Filippo Catalodo und Michael Panzram von der Schwäbischen Zeitung haben ein feines Interview geführt. Headline: Der Fußballgott hat auf Wangen gezeigt.

Heimatforscher oder Groundhopper? Was von beidem er genau ist, weiß Bernd Sautter nicht genau. In jedem Fall ist er Fußballfan und gerne live im Stadion. So gerne, dass er seine journalistische Ader und seine Fußballleidenschaft zusamengeworfen und ein Buch geschrieben hat. „Fußballheimat Württemberg“ ist eine Liebeserklärung, die sich beim Lesen erst auf den zweiten Blick erschließt. Was ihn zum Buch animiert hat und was er bei seinen Recherchereisen erlebt hat, hat er Michael Panzram und Filippo Catalodo erzählt.

Wie kam es zum Buch „Fußballheimat Württemberg“?

Ich bin Groundhopper und schreibe auch gerne in meinem Blog www.propheten-der-liga.de über die Dinge, die ich erlebe. Ich bin einfach großer Fußball-Fan, mein Herz schlägt für den VfB Stuttgart. Aber davon allein wird man im Moment ja nicht glücklich. Auch internationalen Fußball finde ich klasse. Irgendwann habe ich aber festgestellt, dass ich über Fußball in Sheffield und Santander mehr weiß, als über den vor der eigenen Haustür. Das wollte ich ändern. Deshalb habe ich mein erstes Buch geschrieben „Heimspiele Baden-Württemberg.“ Das hat so gut geklappt, dass sich ein zweites ergeben hat. Dazu sollte ich 100 Orte, die mit Fußball zu tun haben, in Württemberg vorstellen.

Fiel die Auswahl schwer?

Einige der Orte habe ich natürlich schon gekannt, bei anderen habe ich geahnt, dass ich über sie eine interessante Geschichte erzählen kann. Und kuriose Zufälle gab es naütlrich auch. Nach Grömbach bin ich zum Beispiel gekommen, weil ich ein Mitglied vom Bierdurschtverein Stuttgarter Kickers kannte. Und die zeichnen immer den Verein mit dem besten Bierstand des Jahres aus. 2017 war das Grömbach, so bin ich dahin gekommen.

Den FV Ravensburg bezeichnen Sie als „übersehenen Traditionsverein“. Wieso?

Ravensburg ist ein bemerkenswerter Verein, dess Frühgeschichte viel zu wenig erforscht ist. Das Gründungsjahr1893 kann ich mir gut merken, weil es das gleich wie das des VfB Stuttgart ist. Bis nach dem Ersten Weltkrieg tauchen die Ravensburger gar nicht in Ergebnislisten auf. Die haben in einer Bodensee-Nachbarschafts-Liga mit Vereinen aus Österreich und der Schweiz gespielt, über die wenig überliefert ist. Da wurde kaum Buch geführt. Das ist unheimlich schade. Gerade die grenzübergreifenden Spiele.

Wie war Ihr Eindruck vom Ravensburger Stadion im Wiesental?

Da hab ich großes Pech gehabt. Als ich den FV im Febraur besucht habe, fand das Spiel auf dem Kunstrasenplatz statt. Deshalb hatte ich leider kein eigenes Foto für das Buch (…) Dazu kommt, dass ich auch nicht in den Genuß kam, vom schönen Biergarten an der Hauptribüne direkt aufs Spielfeld zu blicken. Erst diese Woche traf ich einen Fan der Stuttgarter Kickers, der deswegen vom Wiesental schwärmte.

Und wie war es im Stadion vom TSV Berg?

Da war es auch arschkalt. Ich hab natürlich mit Präsi Herrmann Müller gesprochen, der mir gleich die Stadionwurst als beste der Welt anpries. Wie oft ich das schon gehört habe. Aber nach dem ersten Biss dachte ich: Verdammt! In Berg hat’s gestimmt, die Wurst war tatsächlich super. Dazu, das hat Herrmann Müller extra erwähnt, der Wasserwecken. Ein wirklich sensationelles Fünf-Sterne-Menue – und das auf dem Fußballplatz. Kann ich jedem Kulinariker nur empfehlen.

Und wie hat die Wurst beim FC Wangen geschmeckt?

