Seit jeher wird über Schiedsrichter und ihre Tatsachenentscheidungen diskutiert – in den letzten Wochen mit zunehmender Intensität. Im VfB-Fanprojekt kommen die Experten zu Wort – unter anderem der Schweizer FIFA-Referee Urs Meier, der ein Finale der Championsleague und ein WM-Halbfinale leitete und Alex Feuerherdt von Deutschlands führendem Schiedsrichter-Podcast Collinas Erben. 

Alte Weisheit: Wenn die Schiedsrichter im Mittelpunkt stehen, läuft etwas schief beim Kicken. Inzwischen gilt das auf mehreren Ebenen. Im Profi-Bereich drehen sich die Diskussionen um die Videotechnik. Der Video Assistent Referee sorgt nicht immer für die gewünschte Eindeutigkeit. Vielmehr stellt die Technik die Spielregeln auf den Prüfstand. Bei Abseits wird über kalibrierte Linien gestritten, beim Handspiel über natürliche Körperhaltung. Erleichtert die Technologie den Schiedsrichtern ihren Job – oder bringt sie das Publikum unnötig auf die Palme? Das Lamento auf den Tribünen wird jedenfalls immer lauter. 

Auch im Amateurbereich wird die Lage prekär. Der Anstand geht zusehends verloren. Ob die Gewalt gegen Schiedsrichter wirklich zunimmt, ist schwer messbar. Fest steht: Brutale Aktionen gegen die Unparteiischen machen in sozialen Medien die Runde. Kaum verwunderlich, dass ein Nachwuchsproblem immer offenkundiger wird. In anderen Städten wurden Spieltage abgesetzt, weil man keine Referees auftreiben konnte. Apropos: Wie steht es eigentlich um Schiedsrichterinnen?

Ganz allgemein wird beklagt, dass der Anstand auf dem Fußballplatz schwindet. Jugendtrainern predigen dem Nachwuchs dem Schiedsrichter zu respektieren. Wenn die Jungen ein Bundesligaspiel anschauen, ist jede Achtung wieder verschwunden. Auch der Vergleich mit anderen Sportarten ist interessant. Die Frage bleibt: Läuft im Fußball etwas in die völlig verkehrte Richtung? Oder steht er nur ohnmächtig den Problem gegenüber, die in der Gesellschaft im Argen liegen? 

Die hochkarätig besetzte Runde im VfB-Fanprojekt wird all diese Themen besprechen. Aus der Schweiz kommt Ex-FIFA-Schiedsrichter Urs Meier, der als ZDF-Experte längst bundesweit bekannt ist. Vom Deutschlands führendem Schiedsrichter-Podcast „Collinas Erben“ ist Alex Feuerherdt zu Gast. Die  württembergische Perspektive wird von wfv-Schiedsrichter Marc List ergänzt.

Fußballautor Bernd Sautter moderiert. Der FC PlayFair! unterstützt die Veranstaltung.

Podiumsdiskussion im VfB-Fanprojekt

Schiri, wir wissen wo Dein Auto steht. 

VfB-Fanprojekt, Hauptstätter Str. 41, Stuttgart

23. Januar 2020, 19.30 Uhr.

Wenn Fußball und Musik Tikitaka spielen. Pascal Claude an den Turntables. Ein betörnender Abend mit The Ramblers, Borodjuk und Gerald Wrede sowie Lenni, König und den Wattenscheider Jungs. 

In Deutschland leben 40 Millionen Bundestrainer. In ESC- oder The-Voice-Zeiten sind es eben so viele Millionen, die mit absolutem Gehör und totalem Musiksachverstand durcheinander fachsimplen. Der Verdacht, dass es sich um ein und dieselben Personen handelt, drängt sich auf. In den Fachgesprächen stolpern die Tonarten durcheinander. Eine Kackophonie des heiligen musikalischen Ernstes. Alle wissen es besser. Keiner kann es wirklich. Weder Ball stoppen noch Ton halten. Die gute Botschaft dabei: Minus und minus gibt plus. Unterm Strich entsteht: das Fußballlied in seiner ganzen Pracht. Als Vereinshymne, als Kickerlied, als Turniersong. In jeder Form ein kultureller Hochgenuss.

Kulturelle Konzentration

Singende Beine hat Pascal Claude sein Programm genannt, in dem er all dieses vorführt. Der Schweizer besitzt ungefähr 1.200 Fußballsingles. Er sammelt sie. Nur Singles, keine LPs, keine CDs, kein anderes modernes Format. Nur Singles mit Knisterspaß und bunten Papiercovern. Sammeln verlangt Konzentration. Der Meister seines Fachs steht an den Turntables. Wir lauschen ihm – und freuen uns über jede Scheibe, die er auflegt und ebenso kenntnisreich wie humorvoll würdigt. Der Kenner weiß: Oft sind auf der B-Seite die besten Dinger versteckt. Er lobt was man kennen sollte – und warnt vor den Werken, vor denen man sich fürchten muss.

