wie die von Dieter Geiselhart. Ich werde rot und bedanke mich herzlich für das feedback

„Hallo Herr Sautter, ihr Buch habe ich zu meinem 74. Geburtstag von einem Freund, mit dem ich früher auch Fußball gespielt hatte (Sportfreunde Stuttgart) geschenkt bekommen. Ich habe einige Monate benötigt um alle Geschichten zu lesen, da der Inhalt so intensiv war , dass ich immer nur einige Passagen lesen konnte und dann alles erst mal verarbeiten musste. Zu Ihrem Buch kann ich Sie nur beglückwünschen und hoffe, dass es für Sie auch ein Erfolg wird. In meinem Fußballarchiv gibt es kein Buch, das mit einer solchen Intensität auf die Geschehnisse im BW-Fußball eingeht. Dazu noch sehr lustig (und listig) nicht verletzend und breit aufgestellt – Baden  / Württemberg  / Damen / Präsidenten / Trainer / Spiele / Plätze –alles in allem eine Zeitreise, welche man so kompakt nirgends bekommen kann. Persönlich hatte ich beruflich mit Richard Ilg (Ottos Vesperstüble) und Erlfried König (Laupheim) zu tun. Er hat es bei unserer Firma  auch versucht. Vielen Dank für das tolle Fußballbuch auch an Ihre HelferDieter Geiselhart“

Herr Geiselhart, vielen lieben Dank für Ihre freundlichen Worte. Die Anerkennung an meine Helfer ist rausgegangen, auch auch diesem Wege.

Heimspiele // Baden-Württemberg // Bernd Sautter // Fußballbuch

Wie bitte… schon zwei Jahre her, dass „Heimspiele Baden-Württemberg“ erschienen ist? Damals hatte es der Verlag im Herbst auf den Markt gebracht, weil er sich sicher war hoffte, das Buch wäre als Weihnachtsgeschenk bestens geeignet. Stimmt, aber mal ehrlich: Heute,  zwei Jahre später, ist es keine Hoffnung, sondern vielfach bewiesen: „Heimspiele Baden-Württemberg“ ist ein Klasse Weihnachtsgeschenk. Es ist schwer, gehaltvoll und garantiert nicht nullachtfuffzehn. Es freut den Beschenkten und adelt den Schenkenden. Wer möchte, kann auch Blumen dazulegen.

Wenn man „Heimspiele Baden-Württemberg“ verschenkt, kann tatsächlich folgendes passieren: In Einzelfällen freuen sich die Beschenkten darüber. Einiger dieser Fußballkenner haben mir das bereits schriftlich kund getan. Ich sage: „Herzlichen Dank für die Zuschriften. Geht runter wie ein Strich in die Dreiangel.“

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Hallo Herr Sautter,
jetzt, da die Bundesliga-Saison vorbei ist, finde ich mal wieder Zeit, um Grundsätzliches zum Fußball zu lesen. Dabei fiel mir Ihr Buch „Heimspiele“ in die Hand, in dem ich immer wieder schmökere und das ich auch schon mehrfach verschenkt habe. Nachdem ich gerade auf der letzten Seite Ihre Email-Adresse gefunden habe, dachte ich mir, ich schicke Ihnen einmal mein Kompliment und meinen Dank für diese 94 Geschichten des Fußballs in Baden-Württemberg! Sie sind ein großes Lesevergnügen und der ultimative Beweis dafür, dass der Fußball ohne die Trainer, Spieler, Schiedsrichter, Funktionäre aus dem Ländle gar nicht denkbar wäre.

Vielen Dank dafür!

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Sehr geehrter Herr Sautter,
auf Ihr Buch bin ich durch die „Badische Zeitung“ aufmerksam geworden. Ich möchte es unserem Sohn schenken, der in Hamburg dem SC Freiburg die Daumen drückt.

Inzwischen habe ich es selbst (weitgehend) gelesen und möchte mich bedanken für dieses gelungene Werk: flott und sprachlich geschliffen, mit viel Detailkenntnis, unterhaltsam, wohlwollend humorvoll u.v.m., außerdem die badische Seite angemessen würdigend (verglichen mit SWR-Sendungen wie „Sport im Dritten“). Ich werde es noch mehrmals kaufen und verschenken.

Es sei ihm der gebührende Erfolg beschieden. Ihnen wünsche ich noch weitere solcher ideenreicher Kreationen.

Viele Grüße aus Emmendingen

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Hallo Herr Sautter,
zunächst mal vielen vielen Dank für Ihr Buch „Heimspiele Baden-Württemberg“!

Mit Genuss habe ich die einzelnen Kapitel gelesen und war auch erfreut, dass es Kapitel über meine „Heimat“ gibt! Als Dillweißensteiner (Pforzheimer) haben diese Teile des Buches natürlich für mich eine besondere Bedeutung… Egal ob Schnürles, Arthur Hiller, der FCP…

Einfach DANKE dafür!

