Endlich! Die Ausstellung „fan.tastic females“ rückt die Frauen unter den Fußballfans ins Licht. Die Ausstellung mit beeindruckenden Dokumenten und spannenden Geschichten kommt jetzt nach Stuttgart. Zu sehen zwischen 6.4. und 18.4. im VfB-Fanprojekt Stuttgart, Hauptstätter Str. 41. Die Podiumsdiskussion mit der Co-Ausstellungsmacherin Antje Grabenhorst findet am 8.4. statt.

Wieder eine spannende Veranstaltung im Fanprojekt, für die ich mich gerne einsetze. Freue mich vor allem auf die Podiumsdiskussion, am Montag 8. April 2018. Hier einige Infos über die Hintergründe von Ausstellung und Diskussionsabend.

Mehr als ein Viertel der Stadionbesucher in Deutschland sind weiblich. In einer Studie geben mehr als die Hälfte aller Frauen zwischen 16 und 69 Jahren an, dass sie an Fußball interessiert sind. Das sind 18 Millionen weibliche Fußballfans. Die Liebe zum Fußballspiel hat längst eine deutlich weibliche Dimension. Doch in der allgemeinen Wahrnehmung kommen die Frauen in den Fanszenen kaum vor. Dagegen ist das Bullshit-Bingo von Frauen und Fußball kaum auszurotten. Ausgehend von der Frage, was wohl bitteschön abseits sei, wird den weiblichen Fans aller Orten Kompetenz und Hingabe abgesprochen. Die Männergesellschaft dominiert. Manchmal ist es krasse Diskriminierung und schlimmer Sexismus.

Weil bereits das abgestandene Frauenklischee gehörig auf die Nerven geht, konzentriert sich die Ausstellung „fan.tastic females – football her.story“ komplett auf das weibliche Gesicht des Fußballs. Dabei geht es keineswegs um plumpe Abgrenzung oder den erhobenen Zeigefinger. Es geht vor allem um wundervolle Geschichten und ihre ausschließlich weiblichen Hauptdarstellerinnen, die möglicherweise bekannter wären, wenn es sich um Männer gehandelt hätte. Die Ausstellungsmacherinnen des Netzwerks Football Supporters Europe haben ihre Storys in sechs verschiedene Kategorien eingeteilt: weibliche Fans wie du und ich, weibliche Ultras, Frauen in Führungspositionen, Ikonen der Fankultur, weibliche Fan-Netzwerke und weibliche Fangruppen. 

Von der Sektion Menstruation aus Österreich über die slowakischen Gangster Girls bis zu einer weiblichen Hooligan Gruppe inszeniert die Ausstellung die gesamte Bandbreite. Dass die Liebe zum Spiel auch unter gesellschaftlich schwierigen Bedingungen glüht, bestätigen weibliche Fans von Besiktas und Hapoel Katamon Jerusalem. Auch die Geschichten werden erzählt, die fast zu schön sind, um wahr zu sein: zum Beispiel von der schottischen Dauerbesucherin, Jahrgang 1924, die seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts fest zu ihrem Verein hält. Die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Antje Grabenhorst konzipierte die Ausstellung mit. Grabenhorst beschreibt den großen gemeinsamen Nenner aller Hauptdarstellerinnen: „Sie alle verbindet, dass sie das Fußballstadion als ihr Zuhause sehen.“

Weil „fan.tastic females“ alles andere als eine trockene Ausstellung ist, sollten die Gäste auf einen vollen Akku ihres Smartphones achten. Auf den Tafeln sind QR-Codes aufgebracht. Wer sie scannt, erlebt die fantastischen Geschichten in kurzen Filmen. Die Ausstellung war bereits an einigen Bundesligastandorten zu Gast. Die Fanbetreuung des VfB Stuttgart und das VfB-Fanprojekt haben in einer Gemeinschaftsaktion fan.tastic females nach Stuttgart geholt. Eröffnet wird die Ausstellung zum VfB-Heimspiel gegen Nürnberg am Samstag, den 6. April. Der Raum des VfB-Fanprojektes in der Hauptstätter Straße 41 steht rund um die beiden Spieltage gegen Nürnberg und Leverkusen offen – sowie an Werktagen von 15 bis 20 Uhr. Die Ausstellung in Stuttgart, die am 18. April weiterzieht, wird unterstützt von der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik Baden-Württemberg.