Die war auch sehr gut, auch wenn sie nicht an Berg herankommt. Wangen ist aus einem anderen Grund ein besonderer Ort in meinem Buch. Da steht nämlich, das ist meine ganz persönliche Meinung, das mit Abstand schönste Stadion in ganz Württemberg.

Was macht den besonderen Charme des Allgäustadions aus?

Es liegt in Laufweite zum Marktplatz – und hat dennoch rundherum eine wunderbare Naturkulisse. Einmalig! Das Stadion ist seit Jahren unverändert, atmet Geschichte. Das ist wundervoll für jeden Gast, von den Duschen mal abgesehen. Es ist, als hätte der Fußballgott auf Wangen gezeigt, als er sich rausgesucht hat, wo das schönste Stadion stehen soll.

Der damalige DFB-Funktionär Herrmann Selbherr, damals in der Öffentlichkeit bekannt als Mann mit den Kugeln bei den DFB-Pokalauslosungen, und Ehrenpräsident des FC Wangen wird in Ihrem Buch mit dem Satz zitiert. „Die Hölle von Wangen findet leider nicht statt.“ Da ging es um ein Spiel vor einer eher kleinen Kulisse. Sie beschreiben aber auch eine Szene, als in EWangen viel mehr los war. Nämlich auf dem Marktplatz. Wie kamen Sie darauf?

Das liegt an der Nationalmannschaft Togos, die während der WM 2006 in Wangen ihr Langer aufschlug. Und das war auch auf dem Marktplatz spürbar bei den Liveübertragungen. Besonders schön: Es hat sich eine länderübergreifende Freundschaft entwickelt, die heute noch besteht. Ein schönes Beispiel dafür, was der Fußball leisten kann.

War Wangen der schönste Ort, den Sie besucht haben oder gab es noch ein anderes Highlight?

Wangen war der schönste Ort, mit Abstand. Aber Fischingen war auch speziell. Da gibt es eine 50 Jahre alte Tribüne, die genau 50 Leute fasst. Da steckt eine wundervolle Geschichte dahinter. Der damalige Präsident hat das angekurbelt. Erst gab es eine überwiegende Zustimmung für seine Idee. Aber er ist dann trotzdem zurückgetreten. Plötzlich waren alle dafür, einstimmig. Dann hat er wieder das Amt übernommen und die Tribüne wurde gebaut. Ein echtes Kleinod. Aber sicher nicht das einzige in Württemberg. Davon gibt es ganz viele. Man muss nur genau hinschauen. Und hinfahren, um den Fußball vor Ort zu erleben und zu feiern.

Eine besondere Anekdote gibt es zu Altshausen, in der Jürgen Klinsmann, ein Adliger und der Satz „Geh weg, du Saubauer“ eine Rolle spielen. Erzählen Sie mehr!

Mir hat einer gesteckt, dass in Altshausen noch der Graf von Württemberg am Spielfeldrand steht. Da habe ich recherchiert und bin auf eine Chronik über den dortigen Fußballklub gestoßen. Da stand eben die Geschichte drin, dass Klinsmann Anfang der achtziger Jahre mit dem VfB Stuttgart ins Altshausen spielte und seinen Gegenspieler Eduard von Württemberg entspreche zurechtweist. Wer da sein Gegenspieler war, erfuhr der junge Klinsmann erst nach dem Spiel beim Bankett.

Warum tauchen zum Beispiel auch die Bäckerei Klinsmann und die Grabkappelle auf dem Württemberg im Buch auf?

Fußball ist nicht nur ein 1:0, es ist so viel mehr, Alltagskultur, das wollte ich mit solchen Beispielen ausdrücken.

Zum Schluss bleibt in „Fußballheimat Württemberg“ eine Seite frei, auf der Leser einen eigenen Ort eintragen können, den Sie vergessen haben. Haben Sie schon Tipps bekommen?

Einige. Aus dem Allgäu und aus Oberschwaben war aber noch keiner dabei. Vielleicht ja nach diesem Interview. So ein Buch kann ja nie vollständig sein. Aber ich freue mich über jede Zuschrift. Vielleicht springt ja nochmal ein Buch dabei raus.

Hier geht’s zum Podcast der Schwäbischen Zeitung: Anschwitzen!

Jetzt sind es nur noch zwei. Der Vereinsbeirat des VfB schlägt Claus Vogt und Chrsitian Riethmüller als Präsidentschaftskandidaten vor. Längst bevor die Wahl durch die Mitglieder fällt, stehen Gewinner und Verlierer bereits fest.