Der Einzige, der mir persönlich gefehlt hatte (Sorry dafür, aber ich finde seine Lebensgeschichte äußerst spannend…), war Emil „Emilio“ Walter (http://m.11freunde.de/artikel/der-vergessene-barca-held-aus-pforzheim?utm_referrer=https://www.google.de/), den selbst in Pforzheim nur wenige kennen…Außerdem haben wir in unserer Vereinschronik einen Spielberichtsbogen der Kegelabteilung gefunden, auf dem Mehmet Scholl wieder zu finden ist! Weiterhin viel Erfolg, Spaß und Leidenschaft bei Ihrer Arbeit und sollte ein weiteres Buch entstehen, einen Käufer haben Sie auf jeden Fall! :-D

Für das tolle Feedback sage ich: „Danke ebenfalls. Es war mir ein Vergnügen.“ An den Leser aus Pforzheim: Stimmt! Falls es einmal eine Fortsetzung geben sollte: Emilio Walter ist auf jeden Fall drin.

Zur Lesung im Deutschen Fleischermuseum in Böblingen gestalte ich mit Christian Baudisch einen Abend rund ums Thema Stadionwurst. Die BZ/SZ wollte bereits im Vorfeld wissen, was eine gute Stadionwurst ausmacht. Jürgen „Willi“ Wegner stellte die Fragen.

Wo gibt es die beste Stadionwurst?

Bernd Sautter: „Ganz konkret bei den Blauen. Da heißt sie auch ‘Blaue’ und nicht ‘Rote’. Die ist genau nach meinem Geschmack. Und das ist das Entscheidende: Jede einzelne Stadionwurst ist eine reine Geschmackssache.“

Was macht eine gute Stadionwurst aus?

Bernd Sautter: „Sie kommt von der Holzkohle und wird – ganz wichtig – auf Augenhöhe gegrillt. Hier kann ich auf den Grill schauen. Nur dann sehe ich, welche Wurst ich haben will. Die beste bekommt man kurz vor und nach dem Spiel oder in der Halbzeit. Dann ist sie besonders frisch.“

Die millionenschweren Clubs sollten eigentlich am meisten Kohle für eine gute Stadionwurst haben.

Bernd Sautter: „Das Gegenteil ist der Fall. Je höher die Liga und je mehr Kohle damit im Spiel ist, desto schlechter die Wurst. Wenn Systemgastronomen im Spiel sind, wird es furchtbar. Außen schwarz und innen nicht durch. Da muss man sich nur einmal das Stadion anschauen, das früher einmal Neckarstadion hieß. Am schlimmsten ist die Halbzeitwurst im Vip-Bereich. Die Haut ähnelt der einer 130-jährigen Oma. Einfach furchtbar und symbolisch dafür, was passiert, wenn der kommerzielle Aspekt in der Welt der Bezahlkarten und Einlasskontrollen jede Fankultur überholt.“

Ist die Stadionwurst somit ein Gradmesser dafür, ob die Fußballwelt noch heil ist?

Bernd Sautter: „Ja, und dafür gibt es wunderbare Beispiele. Der 1. FC Heidenheim ist so eins. Als der kometenhafte Aufstieg begann und der Stadionausbau anstand, hat der Architekt seinen Entwurf gezeigt. Auf diesem fehlte die alte Wurstbude. Geschäftsführer Holger Sanwald sprach ein Machtwort und meinte, man kann doch die Seele des Vereins nicht abreißen. Deshalb wurde das Stadion rund um die Wurstbude gebaut, die auch heute noch da steht. Heidenheim steht also völlig zu Unrecht unter dem Verdacht ein Retortenclub zu sein.“

Sie werden am Freitag sicher noch mehr solcher bunter Themen servieren. Aber um bei der Kulinarik zu bleiben: Wie stehen wir denn im internationalen Vergleich da?

Bernd Sautter: „sehr gut. Es ist wie immer. Wenn Deutsche etwas machen, dann richtig. Eine ähnlich gute Stadionwurst gibt es vielleicht in der Schweiz. Allerdings habe ich in Aarau mit 8,60 Franken die teuerste meines Lebens bezahlt.“

Wo war es besonders schlimm?

Bernd Sautter: „In Prag. Beim Stadtderby Slavia gegen Sparta gab es einen Fettklumpen, der auch noch etwas von einer Blutwurst hatte. Bei der Rückfahrt am Tag danach musste ich hinter der Grenze immer noch aufstoßen und bekam noch einmal das Aroma vom Vortag. Bei allem kulinarischen Offensivdrang, das war wirklich zu viel.“

Gibt es eigentlich überall Stadionwürste?

Bernd Sautter: „nein. Sie sind begrenzt auf die deutschsprachigen und ein paar östliche Nachbarländer.“

Was essen die anderen?

Bernd Sautter: „Die Spanier bringen ihre Bocadillos mit, auch in Italien gibt es belegte Brötchen. Ich erinnere mich wenig begeistert an die Pljeskavica auf dem Balkan, eine Art halbrohes Fleischküchle mit reichlich Zwiebeln, Knoblauch, viel Ketchup und Mayo. Ach so, und dann gibt es auch noch diese Sonnenblumenkerne.“

Sind Sonnenblumenkerne spektakulär?