Am Montag den 8. April laden die Veranstalter zu einer Podiumsdiskussion ins VfB-Fanprojekt ein. Mit von der Partie sind die Co-Ausstellungsmacherin Antje Grabenhorst, die Vorsitzende des Landtagsausschusses für Kultus, Jugend und Sport Brigitte Lösch, die schon seit Jahren eine Dauerkarte beim VfB Stuttgart hat. Außerdem auf dem Podium: die Fanbeauftragte des VfB Stuttgart Antje Büscher-Tittes und Britta Kotzuschkewitz vom VfB-Fanclub Chaoszwerge. Die Podiumsdiskussion wird moderiert von Swantje Dake, der Chefredakteurin Digital der Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten. Los geht’s um 19.30 Uhr.

fan.tastic females
im VfB-Fanprojekt
Hauptstätter Str. 41

Ausstellung
6. April bis 18. April
Mo. – Fr.  15 bis 20 Uhr
und rund um die VfB-Heimspiele

Podiumsdiskussion
Montag, 8. April, 19.30 Uhr

Danke für’s Foto an fan.tastic females /Ariane Gramelspacher


Oder noch mehr? Beim Traditionsabend im VfB-Fanprojekt hat sich schnell herausgestellt, welch großes und unübersichtliches Thema wir besprechen. Doch gerade dort, wo objektive Meinungen kaum zu formulieren sind, kann ein Meinungsaustausch spannend werden. Auf dem Podium diskutierten: Hardy Grüne (Fußballhistoriker, von der FAZ als „Gedächtnis des deutschen Fußballs“ geadelt), Prof. Dr. André Bühler (Direktor des Deutschen Instituts für Sportmarketing) und Martin Harsch (Brustring-Talk). Inklusive Publikum waren mehr deutlich mehr als 50 Perspektiven auf die Tradition vorhanden.

Auf den Brustring-Talk von Martin Harsch verlinke ich an dieser Stelle gerne. Dort kann man die gesamte Veranstaltung nachhören.

https://www.brustringtalk.de/bt061-traditionsabend-im-vfb-fanprojekt-mit-hardy-gruene/

Einige Statements, quer durch die verschiedenen Epochen und Aspekte unserer Diskussion:

Martin Harsch: „Für uns Fans ist die Tradition ein ganz ganz wichtiges Thema. Mit der Tradition können wir uns abheben. Uns gibt’s länger. Wir haben schon in den Fünfzigern und Sechzigern Erfolg gehabt. Natürlich hab ich das nicht selbst erlebt. Bis mir mein Papa mal erklärt hat, wer dieser Schlienz war. „

Hardy Grüne: „Was ist eigentlich Tradition? Beim VfB ist das unbestritten. 1893 die Wurzeln, seither eine stringente Linie, da kann man definitiv von einem Traditionsverein sprechen. Es wurde Leverkusen erwähnt, es wurde Wolfsburg erwähnt. Leverkusen ist 1904 gegründet, vor der Stadt Leverkusen, seither eine stringente Linie im Fußball. Kein Traditionsverein, nur weil Bayer dazu steht, finde ich schwierig. Wolfsburg. Die Stadt Wolfsburg ist 1945 gegründet. Der VfL Wolfsburg ist 1945 gegründet. Der konnte gar nicht früher gegründet werden. Der VfL hat in den fünfziger Jahren in der Oberliga Nord gespielt, hat den HSV geschlagen. Keine Tradition? Find ich schwierig. Die Definition der Tradition ist schwer und immer eine Frage der Perspektive.“