Claude serviert Fußball und Musik wie Tiki und Taka. Lässig, mit Ironie vorgetragen und stets zum fatalen Fehlpass bereit. Er lässt Beine singen und Stars erklingen. Juste Fontaine, Paolo Rossi und Jimi Hartwig. Ich ergattere mir Claudes Buch Football Disco, in dem er nicht bestreitet, dass seine Sammelleidenschaft von Sozialpsychologen kritisch gesehen wird. Eitelkeit, Narzissmus und Machtdemonstration kann den Sammlern unterstellt werden. Auch vom vergeblichen Versuch, die Zeit anzuhalten, wird gesprochen. Claude reagiert auf diese Unterstellungen wie ein Fallrückzieher von Cristiano Ronaldo. Er stellt die Singles ins Netz. Für jeden zu hören. Für alle zugänglich. Das nimmt den egoistischen Charakter, sagt er. Open Source. Man muss es lieben.

Bloß nicht überheblich werden

Im Jahr 1964 hat es beim legendären Schlagerfestival in San Remo einen Sonder-Contest für Fußballlieder gegeben. „Una canzone per la vostra squadra“. Das Internet weiß wenig. Pascal Claude viel. Er bekennt selbst: „Die Überheblichkeit gegenüber dem Genre der Fußballschallplatte ist im Laufe der Jahre einem echten Interesse und der Bewunderung für die Vielfalt gewichen. Aber vielleicht, so merkt er selbstkritisch an, handelt es sich bei seiner Sichtweise um eine deformation professionell.

Bedauerlicherweise tourt Pascal mit seinem Programm nicht im klassischen Sinne. Job und Familie lassen es nicht zu. Wer an der Fußballkultur interessiert ist, dem bleibt: Pascal Claude abspeichern – und auf einen seltenen Zufall hoffen. Ja, man kann sich an der Open Source auf www.45football.com bedienen. Das komplette Universum des Pascal Claude eröffnet sich aber nur, wenn der MCFußballlied an den Turntables steht. Sein Prinzip: Er spielt die Titel nur an, bis der Refrain kommt. Als er seine Vorgehensweise am Beginn des Sets ankündigt, stellt sich Erleichterung ein. Im Laufe des Abends findet man die Kürze jedoch zunehmend bedauerlich. Ich habe inzwischen einige Songs auf der Plattform zehnmal gehört. In Verneigung vor dem großen Sammler mit dem absoluten Gefühl für den Ball und Ton: Pascal Claude!

Wer’s nicht glaubt: Hier einige vollkommen geschmackssichere Anspieltipps  mit meinem unfehlbaren ESC-Voice-Fußballsachverstand und mit Hilfe von Pascal Claude.

Meine persönlichen Super 3:

– The Ramblers, El Rock de Mundial, Offizielles Lied zur WM 62 in Chile, das erste offizielle WM-Lied überhaupt. Nie wurde ein besseres aufgenommen -> www.45football.com -> Football Themes -> World Cup 62

– Peter Behrens (Drummer von Trio), Das Tor. „Ja, wenn ein Tor fällt, ja, wenn ein Tor fällt, dann bau’n wir’s wieder auf“
-> www.45football.com -> Year 1988 -> nach „Das Tor“ suchen

– Lucio Guzzo, Forza Palermo, wunderbarer Song auf dem Höhepunkt des italienischen Sixtiesflows -> www.45football.com -> Clubs and National Teams -> US Palermo


Meine persönlichen Superdry:

– Master, Son tutti figli di Bearzot, Coverversion von Trio’s Da Da Da -> www.45football.com -> 1982 -> Cover mit Da Da Da

– Milton Fisher, Borodjuk, Decubitus, Gerald Wrede, „Ich glaube an den SVD“, totale Einheit vom musikalischer Form und inhaltlicher Botschaft
-> www.45football.com -> SV Darmstadt 98

– Lenni, König und die Wattenscheider Jungs, Weil Wattenscheid weiter lebt -> www.45football.com -> Clubs and National Teams -> SG Wattenscheid 09

Jetzt sind es nur noch zwei. Der Vereinsbeirat des VfB schlägt Claus Vogt und Chrsitian Riethmüller als Präsidentschaftskandidaten vor. Längst bevor die Wahl durch die Mitglieder fällt, stehen Gewinner und Verlierer bereits fest.

Es ist ein Richtungswechsel, wie er radikaler nicht sein kann. Völlig gleich, wer es wird – Claus Vogt oder Christian Riethmüller – beide stehen für einen maximalen Gegenentwurf zum vormaligen Präsidenten, der wegen mangelnder Sozialkompetenz förmlich aus dem Amt gebrüllt wurde. Es ist offensichtlich: Der Vereinsbeirat, der kraft Satzung die schwierige Aufgabe hatte, in einer Art Expertenkommission vorzuwählen, hatte offenbar genug von präsidialen Herrschergehabe, das cholerische Anfälle als Mittel der Machtausübung durchaus vorsieht. Dabei darf erwähnt werden, dass es der Beirat nicht leicht hatte. Nachdem die Öffentlichkeit entdeckte, wer dieses Gremium überhaupt sein soll, schoss der Vetterleswirtschaftsverdacht an jeder undichten Stelle durch die nichtasphaltierten Stellen des Cannstatter Wasens. Der Porth! Der Jenner! Der Schlensog! Hinter jeder Kandidatin und jedem Kandidaten wurden die einschlägig bekannten Liasons Dangereuses vermutet. Mit Recht übrigens, schließlich hat derlei Geklüngel eine Tradition, die länger ist als der Brustring. Und der ist bekanntlich so kreisrund, dass er nie aufhört.