Es ist ein Richtungswechsel, wie er radikaler nicht sein kann. Völlig gleich, wer es wird – Claus Vogt oder Christian Riethmüller – beide stehen für einen maximalen Gegenentwurf zum vormaligen Präsidenten, der wegen mangelnder Sozialkompetenz förmlich aus dem Amt gebrüllt wurde. Es ist offensichtlich: Der Vereinsbeirat, der kraft Satzung die schwierige Aufgabe hatte, in einer Art Expertenkommission vorzuwählen, hatte offenbar genug von präsidialen Herrschergehabe, das cholerische Anfälle als Mittel der Machtausübung durchaus vorsieht. Dabei darf erwähnt werden, dass es der Beirat nicht leicht hatte. Nachdem die Öffentlichkeit entdeckte, wer dieses Gremium überhaupt sein soll, schoss der Vetterleswirtschaftsverdacht an jeder undichten Stelle durch die nichtasphaltierten Stellen des Cannstatter Wasens. Der Porth! Der Jenner! Der Schlensog! Hinter jeder Kandidatin und jedem Kandidaten wurden die einschlägig bekannten Liasons Dangereuses vermutet. Mit Recht übrigens, schließlich hat derlei Geklüngel eine Tradition, die länger ist als der Brustring. Und der ist bekanntlich so kreisrund, dass er nie aufhört.

In dieser Hinsicht versagte der Vereinsbeirat aufs Erfreulichste. Die Damen und Herren waren vor ihrer eigenen Wahl damals durch eine intensive Prüfung gejagt worden, die man als VfB-Treueprüfung verstehen konnte, aber auch deutliche Teile von Wolle-Dietrich-Treue als Prüfgegenstand enthielt. Mit der Wahl der beiden Kandidaten hat der Beirat erstmal jeden Verdacht der freundlichen Fremdsteuerung entkräftet. Vogt und Riethmüller haben mehrere Gemeinsamkeiten. Die vielleicht hervorstehende Übereinstimmung: Es handelt sich bei den Beiden um Persönlichkeiten, die den Verdacht der Beeinflussbarkeit nicht zerstreuen müssen, weil er gar nicht erst aufkommt. Die Chefs des Buchhändlers Osiander und des Facility-Management-Unternehmens Intesia kommen aus einer ganz anderen Ecke als diejenigen, die bisher – mehr hintenrum als vornerum – die Geschicke des Vereins und seiner AG leiten wollten. Vogt und Riethmüller setzten bei Ihrer Kandidatur voll auf Mitbestimmung, Gemeinsamkeiten und gesellschaftliche Verantwortung. Bemerkenswert ist dabei, dass ihre ersten Statements jetzt schon glaubwürdiger ihr Anliegen verkörpern als jeder Satz, den ihr lispelnder Vorgängergreis vom Papier abgestottert hatte.

Die Gewinner stehen damit längst fest: Ganz egal, wie turbulent es bei der nächsten Versammlung zugehen wird. Gewinner 1: Thomas Hitzlsperger. Der grundsympathische Turbokarrierist muss zwar seine Vorschusslorbeeren noch rechtfertigen, aber er kann sich sicher sein, dass er von Vereinsseite einen kooperativen Partner an die Seite gestellt bekommt. Schließlich gehört dem Verein die ganze AG-Chose hochprozentigerweise. Gewinner 2: Der Vereinsbeirat. Das Gremium hat seine Eigenständigkeit bewiesen und hat alles getan, um den Fehler wieder wett zu machen, den sich noch im Sommer begangen hatten, als es in einer Art Zeitspiel versuchte, den greisen Choleriker seines Amtes noch fertig walten zu lassen. Gewinner 3: Die Mitglieder. Sie können es sich nun sparen, nach Verstrickungen zu fahnden. Beide Kandidaten haben ein ähnliches Profil. Es wird eine schwere Wahl. Allerdings scheint der Präsident des FC PlayFair!, ein Verein, der sich für Integrität im Profifußball einsetzt (dem der Autor angehört) im Vorteil zu sein. Allerdings werden beide Kandidaten wissen: Diesen VfB-Mitgliedern wird man nichts mehr versprechen können – oder erst dann, wenn die Glaubwürdigkeit wieder hergestellt ist. Und das geht nicht durch Worte, sondern einzig durch Taten.