Hardy Grüne: „Ich finde es sehr spannend zu sehen, dass Tradition auch beweglich ist. Wo wir gerade beim VfB Wappen sind… offensichtlich fängt sie beim Wappen nicht bei 1893 an, dann wären wir nämlich beim Kronenklub oder dem Stuttgarter FV, sondern wir sind bei der Zeit, so 1949, bei dem Wappen, das eingeführt wurde und jetzt wieder verwendet wird. Der Begriff Tradition ist also offenbar etwas flexibel. Viele verbinden das meistens mit einer Zeit, in der sie groß geworden sind.“

André Bühler: „Tradition hängt viel mit Geschichten zusammen, die man erlebt hat. Meine VfB Tradition besteht aus Jürgen Klinsmann, Fallrückzieher, 7:0 gegen Dortmund mit zwei Allgöwer-Toren, die Meisterschaften 92 und 2007, das sind Geschichten. Natürlich kann RB Leipzig diese Geschichten jetzt noch nicht erzählen, aber wenn es die in 40 Jahren noch geben sollte, dann haben sie die gleichen Geschichten wie der VfB jetzt.“

André Bühler: „Meine Familie regt sich traditionellerweise seit 40 Jahren über den VfB auf. Das ist auch eine Form der Tradition.“

Hardy Grüne: Wir reden ja gar nicht über Tradition, wir reden über Kommerz. Und Kommerz ist etwas, das immer zum Fußball gehört hat. Da sind wir wieder bei dem Ding Früher-war-alles-besser. Aber in den Zwanziger Jahren haben sie auch überall gemeckert, weil vieles zu kommerziell geworden ist.“

André Bühler: Was mich an dem Konstrukt Leipzig aufregt: Red Bull ist ein Marketingkonzern, die zufälligerweise auch Energydrinks herstellen. Aber sie erzählen die Geschichte, sie wollen diesen Bundesligastandort Leipzig aufblühen lassen. Absolut gar nicht! Null! Die wollen auch gar nicht erfolgreich Fußball spielen lassen. Die wollen ihre Getränkedosen verkaufen. Das ist das Narrativ und das stört mich, dass sie das nicht offen zugeben.“

Martin Harsch: „Mein Vater ist ein überzeugter Schwabe. In Fellbach aufgewachsen. Ich hatte recht früh eine Flagge vom Königreich Württemberg, auf der „Furchtlos und treu“ stand. Deswegen ist für mich das „Furchtlos und treu“ nicht negativ belegt. Es kam ja auch bei der Gründung zu dieser Verbindung zwischen Königreich und Volk. Wir gemeinsam, furchtlos und treu.“

Teaser: Nächste Veranstaltung. fan.tastic females. Ausstellung und Diskussion über Frauen in Fanszenen. Diskussion am Montagabend, 8. April 2019. Herzlich willkommen!


Selten erscheint die Tradition so aktuell wie in diesen Tagen. Der VfB Stuttgart steckt in der Krise – und es ist weit mehr als eine Ergebniskrise. Fußballhistoriker Hardy Grüne, Sportmarketing-Experte Prof. André Bühler und VfB-Podcaster Martin Harsch diskutieren über Geschichte und Werte – und darüber, wie sich ein großer Verein verhalten sollte. Was steckt eigentlich im Brustring?

Der VfB Stuttgart steckt in einer sportlichen Krise, die sich rasant zu einer Führungskrise entwickelt. Nicht nur über sportliche Belange wird gestritten. Auch über Stil, Strukturen und gesellschaftliche Verantwortung wird heiß diskutiert. Vor diesem Hintergrund fragen sich Fans, wofür der VfB eigentlich steht – eine Frage, die immer dann aufkommt, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt.

Der Verein selbst sieht sich traditionell als fußballerische Vertretung für Württemberg. Stets wird der Brustring plakativ nach vorne gestellt. Doch die Frage nach der Tradition kennt nicht nur grafische und geografische Antworten. Gesucht sind Werte, die der Verein lebt. Mit Michael Reschke und seiner plakativen Haltung zum Thema Wahrheit wollen sich viele nicht identifizieren. Was bleibt also übrig, wenn der sportliche Erfolg mangels Leistung ausfällt? Wie nimmt der Verein seine gesellschaftliche Verantwortung neben dem Spielfeld wahr? Was steckt eigentlich im Brustring? Um die Fragen rund um Fußballtradition im Allgemeinen und die Tradition im Besonderen zu diskutieren, treffen sich im Stuttgarter VfB-Fanprojekt Experten aus verschiedenen Fachgebieten.