In dieser Hinsicht versagte der Vereinsbeirat aufs Erfreulichste. Die Damen und Herren waren vor ihrer eigenen Wahl damals durch eine intensive Prüfung gejagt worden, die man als VfB-Treueprüfung verstehen konnte, aber auch deutliche Teile von Wolle-Dietrich-Treue als Prüfgegenstand enthielt. Mit der Wahl der beiden Kandidaten hat der Beirat erstmal jeden Verdacht der freundlichen Fremdsteuerung entkräftet. Vogt und Riethmüller haben mehrere Gemeinsamkeiten. Die vielleicht hervorstehende Übereinstimmung: Es handelt sich bei den Beiden um Persönlichkeiten, die den Verdacht der Beeinflussbarkeit nicht zerstreuen müssen, weil er gar nicht erst aufkommt. Die Chefs des Buchhändlers Osiander und des Facility-Management-Unternehmens Intesia kommen aus einer ganz anderen Ecke als diejenigen, die bisher – mehr hintenrum als vornerum – die Geschicke des Vereins und seiner AG leiten wollten. Vogt und Riethmüller setzten bei Ihrer Kandidatur voll auf Mitbestimmung, Gemeinsamkeiten und gesellschaftliche Verantwortung. Bemerkenswert ist dabei, dass ihre ersten Statements jetzt schon glaubwürdiger ihr Anliegen verkörpern als jeder Satz, den ihr lispelnder Vorgängergreis vom Papier abgestottert hatte.

Die Gewinner stehen damit längst fest: Ganz egal, wie turbulent es bei der nächsten Versammlung zugehen wird. Gewinner 1: Thomas Hitzlsperger. Der grundsympathische Turbokarrierist muss zwar seine Vorschusslorbeeren noch rechtfertigen, aber er kann sich sicher sein, dass er von Vereinsseite einen kooperativen Partner an die Seite gestellt bekommt. Schließlich gehört dem Verein die ganze AG-Chose hochprozentigerweise. Gewinner 2: Der Vereinsbeirat. Das Gremium hat seine Eigenständigkeit bewiesen und hat alles getan, um den Fehler wieder wett zu machen, den sich noch im Sommer begangen hatten, als es in einer Art Zeitspiel versuchte, den greisen Choleriker seines Amtes noch fertig walten zu lassen. Gewinner 3: Die Mitglieder. Sie können es sich nun sparen, nach Verstrickungen zu fahnden. Beide Kandidaten haben ein ähnliches Profil. Es wird eine schwere Wahl. Allerdings scheint der Präsident des FC PlayFair!, ein Verein, der sich für Integrität im Profifußball einsetzt (dem der Autor angehört) im Vorteil zu sein. Allerdings werden beide Kandidaten wissen: Diesen VfB-Mitgliedern wird man nichts mehr versprechen können – oder erst dann, wenn die Glaubwürdigkeit wieder hergestellt ist. Und das geht nicht durch Worte, sondern einzig durch Taten.

Und das Sportliche? Banale Antwort: Es wird, wie es wird. Der Verein ist dafür nicht mehr direkt zuständig. Das sportliche Schicksal haben die Mitglieder in die Hände der ausgegliederten AG dirigiert. Ob es dort besser aufgehoben ist, wird sich erweisen müssen. Für die Präsidentschaftskandidaten galt jedenfalls: Die Erfahrungen der WM 90 und das Meistertor von Leverkusen ’92 konnten leider nicht als Kriterium gewertet werden. Und das war auch: Gut so!

Wie es so ist, wenn es nicht unentschieden ausgehen kann, finden wir beim ganzen Kandidatenprozedere auch zwei Verlierer. Bemerkenswerterweise hatten sich beide noch letztes Jahr etwas in der „Wolle“. Verlierer Nummer 1: Ein gewisser Herr Porth. Noch vor einigen Monaten hatte er in grober Missachtung jeder Daimler Compliance versucht, zu retten, was nicht mehr zu retten war. Ein Daimler-internes Mail gab VfB-Mitgliedern, die unter dem guten Stern arbeiten eine eindeutige Wahlempfehlung. Vielleicht hat Porth inzwischen eingesehen, dass er sich besser gründlich um die automobile Zukunft kümmern sollte als um die fußballerische. Bei diesem Unterfangen kann man ihm nur Glück wünschen – und die dazu notwendige Aufrichtigkeit.