Und das Sportliche? Banale Antwort: Es wird, wie es wird. Der Verein ist dafür nicht mehr direkt zuständig. Das sportliche Schicksal haben die Mitglieder in die Hände der ausgegliederten AG dirigiert. Ob es dort besser aufgehoben ist, wird sich erweisen müssen. Für die Präsidentschaftskandidaten galt jedenfalls: Die Erfahrungen der WM 90 und das Meistertor von Leverkusen ’92 konnten leider nicht als Kriterium gewertet werden. Und das war auch: Gut so!

Wie es so ist, wenn es nicht unentschieden ausgehen kann, finden wir beim ganzen Kandidatenprozedere auch zwei Verlierer. Bemerkenswerterweise hatten sich beide noch letztes Jahr etwas in der „Wolle“. Verlierer Nummer 1: Ein gewisser Herr Porth. Noch vor einigen Monaten hatte er in grober Missachtung jeder Daimler Compliance versucht, zu retten, was nicht mehr zu retten war. Ein Daimler-internes Mail gab VfB-Mitgliedern, die unter dem guten Stern arbeiten eine eindeutige Wahlempfehlung. Vielleicht hat Porth inzwischen eingesehen, dass er sich besser gründlich um die automobile Zukunft kümmern sollte als um die fußballerische. Bei diesem Unterfangen kann man ihm nur Glück wünschen – und die dazu notwendige Aufrichtigkeit.

Als Loser Nummer zwei gilt man ein Mann, der in einem unauffälligen Büro in Ludwigsburg sein Tagwerk verrichtet: Roland Eitel. Der Spin Doctor aus dem Untergrund des deutschen Fußballschaffens hatte erst seinen Kunden Jürgen Klinsmann in Stellung gebracht und dann seinen Kunden Guido Buchwald. Als er sah, dass man mit Klinsmann nicht landen konnte, geschah ein öffentlichkeitswirksamer Rückzug. Es war wie beim Skat, wenn man den Kreuzbuben opfert, weil man listigere Pläne verfolgt. Was auch immer der Plan war: Er scheiterte krachend. Spätestens als Freund Berthold von kruden Plänen mit einem Filderstadion träumte, musste allen klar gewesen sein, dass sich die große Zeit des Spin Doctors dem Ende entgegen neigt.

Der Vereinsbeirat als Gremium hat nun seine große Probe bestanden. Mit der Wahl der beiden Kandidaten beweist er eindrucksvoll: Er ist mehr als ein Rat der alten, weisen Männer. Die Wahl Mitte Dezember darf mit Spannung erwartet werden. In ersten Spontanumfragen, die im Netz kursieren, liegt Vogt vor Riethmüller. Ob die Wahl gut und erfolgreich verlaufen wird, ob also der VfB einen neuen Präsidenten bekommt, liegt allerdings nicht an den Mitgliedern und nicht an den Kandidaten. Es ist einzig die Frage, ob das W-LAN funktioniert.

Wer sich aus erster Hand informieren möchte, dem sei diese Veranstaltung vorgeschlagen (unter meiner bescheidenen Mitwirkung)

Kommet zuhauf ins SSC Vereinsheim

Wer den Baden-Württembergischen Fußball und die Tradition, in der dieser Verein mit dem Brustring steht, unter die Lupe nehmen möchte: bitte gerne. (Kann man auch bei Osiander käuflich erwerben)

Die beste Nichtlesung aller Zeiten – echt jetzt? Wer sagt das? Nicht ich. Die hymnische Einordnung des Abends formulierte der VfB-Blog vertikalpass in einem Tweet. Falls es tatsächlich so sein sollte: Es liegt nicht an mir und meinem Buch, dass die Präsentation so unterhaltsam wurde. Das lag einzig und allein an den bemerkenswerten Gästen, die (Lebens-) Geschichten erzählten, bei dem manchen Zuhörern der Mund vor Staunen offen blieb. Manchmal auch vor lauter Lachen.