Bernd Sautter: „Manchmal schon. Ich saß in Valencia im Stadion, als 40 000 Menschen gleichzeitig auf den Kernen gekaut haben. Das hat genau so wie Feuer geknistert, ich habe gesucht, wo es brennt.“

Wir haben gelernt, dass die besten Würste bei den Blauen auf dem Grill liegen. Darf man das sagen als bekennender Roter?

Bernd Sautter: „ja. Und ich bin tiefrot. Mein erstes Spiel im Stadion war das 3:3 gegen die Bayern nach dem Wiederaufstieg 1977. Nick Hornby hat mal geschrieben, du kannst vielleicht deine Frau wechseln, aber nicht den Club. Das stimmt, auch wenn das neben Freud auch Leid mit sich bringt.“

Das liegt manchmal eng beieinander.

Bernd Sautter: „ja. 1992 war ich nach der sensationellen Meisterschaft in Leverkusen auf dem Rasen, habe ein Stück davon mitgenommen. Mein Kumpel wollte diesen in einen Briefbeschwerer eingießen und hat ihn für zwei Monate in den Kühlschrank gelegt. Seine Mutter hat wohl nicht richtig verstanden, worum es hier ging. Sie hat den Rasen einfach rausgeschmissen.“

Der VfB scheint immer eine Geschichte wert. Verraten Sie doch mal, wo es rund ums Stadion eine gute Stadionwurst gibt.

Bernd Sautter: „Ich behaupte: gar nicht. Wenn es irgendwo sein muss, dann beim PSV – aber bitte hier darauf achten, dass man sich auf Augenhöhe begegnet.“

Da war selbst Gilbert Gress überrascht. Er hätte gedacht, in Stuttgart würde ihn niemand mehr kennen. Weit gefehlt. Die Szenekneipe fischlabor war schon eine Woche vor dem „Heimspiel mit Gilbert Gress“ völlig überreserviert. Hinterher sprach Mike der Wirt von einem der schönsten Abenden, die sein Laden je erlebt hatte. Und sogar Gress selbst schwärmte. So jedenfalls erzählte es mir seine Frau einige Tage später. Kein Abend würde mehr vergehen, ohne dass Monsieur Gress nicht erwähnt wie herzlich er in Stuttgart empfangen wurde.

„Lieber Monsieur Gress, wirklich gern geschehen. Jederzeit wieder.“

Große Anerkennung an den Granseigneur des Stuttgarter Photojournalismus Frank Eppler für die genialen Aufnahmen. Mehr von ihm unter www.foto-eppler.de Die Bildergalerie gibt’s hier.

Vielleicht eine der schönsten Orte, die der Fußball zu bieten hat: die Libero Bar in Winterthur. Dort durfte ich an der Seite von Mämä Sykora, dem Chef des Fußballmagazins Zwölf lesen. Heinz Diener lies mich im Landboten, Winterthur glimpflich davon kommen: „Als Sautter von weiteren Erfindungen erzählt, tönt ein Kichern aus dem Publikum. Es werden Schwabenwitze gerissen.“

 

Jetzt mal ehrlich: Darauf habe ich mich schon lange gefreut. Noch letzten Herbst hat Gress einen Besuch in Stuttgart kurzfristig absagen müssen. Jetzt kann nichts mehr dazwischen kommen. Gress kommt zurück. Sicher. Nach dem er als Fußball-Spieler bekannt, als Trainer berüchtigt, als TV-Experte geschätzt und als Show-Juror berühmt wurde (Letzteres zumindest in der Schweiz), gibt er uns jetzt im fischlabor die Ehre.

Häufig wurde in Stuttgart über eine Rückkehr von Gress gesprochen. Über fast zwanzig Jahre hinweg stand sein Name immer auf der Kandidatenliste, wenn der VfB einen Trainer suchte. Also ziemlich oft. VfB-Präsident Mayer-Vorfelder hatte den Kontakt zu seinem ehemaligen Starspieler nie abreißen lassen. Er war sich sicher: Der Publikumsliebling wird eines Tages nach Stuttgart zurückkehren. Auch den Journalisten gefiel die Idee eines VfB-Trainers namens Gress. Sie hätten ihn gerne wieder hier gehabt. Wo er war, gab es schließlich immer etwas zu schreiben. Trotz allen guten Willens: Gress kam nie wieder zurück, zumindest nicht als Trainer. Warum eigentlich?

Das – und vieles andere – werden wir ihn fragen. Beim Heimspiel mit Gilbert Gress…

am 14.3, 20.00 Uhr
im fischlabor, Ludwigsstraße 36, Stuttgart-West,
Eintritt frei

Technische Hinweise:

Reservierungen bitte per PN an mich (also hier) oder an Mike vom fischlabor. Die Plätze werden bis 19.30 Uhr freigehalten. Zu Ehren unseres Stargastes bleibt die Fußball-Loge rauchfrei (ausnahmsweise).