Als Loser Nummer zwei gilt man ein Mann, der in einem unauffälligen Büro in Ludwigsburg sein Tagwerk verrichtet: Roland Eitel. Der Spin Doctor aus dem Untergrund des deutschen Fußballschaffens hatte erst seinen Kunden Jürgen Klinsmann in Stellung gebracht und dann seinen Kunden Guido Buchwald. Als er sah, dass man mit Klinsmann nicht landen konnte, geschah ein öffentlichkeitswirksamer Rückzug. Es war wie beim Skat, wenn man den Kreuzbuben opfert, weil man listigere Pläne verfolgt. Was auch immer der Plan war: Er scheiterte krachend. Spätestens als Freund Berthold von kruden Plänen mit einem Filderstadion träumte, musste allen klar gewesen sein, dass sich die große Zeit des Spin Doctors dem Ende entgegen neigt.

Der Vereinsbeirat als Gremium hat nun seine große Probe bestanden. Mit der Wahl der beiden Kandidaten beweist er eindrucksvoll: Er ist mehr als ein Rat der alten, weisen Männer. Die Wahl Mitte Dezember darf mit Spannung erwartet werden. In ersten Spontanumfragen, die im Netz kursieren, liegt Vogt vor Riethmüller. Ob die Wahl gut und erfolgreich verlaufen wird, ob also der VfB einen neuen Präsidenten bekommt, liegt allerdings nicht an den Mitgliedern und nicht an den Kandidaten. Es ist einzig die Frage, ob das W-LAN funktioniert.

Wer sich aus erster Hand informieren möchte, dem sei diese Veranstaltung vorgeschlagen (unter meiner bescheidenen Mitwirkung)

Kommet zuhauf ins SSC Vereinsheim

Wer den Baden-Württembergischen Fußball und die Tradition, in der dieser Verein mit dem Brustring steht, unter die Lupe nehmen möchte: bitte gerne. (Kann man auch bei Osiander käuflich erwerben)

Endlich! Die Ausstellung „fan.tastic females“ rückt die Frauen unter den Fußballfans ins Licht. Die Ausstellung mit beeindruckenden Dokumenten und spannenden Geschichten kommt jetzt nach Stuttgart. Zu sehen zwischen 6.4. und 18.4. im VfB-Fanprojekt Stuttgart, Hauptstätter Str. 41. Die Podiumsdiskussion mit der Co-Ausstellungsmacherin Antje Grabenhorst findet am 8.4. statt.

Wieder eine spannende Veranstaltung im Fanprojekt, für die ich mich gerne einsetze. Freue mich vor allem auf die Podiumsdiskussion, am Montag 8. April 2018. Hier einige Infos über die Hintergründe von Ausstellung und Diskussionsabend.

Mehr als ein Viertel der Stadionbesucher in Deutschland sind weiblich. In einer Studie geben mehr als die Hälfte aller Frauen zwischen 16 und 69 Jahren an, dass sie an Fußball interessiert sind. Das sind 18 Millionen weibliche Fußballfans. Die Liebe zum Fußballspiel hat längst eine deutlich weibliche Dimension. Doch in der allgemeinen Wahrnehmung kommen die Frauen in den Fanszenen kaum vor. Dagegen ist das Bullshit-Bingo von Frauen und Fußball kaum auszurotten. Ausgehend von der Frage, was wohl bitteschön abseits sei, wird den weiblichen Fans aller Orten Kompetenz und Hingabe abgesprochen. Die Männergesellschaft dominiert. Manchmal ist es krasse Diskriminierung und schlimmer Sexismus.

Weil bereits das abgestandene Frauenklischee gehörig auf die Nerven geht, konzentriert sich die Ausstellung „fan.tastic females – football her.story“ komplett auf das weibliche Gesicht des Fußballs. Dabei geht es keineswegs um plumpe Abgrenzung oder den erhobenen Zeigefinger. Es geht vor allem um wundervolle Geschichten und ihre ausschließlich weiblichen Hauptdarstellerinnen, die möglicherweise bekannter wären, wenn es sich um Männer gehandelt hätte. Die Ausstellungsmacherinnen des Netzwerks Football Supporters Europe haben ihre Storys in sechs verschiedene Kategorien eingeteilt: weibliche Fans wie du und ich, weibliche Ultras, Frauen in Führungspositionen, Ikonen der Fankultur, weibliche Fan-Netzwerke und weibliche Fangruppen. 

Von der Sektion Menstruation aus Österreich über die slowakischen Gangster Girls bis zu einer weiblichen Hooligan Gruppe inszeniert die Ausstellung die gesamte Bandbreite. Dass die Liebe zum Spiel auch unter gesellschaftlich schwierigen Bedingungen glüht, bestätigen weibliche Fans von Besiktas und Hapoel Katamon Jerusalem. Auch die Geschichten werden erzählt, die fast zu schön sind, um wahr zu sein: zum Beispiel von der schottischen Dauerbesucherin, Jahrgang 1924, die seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts fest zu ihrem Verein hält. Die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Antje Grabenhorst konzipierte die Ausstellung mit. Grabenhorst beschreibt den großen gemeinsamen Nenner aller Hauptdarstellerinnen: „Sie alle verbindet, dass sie das Fußballstadion als ihr Zuhause sehen.“

Weil „fan.tastic females“ alles andere als eine trockene Ausstellung ist, sollten die Gäste auf einen vollen Akku ihres Smartphones achten. Auf den Tafeln sind QR-Codes aufgebracht. Wer sie scannt, erlebt die fantastischen Geschichten in kurzen Filmen. Die Ausstellung war bereits an einigen Bundesligastandorten zu Gast. Die Fanbetreuung des VfB Stuttgart und das VfB-Fanprojekt haben in einer Gemeinschaftsaktion fan.tastic females nach Stuttgart geholt. Eröffnet wird die Ausstellung zum VfB-Heimspiel gegen Nürnberg am Samstag, den 6. April. Der Raum des VfB-Fanprojektes in der Hauptstätter Straße 41 steht rund um die beiden Spieltage gegen Nürnberg und Leverkusen offen – sowie an Werktagen von 15 bis 20 Uhr. Die Ausstellung in Stuttgart, die am 18. April weiterzieht, wird unterstützt von der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik Baden-Württemberg.