Tatsächlich wurde der Abend vermutlich deshalb so gut besprochen, weil ich mein Versprechen einlöste und keine einzige der 100 Geschichten aus dem Buch vortrug. Je länger ich darüber nachdachte, desto konsequenter fand ich die Idee: Nicht lesen, sondern erzählen lassen. Wenn wir uns schon im Fanprojekt treffen, so dachte ich weiter, lass ich besser diejenigen berichten, die die Anekdoten und Geschichten selbst erlebten. Bitteschön…

Reiner Fricke

Historiker Reiner Fricke beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Arbeiterfußball. Seine Informationen hat er dabei nicht nur aus Quellen, sondern auch von seinem Vater, der 1931 Goldmedaillengewinner bei der Olympiade der Arbeitersportler in Wien wurde. Die Disziplin ist so erstaunlich wie viele Geschichten rund um die Fußballorganisation, von der viele behaupten, bei denen wurde damals der bessere Fußball gespielt. Schon mal was vom Fußball-Dreikampf gehört? Vater Otto Fricke wurde Olympiasieger. Vielen Dank, lieber Reiner Fricke, für die unterhaltsame Einweisung in eine andere Fußballwelt.

Gojko Cizmic

Ende der sechziger Jahre war Gojko Cizmic bereits mit von der Partie bei den ersten Spielen der legendären Yugoliga. Die Liga gibt’s schon lang nicht mehr. Aber es gibt ja Gojko Cizmic, der Informationen und Erinnerungsstücke an die Zeit dieser merkwürdigen Liga sammelt. Die vielleicht schönsten Stücke seiner Kollektion präsentierte er im Fanprojekt: Geschichten und Anekdoten von damals, als es in Süddeutschland eine Liga gab, die ihre Ergebnisse nicht zum Württembergischen Fußballverband meldete, sondern direkt in die Heimat nach Belgrad. Danke, lieber Gojko, für deine bewegenden Beobachtungen.

Alexander Sollner
Alexander Sollner und Markus Kleber

Das vielleicht berühmteste Tor des Landes hat Alexander Sollner gefangen. Er stand bei Grunbach im Tor, als der TSV in der Kreisliga Pforzheim 2010 beim TSV Wimsheim antreten musste. Grunbach war als Tabellenführer angereist. Ein Sturm zog auf. Der Rest ist das erste YouTube-Meme des deutschen Fußballs. Vielen Dank, lieber Alexander Sollner, dass wir dieses Tor aus der Perspektive des Torhüters erleben durften. Und vielen Dank, lieber Markus Kleber, für deine Darstellung aus der Perspektive dieses von dir gründeten Filmteams namens Die Ligen.

Evelyn Klumpp

Evelyn Klumpp hat schon gekickt, als es den Frauen vom DFB noch verboten wurde. Sie darf als Frau der ersten Stunde gelten, wenn man die Wiedereinführung des Frauenfußballs im Jahr 1970 im Blick hat. Nachdem sie in den siebziger Jahren mit dem VfL Sindelfingen erfolgreich war („Hacki-Wimmer-Typ“) war Klumpp die erste Frau, die in Deutschland den Trainer-B-Schein hatte. Die großen Zeiten des VfL Sindelfingen wären ohne Evelyn Klumpp nicht so golden geworden. Vielen Dank, liebe Evelyn, für deine hochinteressanten Geschichten und für die Analyse des aktuellen Zustand bei wfv und DFB.

Alexander Fangmann

Sechsmal deutscher Fußballmeister. Das muss man erstmal schaffen als Stuttgarter Spieler. Alexander Fangmann wies völlig zurecht darauf hin, dass der VfB nur fünf Meisterschaften holte. Fangmann ist der vielleicht beste Spieler, den der deutsche Blindenfußball je hervorgebracht hat. Der Kapitän der Blindenfußballnationalmannschaft hatte im Herbst mit dem deutschen Team den siebten Platz bei der Europameisterschaft geholt. Vielen lieben Dank, lieber Alexander Fangmann für die Einweisung in eine faszinierende Sportart.

Vielen Dank an meine Gäste. Vielen Dank für die super Vorbereitung von Jörg und Andreas vom Fanprojekt. Vielen Dank für die tollen Bilder an meinen Freund Smail Mast. Und vielen Dank an alle, die mir nachsahen, dass wir fast eine glatte Stunde überzogen hatten. Es war mir eine Ehre.

Volle Hütte im Fanprojekt
Danke, lieber Andreas Kirchner für den warmen Empfang.