Hardy Grüne

Hardy Grüne, der vielleicht prominenteste Fußballhistoriker Deutschlands, hat nicht nur den VfB im Blick. Als Herausgeber der Zeitschrift Zeitspiel setzt er sich damit auseinander, in wie weit traditionelle Werte im modernen Fußball überleben. Hardy Grüne reist zu Fußballspielen in aller Welt und stöbert in den Archiven um die Geschichte des Spieles festzuhalten.

 

 

Prof. André BühlerProf. Dr. André Bühler vertritt die Perspektive des Marketingexperten. Als Direktor des deutschen Instituts für Sportmarketing beschäftigt er sich mit der Art und Weise, mit der Tradition im täglichen Sportbusiness greifbar wird. Er ist der Überzeugung, dass die Glaubwürdigkeit einer Sportorganisation das höchste Gut in der Vermarktung sei.

 

 

Schließlich wird Martin Harsch, Agenturinhaber und engagierter VfB-Blogger und Podcaster im Fanprojekt zu Gast sein. Harsch begleitet den VfB Stuttgart seit vielen Jahren kritisch. Unter seinem Pseudonym @twofourwo ist Harsch einer der wichtigsten Influencer im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart. Die Runde wird moderiert von Bernd Sautter.

Herzlich willkommen im 
Fanprojekt Stuttgart
Hauptstätter Str. 41
Dienstag, 12. Februar

Open: 19.30 Uhr,
Podiumsdiskussion ab 20.30 Uhr

Das VfB-Fanprojekt bedankt sich herzlich für die Unterstützung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.

 

 

Kann man an das Gute im Fußball noch glauben, wenn man Michael Wulzinger zugehört hatte? Es fällt schwer, aber höchst faszinierend war die Lesung dennoch.

Lassen wir die Kirche im Dorf. Es ist nur Fußball, also ein Spiel. Man muss sich das vergegenwärtigen, angesichts der haarsträubenden Geschichten, die Michael Wulzinger am Nikolausabend im Fanprojekt erzählte. Wulzinger arbeitet seit fast zweieinhalb Jahren für den Spiegel am Projekt Football Leaks. Sein Kollege Raphael Buschmann ist die einzige Person, die mit dem Informanten mit den Decknamen John Kontakt hält. John stellt den Redakteuren mehrere Terrabyte hochgeheimer Daten aus den Insiderkreisen zur Verfügung – von tausendseitigen Verträgen bis zu kurzen E-Mails. Vieles, was im großen Fußball gerade schief läuft, geht aus den Dokumenten hervor. Wie FIFA-Präsident Infantino die eigene Ethik-Kommission austrickst, wie der FC Bayern eine Superleague plant, wie Dopingkontrollen vertuscht werden, wie Verbandskorruption gehandhabt wird… alles festgehalten in Dokumenten, die man vor Gericht nicht verwenden könnte. Und doch: In zweieinhalb Jahren Football Leaks ist noch niemand aufgetaucht, der die Echtheit des Material bezweifeln würde.

Wulzingers Schilderungen sind mitreissend. Er trägt die Geschichte, die erklärt wie Raphael Buschmann den mysteriösen John kennen lernt, und eine Kooperation zu beiderseitigem Vorteil beginnt. John ist zwar im Besitz von heißem Material, aber er möchte nicht enden wie Julian Assange. Daher vertraut er die Daten dem Spiegel an, der sich längst mit einem europäischen Netzwerk zusammengetan hat, um die Dokument auszuwerten und journalistisch aufzubereiten. Sein ursprüngliches Blog mit Namen Football Leaks nimmt er vom Netz. Das war eine von Bedingungen von Seiten der Journalisten.