Am Montag den 8. April laden die Veranstalter zu einer Podiumsdiskussion ins VfB-Fanprojekt ein. Mit von der Partie sind die Co-Ausstellungsmacherin Antje Grabenhorst, die Vorsitzende des Landtagsausschusses für Kultus, Jugend und Sport Brigitte Lösch, die schon seit Jahren eine Dauerkarte beim VfB Stuttgart hat. Außerdem auf dem Podium: die Fanbeauftragte des VfB Stuttgart Antje Büscher-Tittes und Britta Kotzuschkewitz vom VfB-Fanclub Chaoszwerge. Die Podiumsdiskussion wird moderiert von Swantje Dake, der Chefredakteurin Digital der Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten. Los geht’s um 19.30 Uhr.

fan.tastic females
im VfB-Fanprojekt
Hauptstätter Str. 41

Ausstellung
6. April bis 18. April
Mo. – Fr.  15 bis 20 Uhr
und rund um die VfB-Heimspiele

Podiumsdiskussion
Montag, 8. April, 19.30 Uhr

Danke für’s Foto an fan.tastic females /Ariane Gramelspacher


Oder noch mehr? Beim Traditionsabend im VfB-Fanprojekt hat sich schnell herausgestellt, welch großes und unübersichtliches Thema wir besprechen. Doch gerade dort, wo objektive Meinungen kaum zu formulieren sind, kann ein Meinungsaustausch spannend werden. Auf dem Podium diskutierten: Hardy Grüne (Fußballhistoriker, von der FAZ als „Gedächtnis des deutschen Fußballs“ geadelt), Prof. Dr. André Bühler (Direktor des Deutschen Instituts für Sportmarketing) und Martin Harsch (Brustring-Talk). Inklusive Publikum waren mehr deutlich mehr als 50 Perspektiven auf die Tradition vorhanden.

Auf den Brustring-Talk von Martin Harsch verlinke ich an dieser Stelle gerne. Dort kann man die gesamte Veranstaltung nachhören.

https://www.brustringtalk.de/bt061-traditionsabend-im-vfb-fanprojekt-mit-hardy-gruene/

Einige Statements, quer durch die verschiedenen Epochen und Aspekte unserer Diskussion:

Martin Harsch: „Für uns Fans ist die Tradition ein ganz ganz wichtiges Thema. Mit der Tradition können wir uns abheben. Uns gibt’s länger. Wir haben schon in den Fünfzigern und Sechzigern Erfolg gehabt. Natürlich hab ich das nicht selbst erlebt. Bis mir mein Papa mal erklärt hat, wer dieser Schlienz war. „

Hardy Grüne: „Was ist eigentlich Tradition? Beim VfB ist das unbestritten. 1893 die Wurzeln, seither eine stringente Linie, da kann man definitiv von einem Traditionsverein sprechen. Es wurde Leverkusen erwähnt, es wurde Wolfsburg erwähnt. Leverkusen ist 1904 gegründet, vor der Stadt Leverkusen, seither eine stringente Linie im Fußball. Kein Traditionsverein, nur weil Bayer dazu steht, finde ich schwierig. Wolfsburg. Die Stadt Wolfsburg ist 1945 gegründet. Der VfL Wolfsburg ist 1945 gegründet. Der konnte gar nicht früher gegründet werden. Der VfL hat in den fünfziger Jahren in der Oberliga Nord gespielt, hat den HSV geschlagen. Keine Tradition? Find ich schwierig. Die Definition der Tradition ist schwer und immer eine Frage der Perspektive.“

Hardy Grüne: „Ich finde es sehr spannend zu sehen, dass Tradition auch beweglich ist. Wo wir gerade beim VfB Wappen sind… offensichtlich fängt sie beim Wappen nicht bei 1893 an, dann wären wir nämlich beim Kronenklub oder dem Stuttgarter FV, sondern wir sind bei der Zeit, so 1949, bei dem Wappen, das eingeführt wurde und jetzt wieder verwendet wird. Der Begriff Tradition ist also offenbar etwas flexibel. Viele verbinden das meistens mit einer Zeit, in der sie groß geworden sind.“

André Bühler: „Tradition hängt viel mit Geschichten zusammen, die man erlebt hat. Meine VfB Tradition besteht aus Jürgen Klinsmann, Fallrückzieher, 7:0 gegen Dortmund mit zwei Allgöwer-Toren, die Meisterschaften 92 und 2007, das sind Geschichten. Natürlich kann RB Leipzig diese Geschichten jetzt noch nicht erzählen, aber wenn es die in 40 Jahren noch geben sollte, dann haben sie die gleichen Geschichten wie der VfB jetzt.“