Am 22. Oktober präsentiere ich mein neues Buch „Fußballheimat Württemberg“ im VfB-Fanprojekt. Gemeinsam mit den Menschen, die in den Episoden die Hauptrolle spielen – unter anderem eine Wegbereiterin des Frauenfußballs, ein Nationalmannschaftskapitän und ein Amateurtorwart, der im Sturm um die Welt ging.

Hier die offizielle Pressemeldung zur Einladung:

„100 Orte der Erinnerung“ lautet der Untertitel des neuen Buches. Für sein zweites Werk „Fußballheimat Württemberg“ hat der Fußballautor Bolzplätze, Fankneipen und Stadien zwischen Hollenbach und Friedrichshafen gesammelt. Doch die genannten Orte dienen lediglich als Aufhänger. Im Grunde handeln die verschiedenen Kapitel von Ballkünstlern, Vereinsmeiern und anderen schwäbischen Spielmachern, bei denen die Leidenschaft am schönen Spiel im Vordergrund steht. „Meisterschaften und Siege sind nicht die Kriterien“, sagt Sautter über das, was ihn besonders fasziniert hat. „Wer verliert, hat oft die besseren Geschichten zu erzählen.“ 

Selbstverständlich finden sich in „Fußballheimat Württemberg“ alle Meister, Aufsteiger und legendäre Pokalhelden, die das Land hervorgebracht hat. Aber auch Erfinder, Revolutionäre und manche Fußballverrückte haben den Lauf des Balles so nachhaltig verändert, dass sie zu Legenden wurden. Im Fußball spiegelt sich die Zeitgeschichte. Im Großen und im Kleinen, zum Beispiel in der winzigsten Tribüne des Landes und im Acker, über den die schlechteste Mannschaft Deutschlands pflügte.

Zur Buchpräsentation wird sich der Autor mit den Akteurinnen und Akteuren unterhalten, deren Geschichten über das Spielfeld hinaus reichen: Evelyn Klumpp, die dem Frauenfußball im Land kräftig Beine gemacht hat, Dr. Reiner Fricke, Sohn eines der besten Arbeiterfußballers aus den Roaring Twenties, Gojko Cizmic, Zeitzeuge und Archivar der legendären Yugoliga, Alexander Fangmann, Kapitän der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft, sowie Alexander Sollner, der als Kreisligatorwart weltweit für Aufsehen sorgte.

Die Präsentation

Fußballheimat Baden-Württemberg

Buchpräsentation mit Gästen im VfB-Fanprojekt

Dienstag, 22. Oktober 2019, 19.30 Uhr

im VfB-Fanprojekt, Hauptstätter Straße 41

Volle Hütte im Benninger Museum im Adler. Hier der Bericht der Ludwigsburger Kreiszeitung:

Seitdem der TSV Benningen 1899 im Jahr 1960 als württembergischer Meister in die oberste Amateurliga aufgestiegen war, ist für Benningen die Fußballgeschichte ein besonderes Highlight. Keine Frage, dass dieses Thema zum 30-jährigen Jubiläum des örtlichen Heimatmuseums einen besonderen Stellenwert bekam. Passend dazu fand nun die Autorenlesung mit Bernd Sautter statt, der – akribisch recherchiert und sorgfältig dokumentiert – 94 Fußballgeschichten in seinem Buch Heimspiele Baden-Württemberg zusammengefasst hat. Einige davon erzählte er im Museum im Adler vor rund 30 Besuchern.

Das Publikum ist bestens im Thema, immerhin gebe es in Deutschland gut 40 Millionen Bundestrainer, sagte Sautter ausgenzwinkernd. Der Auricher, der sich von der Mutter bereits im Alter von vier Jahren die Aufstellung der damaligen Nationalmannschaft Uruguay aus dem Kicker-Sonderheft von 1970 vorlesen ließ, kennt mittlerweile die baden-württembergischen Clubstrukturen- und Geschichten wie wohl kein anderer. Der besonderes Reiz seines Buches liegt zweifelsfrei in der Tatsache, dass der freiberufliche Werbetexter und Fußballfreak Sauter literarische Kompetenz mit fußballerischem Sachwissen kombinieren kann, sagte Museumsdirektorin Christina Vollmer. Thema des 52-jährigen ist zum Beispiel das Verbot des Frauenfußballs 1955 durch den DFB, das die zur Damenelf zusammengestellte Affalterbacher TSV-Gymnastikgruppe jedoch nicht davon abhielt, ein Benefizspiel gegen ihr Äquivalent aus Weiler zum Stein abzuhalten. Das Spiel lockte 2000 Zuschauer auf den Sandplatz am Lemberg und spülte dem Pfarrer 1000 Mark in den Kirchensäckel. Und das trotz der einheimischen Unkenrufe „Ihr spennat doch“.