Das Fanprojekt in Stuttgart ist voll. Michael Wulzinger beantwortet jede Frage ausführlich. Und mit jeder Frage kramt er eine weitere schockierende Nachricht aus dem Gedächtnis. Wulzinger hat die letzten zweieinhalb Jahre an den Leaks gearbeitet. Fulltime. Bei der letzten Frage aus dem Publikum berichtet er aus dem Vertragswerk, das der ehemalige Hoffenheimer Stürmer Firmino in Liverpool unterschrieben hatte. Pro Treffer würde Firmino 25.000 Euro aufs private Konto erhalten. Einen ähnlichen Betrag würde Verteidiger Virgil Van Dyke einstreichen – falls die Reds ein Spiel zu Null beenden. Nach zwei Stunden entlässt das Publikum den Leiter der investigativen Abteilung des Spiegel. Etwas desillusioniert zwar, dennoch bereichert und in der Hoffnung, dass eine qualifizierte und schonungsloses Veröffentlichung wenigstens manches zum Guten verändern möge. So viel Fußballromantik darf auch angesichts der schockierenden Leaks erlaubt sein. 



Lang ist’s her, da fanden in Herrenberg noch Fußballländerspiele statt. Tatsächlich: echte Länderspiele, in Herrenberg, im Fußball.  Zweimal Deutschland gegen Holland. Einmal Deutschland gegen Österreich. Wirklich, kein Witz. Das ist nur schon arg lange her. Aber diese Begegnungen sind heute noch extrem bemerkenswert. Sie stehen als Sinnbild dafür, dass sich Kommerz und gesellschaftlicher Fortschritt nicht ausschließen. Muss man deshalb ein Plädoyer für Kommerz im Sport halten? Sicher nicht. Aber ich will nicht zu viel verraten, von dem, was ich in Herrenberg erzählen will. Nicht an dieser Stelle. Pointe vorwegnehmen gehört sich nicht.

„Schneller, höher, kommerzieller – Wird der wahre Sport langsam zur Ware Sport?“ Darüber darf ich sprechen beim SportTalk 24 der Sportregion Stuttgart. Nach meinen einleitenden Worten werden sich Thomas Sprißler (OB Herrenberg), Matthias Schöck (Präsident wfv), Hans Artschwager (DHB Vize) und Claus Vogt (Präsi FC PlayFair!) die Köpfe heiß reden, wieviel Kommerz im Sport noch gut tut – und wann es einfach zu viel wird. Ich freue mich darauf, die Runde in Schwung zu bringen.

Habe die Ehre:
SportTalk24
8. November 2018, 19,oo Uhr
Mensa im Markweg-Schulzentrum     Schießtäle 33    71083 Herrenberg

 

 

 

 

Michael Wulzinger und Rafael Buschmann sind die treibenden Kräfte hinter den Football Leaks. Wer durch dieses Datenleck schaut, entdeckt die dunkle Seite des Profigeschäfts. Der Whistleblower John hat dem Magazin Spiegel 18,6 Mio Dokumente übergeben, Verträge, Vereinbarungen und Absprachen, die zeigen, dass für die Akteure im Fußball, Moral und Gesetz kaum gelten. Im Buch Football Leaks haben Buschmann und Wulzinger die Fakten gesammelt. Daraus ergeben sich spannende Fragen, unter anderem:

  • Wie fräst man sich durch ein solchen Berg an Dokumenten?
  • Wie abenteuerlich ist es, das Leck zu erforschen? Gefährlich gar?
  • Wie geht’s dem Whistleblower heute?
  • Müssen wir endgültig unseren Glauben ans Gute im Profifußball begraben?

Diese und andere Fragen darf ich an Michael Wulzinger weiterreichen. Neben einigen spannenden Passagen aus seinem Buch erwartet uns eine spannende Diskussion. Und ganz eventuell… sprechen wir auch über eine weitere aktuelle Enthüllung des Football Leaks Teams.

Meine Empfehlung:

Football Leaks live mit Michael Wulzinger
6.12, 19.30 Uhr
Fanprojekt Stuttgart, Hauptstätter Str. 41,
neben Immer Beer Herzen

Wir sehen uns. Habe die Ehre.

Volle Hütte bei der Lesung der Wochenendrebellen im Fanprojekt Stuttgart.