André Bühler: „Meine Familie regt sich traditionellerweise seit 40 Jahren über den VfB auf. Das ist auch eine Form der Tradition.“

Hardy Grüne: Wir reden ja gar nicht über Tradition, wir reden über Kommerz. Und Kommerz ist etwas, das immer zum Fußball gehört hat. Da sind wir wieder bei dem Ding Früher-war-alles-besser. Aber in den Zwanziger Jahren haben sie auch überall gemeckert, weil vieles zu kommerziell geworden ist.“

André Bühler: Was mich an dem Konstrukt Leipzig aufregt: Red Bull ist ein Marketingkonzern, die zufälligerweise auch Energydrinks herstellen. Aber sie erzählen die Geschichte, sie wollen diesen Bundesligastandort Leipzig aufblühen lassen. Absolut gar nicht! Null! Die wollen auch gar nicht erfolgreich Fußball spielen lassen. Die wollen ihre Getränkedosen verkaufen. Das ist das Narrativ und das stört mich, dass sie das nicht offen zugeben.“

Martin Harsch: „Mein Vater ist ein überzeugter Schwabe. In Fellbach aufgewachsen. Ich hatte recht früh eine Flagge vom Königreich Württemberg, auf der „Furchtlos und treu“ stand. Deswegen ist für mich das „Furchtlos und treu“ nicht negativ belegt. Es kam ja auch bei der Gründung zu dieser Verbindung zwischen Königreich und Volk. Wir gemeinsam, furchtlos und treu.“

Teaser: Nächste Veranstaltung. fan.tastic females. Ausstellung und Diskussion über Frauen in Fanszenen. Diskussion am Montagabend, 8. April 2019. Herzlich willkommen!


Selten erscheint die Tradition so aktuell wie in diesen Tagen. Der VfB Stuttgart steckt in der Krise – und es ist weit mehr als eine Ergebniskrise. Fußballhistoriker Hardy Grüne, Sportmarketing-Experte Prof. André Bühler und VfB-Podcaster Martin Harsch diskutieren über Geschichte und Werte – und darüber, wie sich ein großer Verein verhalten sollte. Was steckt eigentlich im Brustring?

Der VfB Stuttgart steckt in einer sportlichen Krise, die sich rasant zu einer Führungskrise entwickelt. Nicht nur über sportliche Belange wird gestritten. Auch über Stil, Strukturen und gesellschaftliche Verantwortung wird heiß diskutiert. Vor diesem Hintergrund fragen sich Fans, wofür der VfB eigentlich steht – eine Frage, die immer dann aufkommt, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt.

Der Verein selbst sieht sich traditionell als fußballerische Vertretung für Württemberg. Stets wird der Brustring plakativ nach vorne gestellt. Doch die Frage nach der Tradition kennt nicht nur grafische und geografische Antworten. Gesucht sind Werte, die der Verein lebt. Mit Michael Reschke und seiner plakativen Haltung zum Thema Wahrheit wollen sich viele nicht identifizieren. Was bleibt also übrig, wenn der sportliche Erfolg mangels Leistung ausfällt? Wie nimmt der Verein seine gesellschaftliche Verantwortung neben dem Spielfeld wahr? Was steckt eigentlich im Brustring? Um die Fragen rund um Fußballtradition im Allgemeinen und die Tradition im Besonderen zu diskutieren, treffen sich im Stuttgarter VfB-Fanprojekt Experten aus verschiedenen Fachgebieten.

Hardy Grüne

Hardy Grüne, der vielleicht prominenteste Fußballhistoriker Deutschlands, hat nicht nur den VfB im Blick. Als Herausgeber der Zeitschrift Zeitspiel setzt er sich damit auseinander, in wie weit traditionelle Werte im modernen Fußball überleben. Hardy Grüne reist zu Fußballspielen in aller Welt und stöbert in den Archiven um die Geschichte des Spieles festzuhalten.

 

 

Prof. André BühlerProf. Dr. André Bühler vertritt die Perspektive des Marketingexperten. Als Direktor des deutschen Instituts für Sportmarketing beschäftigt er sich mit der Art und Weise, mit der Tradition im täglichen Sportbusiness greifbar wird. Er ist der Überzeugung, dass die Glaubwürdigkeit einer Sportorganisation das höchste Gut in der Vermarktung sei.

 

 

Schließlich wird Martin Harsch, Agenturinhaber und engagierter VfB-Blogger und Podcaster im Fanprojekt zu Gast sein. Harsch begleitet den VfB Stuttgart seit vielen Jahren kritisch. Unter seinem Pseudonym @twofourwo ist Harsch einer der wichtigsten Influencer im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart. Die Runde wird moderiert von Bernd Sautter.

Herzlich willkommen im 
Fanprojekt Stuttgart
Hauptstätter Str. 41
Dienstag, 12. Februar

Open: 19.30 Uhr,
Podiumsdiskussion ab 20.30 Uhr

Das VfB-Fanprojekt bedankt sich herzlich für die Unterstützung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.

 

 

Kann man an das Gute im Fußball noch glauben, wenn man Michael Wulzinger zugehört hatte? Es fällt schwer, aber höchst faszinierend war die Lesung dennoch.

Lassen wir die Kirche im Dorf. Es ist nur Fußball, also ein Spiel. Man muss sich das vergegenwärtigen, angesichts der haarsträubenden Geschichten, die Michael Wulzinger am Nikolausabend im Fanprojekt erzählte. Wulzinger arbeitet seit fast zweieinhalb Jahren für den Spiegel am Projekt Football Leaks. Sein Kollege Raphael Buschmann ist die einzige Person, die mit dem Informanten mit den Decknamen John Kontakt hält. John stellt den Redakteuren mehrere Terrabyte hochgeheimer Daten aus den Insiderkreisen zur Verfügung – von tausendseitigen Verträgen bis zu kurzen E-Mails. Vieles, was im großen Fußball gerade schief läuft, geht aus den Dokumenten hervor. Wie FIFA-Präsident Infantino die eigene Ethik-Kommission austrickst, wie der FC Bayern eine Superleague plant, wie Dopingkontrollen vertuscht werden, wie Verbandskorruption gehandhabt wird… alles festgehalten in Dokumenten, die man vor Gericht nicht verwenden könnte. Und doch: In zweieinhalb Jahren Football Leaks ist noch niemand aufgetaucht, der die Echtheit des Material bezweifeln würde.

Wulzingers Schilderungen sind mitreissend. Er trägt die Geschichte, die erklärt wie Raphael Buschmann den mysteriösen John kennen lernt, und eine Kooperation zu beiderseitigem Vorteil beginnt. John ist zwar im Besitz von heißem Material, aber er möchte nicht enden wie Julian Assange. Daher vertraut er die Daten dem Spiegel an, der sich längst mit einem europäischen Netzwerk zusammengetan hat, um die Dokument auszuwerten und journalistisch aufzubereiten. Sein ursprüngliches Blog mit Namen Football Leaks nimmt er vom Netz. Das war eine von Bedingungen von Seiten der Journalisten.

Das Fanprojekt in Stuttgart ist voll. Michael Wulzinger beantwortet jede Frage ausführlich. Und mit jeder Frage kramt er eine weitere schockierende Nachricht aus dem Gedächtnis. Wulzinger hat die letzten zweieinhalb Jahre an den Leaks gearbeitet. Fulltime. Bei der letzten Frage aus dem Publikum berichtet er aus dem Vertragswerk, das der ehemalige Hoffenheimer Stürmer Firmino in Liverpool unterschrieben hatte. Pro Treffer würde Firmino 25.000 Euro aufs private Konto erhalten. Einen ähnlichen Betrag würde Verteidiger Virgil Van Dyke einstreichen – falls die Reds ein Spiel zu Null beenden. Nach zwei Stunden entlässt das Publikum den Leiter der investigativen Abteilung des Spiegel. Etwas desillusioniert zwar, dennoch bereichert und in der Hoffnung, dass eine qualifizierte und schonungsloses Veröffentlichung wenigstens manches zum Guten verändern möge. So viel Fußballromantik darf auch angesichts der schockierenden Leaks erlaubt sein. 



Lang ist’s her, da fanden in Herrenberg noch Fußballländerspiele statt. Tatsächlich: echte Länderspiele, in Herrenberg, im Fußball.  Zweimal Deutschland gegen Holland. Einmal Deutschland gegen Österreich. Wirklich, kein Witz. Das ist nur schon arg lange her. Aber diese Begegnungen sind heute noch extrem bemerkenswert. Sie stehen als Sinnbild dafür, dass sich Kommerz und gesellschaftlicher Fortschritt nicht ausschließen. Muss man deshalb ein Plädoyer für Kommerz im Sport halten? Sicher nicht. Aber ich will nicht zu viel verraten, von dem, was ich in Herrenberg erzählen will. Nicht an dieser Stelle. Pointe vorwegnehmen gehört sich nicht.

„Schneller, höher, kommerzieller – Wird der wahre Sport langsam zur Ware Sport?“ Darüber darf ich sprechen beim SportTalk 24 der Sportregion Stuttgart. Nach meinen einleitenden Worten werden sich Thomas Sprißler (OB Herrenberg), Matthias Schöck (Präsident wfv), Hans Artschwager (DHB Vize) und Claus Vogt (Präsi FC PlayFair!) die Köpfe heiß reden, wieviel Kommerz im Sport noch gut tut – und wann es einfach zu viel wird. Ich freue mich darauf, die Runde in Schwung zu bringen.