Es gibt Regeln. Unglaublich viele Regeln, seltsame Regeln, belastende Regeln. Bei einer Lesung der Wochenendrebellen sind sie noch verhältnismäßig harmlos. Erstens: Das Publikum stimmt ab, welcher Text gelesen wird. Zweitens: Jason ist der Wahlleiter. Wenn er zu keinem vernünftigen Ergebnis kommt, annulliert er das Ergebnis und setzt Neuwahlen an. Drittens: In der Fragerunde muss eine Frage zum Thema „Nachtzüge“ gestellt werden. Jason findet Nachtzüge klasse.

Jason, geboren 2005, ist Autist und seit seinem sechsten Lebensjahr mit seinem Vater unterwegs in den Fußballstadien Deutschlands und des benachbarten Auslands. Sein Vater Mirco von Juterczenka war anfangs der Reiseleiter des Vater-Sohn-Groundhoppingteams. Längst kann er sich seiner Rolle als Reiseleiter nicht mehr sicher sein. Im Grunde hat Jason die Organisation übernommen. Ursprünglich sollte es nur darum gehen, dem Jungen einen Lieblings-Fußballverein zu suchen. Doch nach und nach bekommen ihre Touren eine tiefere Bedeutung. Was ursprünglich dem Sohn als Erlebnisarchiv und Gedächtnisstütze dienen sollte, entwickelt sich schnell zu einem Lebensprojekt: Die vielen peinlichen, lustigen, lehrreichen, ernüchternden, teils erschütternden und nachdenklich machenden Erlebnisse und Erkenntnisse finden online eine ungeahnte und stets wachsende Schar von Fans. Auch bei der Lesung im Stuttgarter Fanprojekt wurde dies deutlich. Die Hütte in der Hauptstätter Straße war proppenvoll.

So wie Jason kein normaler Sohn ist, war der Abend keine normale Lesung. Gut so. Die Besucher waren zu Gast bei den von Juterczenkas, deren männliche Teile am Podium munter miteinander diskutierten. Die Gäste im Fanprojekt nahmen Teil am alltäglichen Leben einer Familie, die es gewohnt ist mit einem Sohn zu leben, der Asperger-Autist ist. Hochintelligent selbstverständlich. In Quantenphysik und Chaostheorie allen anderen weit voraus. Dafür in einigen anderen Dingen des Leben etwas eigen. Zu den Symptomen des Asperger-Syndroms gehört unter anderem ein Unverständnis für zwischenmenschliche Gefühle und ausgeprägte Sonderinteressen. Jason will nur ungern berührt werden. Er mag Fußball und Nachtzüge. Und er besteht darauf, dass alles korrekt abläuft. Das gehört zu den Regeln. Darum unterbricht er seinen Vater ständig und stellt kleine Unsauberkeiten in den Formulierungen von Mirco sofort richtig.

Damit sorgen Jason und Mirco zwei Stunden für beste Unterhaltung. Lehrreich und amüsant zugleich. Und am Ende legen die Beiden ihr wichtigstes Anliegen so überzeugend dar, dass ein stolzer Betrag für die Neven-Subutic-Stiftung im Spendenkässchen landet. Denn auch das gehört zu den Regeln: Mit ihren Lesungen wollen die Wochenendrebellen kein Geld verdienen. Jason hat beschlossen, Brunnen für Afrika zu finanzieren. Inklusive sanitäre Anlagen. Mehr als 25.000 Euro benötigt er dafür. Auch darum wird ein Besuch von weiteren Lesungen der Wochenendrebellen ausdrücklich empfohlen. Weitere Infos unter www.wochenendrebellen.de

Nächste Lesung im Fanprojekt Stuttgart:
Michael Wulzinger, Co-Autor „Football Leaks – die schmutzigen Geschäfte im Fußball“, 6.12.2018

 

 

Dem kritischen Fußballpublikum sei diese Veranstaltung wärmstens empfohlen. Sie ist ganz kurzfristig auf den Terminkalender gekommen. Ich freue mich auf Ronny Blaschke und Dr. Stephan Kaußen.