Habe die Ehre:
SportTalk24
8. November 2018, 19,oo Uhr
Mensa im Markweg-Schulzentrum     Schießtäle 33    71083 Herrenberg

 

 

 

 

Michael Wulzinger und Rafael Buschmann sind die treibenden Kräfte hinter den Football Leaks. Wer durch dieses Datenleck schaut, entdeckt die dunkle Seite des Profigeschäfts. Der Whistleblower John hat dem Magazin Spiegel 18,6 Mio Dokumente übergeben, Verträge, Vereinbarungen und Absprachen, die zeigen, dass für die Akteure im Fußball, Moral und Gesetz kaum gelten. Im Buch Football Leaks haben Buschmann und Wulzinger die Fakten gesammelt. Daraus ergeben sich spannende Fragen, unter anderem:

  • Wie fräst man sich durch ein solchen Berg an Dokumenten?
  • Wie abenteuerlich ist es, das Leck zu erforschen? Gefährlich gar?
  • Wie geht’s dem Whistleblower heute?
  • Müssen wir endgültig unseren Glauben ans Gute im Profifußball begraben?

Diese und andere Fragen darf ich an Michael Wulzinger weiterreichen. Neben einigen spannenden Passagen aus seinem Buch erwartet uns eine spannende Diskussion. Und ganz eventuell… sprechen wir auch über eine weitere aktuelle Enthüllung des Football Leaks Teams.

Meine Empfehlung:

Football Leaks live mit Michael Wulzinger
6.12, 19.30 Uhr
Fanprojekt Stuttgart, Hauptstätter Str. 41,
neben Immer Beer Herzen

Wir sehen uns. Habe die Ehre.

Volle Hütte bei der Lesung der Wochenendrebellen im Fanprojekt Stuttgart.

Es gibt Regeln. Unglaublich viele Regeln, seltsame Regeln, belastende Regeln. Bei einer Lesung der Wochenendrebellen sind sie noch verhältnismäßig harmlos. Erstens: Das Publikum stimmt ab, welcher Text gelesen wird. Zweitens: Jason ist der Wahlleiter. Wenn er zu keinem vernünftigen Ergebnis kommt, annulliert er das Ergebnis und setzt Neuwahlen an. Drittens: In der Fragerunde muss eine Frage zum Thema „Nachtzüge“ gestellt werden. Jason findet Nachtzüge klasse.

Jason, geboren 2005, ist Autist und seit seinem sechsten Lebensjahr mit seinem Vater unterwegs in den Fußballstadien Deutschlands und des benachbarten Auslands. Sein Vater Mirco von Juterczenka war anfangs der Reiseleiter des Vater-Sohn-Groundhoppingteams. Längst kann er sich seiner Rolle als Reiseleiter nicht mehr sicher sein. Im Grunde hat Jason die Organisation übernommen. Ursprünglich sollte es nur darum gehen, dem Jungen einen Lieblings-Fußballverein zu suchen. Doch nach und nach bekommen ihre Touren eine tiefere Bedeutung. Was ursprünglich dem Sohn als Erlebnisarchiv und Gedächtnisstütze dienen sollte, entwickelt sich schnell zu einem Lebensprojekt: Die vielen peinlichen, lustigen, lehrreichen, ernüchternden, teils erschütternden und nachdenklich machenden Erlebnisse und Erkenntnisse finden online eine ungeahnte und stets wachsende Schar von Fans. Auch bei der Lesung im Stuttgarter Fanprojekt wurde dies deutlich. Die Hütte in der Hauptstätter Straße war proppenvoll.

So wie Jason kein normaler Sohn ist, war der Abend keine normale Lesung. Gut so. Die Besucher waren zu Gast bei den von Juterczenkas, deren männliche Teile am Podium munter miteinander diskutierten. Die Gäste im Fanprojekt nahmen Teil am alltäglichen Leben einer Familie, die es gewohnt ist mit einem Sohn zu leben, der Asperger-Autist ist. Hochintelligent selbstverständlich. In Quantenphysik und Chaostheorie allen anderen weit voraus. Dafür in einigen anderen Dingen des Leben etwas eigen. Zu den Symptomen des Asperger-Syndroms gehört unter anderem ein Unverständnis für zwischenmenschliche Gefühle und ausgeprägte Sonderinteressen. Jason will nur ungern berührt werden. Er mag Fußball und Nachtzüge. Und er besteht darauf, dass alles korrekt abläuft. Das gehört zu den Regeln. Darum unterbricht er seinen Vater ständig und stellt kleine Unsauberkeiten in den Formulierungen von Mirco sofort richtig.

Damit sorgen Jason und Mirco zwei Stunden für beste Unterhaltung. Lehrreich und amüsant zugleich. Und am Ende legen die Beiden ihr wichtigstes Anliegen so überzeugend dar, dass ein stolzer Betrag für die Neven-Subutic-Stiftung im Spendenkässchen landet. Denn auch das gehört zu den Regeln: Mit ihren Lesungen wollen die Wochenendrebellen kein Geld verdienen. Jason hat beschlossen, Brunnen für Afrika zu finanzieren. Inklusive sanitäre Anlagen. Mehr als 25.000 Euro benötigt er dafür. Auch darum wird ein Besuch von weiteren Lesungen der Wochenendrebellen ausdrücklich empfohlen. Weitere Infos unter www.wochenendrebellen.de

Nächste Lesung im Fanprojekt Stuttgart:
Michael Wulzinger, Co-Autor „Football Leaks – die schmutzigen Geschäfte im Fußball“, 6.12.2018