  • Fanprojekt Stuttgart, Hauptstätter Straße 41 (neben Immer Beer Herzen)
  • Mittwoch, 6. Juni 2018, 19.00 Uhr

Hier die „offizielle“ Pressemitteilung:

Vor der WM in Russland: Spielwiese Menschenrechte

Kann eine Weltmeisterschaft ein Gastgeberland nach vorne bringen oder bleibt dies nur eine sportpolitische Wunschvorstellung? Vielleicht ist das Gegenteil der Fall. Wenn die Versammlungsfreiheit eingeschränkt wird, Einwohner vertrieben werden und Bauarbeiter auf Baustellen zu Tode kommen, darf man das gute Verhältnis von Sport und Ethik in Zweifel ziehen. Die Wirkung eines sportlichen Großevents auf die Zivilgesellschaft eines Landes steht im Mittelpunkt des Vortrags- und Diskussionsabends im Fanprojekt Stuttgart. Zu Gast sind mit Ronny Blaschke und Dr. Stephan Kaußen zwei anerkannte Experten, die sich schon seit Jahren mit gesellschaftlichen und politischen Wirkungen von Megaevents befassen. 

Ronny Blaschke

Autor und Sportjournalist Ronny Blaschke beschäftigt sich vor allem mit ethischen Gesichtspunkten im Sport. Er schreibt an gegen Gewalt und Menschenfeindlichkeit. Für sein Engagement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus wurde er 2013 vom DFB  mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet. Ronny Blaschke tourt seit Beginn des Jahres mit seinem Vortrag durch Deutschland. Mit seinem Bericht von der „Spielwiese Menschenrechte“ wird er die Diskussion eröffnen. Darin thematisiert er unter anderem die Aushöhlung von Menschenrechten und den Schutz von Minderheiten. Andererseits stellt er die Frage, ob Kritik auf Basis eines eurozentristischen Weltbilds überhaupt legitim erscheint.

Stephan Kaußen

Danach wird Dr. Stephan Kaußen von seinen vielfältigen Erfahrungen auf großen Turnieren berichten. Kaußen hat viele Berufe, er arbeitet unter anderem als Dozent, Politikwissenschaftler und Sportreporter. Fußballfans kennen seine Stimme aus der legendären Bundesliga-Konferenz der ARD Radiosender. Der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit liegt allerdings außerhalb der Bundesliga: in Südafrika. Er schrieb unter anderem über den Beitrag des Sports zur Versöhnungspolitik im ehemaligen Apartheidstaat und analysierte den gesellschaftlichen und politischen Wandel. Kaußen kann am Beispiel Südafrika die Auswirkungen einer Weltmeisterschaft einschätzen. Auch die anderen Europa- und Weltmeisterschaften der letzten Jahre hat Kaußen aus Fanperspektive erlebt und wird von seinen Erfahrungen berichten.

Der Abend wird veranstaltet vom Fanprojekt Stuttgart mit Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Moderation hat Bernd Sautter. Die Veranstaltung beginnt am 19 Uhr in den Räumen des Fanprojekts Stuttgart in der Hauptstätter Straße 41. Der Eintritt ist frei.

 

Extremst feiner Podcast für VfB-Fans: der Brustringtalk. Wer anderthalb Stunden Zeit hat, kann nachvollziehen, warum wir uns verplappert haben. Erst entdeckten wir unsere Seelenverwandtschaft – und zu Schluß die Liebe. Ich betone allerdings, dass Frau Aogo damit rein gar nichts zu tun hat.

Zum Brustringtalk – der VfB Podcast
Folge 36 vom 4. Januar 2018

Unter anderem enthalten:

  • Rückblick auf die Hinrunde der Saison 2017/2018
  • Entlassung von Jan Schindelmeiser
  • Die Transfers von Akolo, Badstuber, Aogo, Beck und Ascacibar.
  • Die Rolle des Trainers Hannes Wolf
  • Das Nicht-Fritzle-II Mario Gomez
  • Der Ausblick aus die Rückrunde
  • und einige Gedanken zu 50+1 und die Ausgliederung des VfB