Sautter hat noch viele zu erzählen, zum Beispiel davon, dass früher die Gemeinschaft und der Sport selbst im Mittelpunkt standen und nicht so sehr die Ergebnisse. Er erzählt vom VfR Heilbronn, der 1988 als Außenseiter ggen den FC Bayern München im Frankenstadion spielte, ein Spiel, das nach Sonnenuntergang abgebrochen wurde, weil es dort keine Flutlichtanlage gab, und die kurzerhand angeforderten Großscheinwerfer der örtlichen Feuerwehr dem damaligen Bayern-Trainer zufolge eher eine Barbeleuchtung glich. Aus dieser Zeit habe Jupp Heynckes den Spitznamen „Osram“ und Heilbronn den historischen Sieg mit 2:1 über den Champion davongetragen.

Der heute in Plieningen lebende Autor erzählt auch von den Errungenschaften, die der Fußball seiner Hochburg Baden-Württemberg zu verdanken hat. Cannstatt sei die erste Stadt gewesen, in der man Fußball gespielt hatte. Das war bereits 1865, noch bevor in England nach Trennung nach Trennung des Fußballs vom Rugby die offiziellen Regeln eingeführt wurden. „Wir waren die ersten“, kosntatiert er mit Leidenschaft, die den ganzen Abend über spürbar ist. Auf die Idee, die Handschuhe des Torwarts mit einer rutsch-hemmenden Latex-Auflage zu bekleben, kam das Metzinger Unternehmen Reusch. Selbst Tipp-Kick ist eine hiesige Erfindung.

Von diesem Spiel wird im nächsten Buch eine Geschichte über Hirschlanden zu finden sein. Auch für Benningen ist ein Kapitel reserviert, für das Sautter an diesem Abend ergänzend noch ein Interview mit Rudi Entenmann führte, der 1961 zum VfB Stuttgart wechselte. Für seine Heimat-Fußball-Bücher ist ihm offenbar kein Aufwand zu groß. So hat er das gesamte unglaubliche Leben Albert Olbrechts recherchiert und in Interviews mit dem damals 99-jährigen nachvollzogen, wie ein einzelner Mensch innerhalb von zehn Jahren in Ettlingen ein ganzes Stadion ohne fremde Hilfe bauen konnte. Auch hier gilt: Der Fußball macht’s möglich. Denn diese Geschichte ist wirklich wahr, wie alles, was der schwäbische Patriot Sautter in liebevoller Kleinarbeit an Bildern und Anekdoten für knapp 300 großformatige, farbig bedruckte Seiten zusammengetragen hat. Dies, damit das Ländle in Sachen Fußballliteratur im deutschlandweiten Vergleich endlich auch mithalten kann. Es ist im Silberburgverlag erschienen.

Autorin für die Ludwigsburger Kreiszeitung: Sabine Krell

Fußball im Heimatmuseum? Aber natürlich. Dort gehört er auch hin. Natürlich ist das gute Spiel auch auf dem Dorf ein hochbindender Kitt, der die Menschen zusammen hält. Darum ist die Ausstellung im Benninger Museum im Adler unbedingt sehenswert. Wer am Donnerstag, den 11.4. nichts anderes vorhat: An diesem Abend gibt’s nicht nur die Ausstellung, sondern auch noch eine Lesung.

Lesung Heimspiele Baden-Württemberg im Museum im Adler in Benningen: 11. April ab 19.30 Uhr

Auf die Lesung in Benningen freu ich mich ganz besonders – und das liegt nicht nur am schönen Benningen und der wundervollen Fußballausstellung, in deren Mitte ich einige Texte vorspielen darf. Die Vorfreude ist deshalb so groß, weil ich die Gelegenheit nutzen kann, aus dem Skript vom neuen Buch vorzulesen. Manche Kapitel aus dem neuen Werk „Fußballheimat Württemberg“ passen wundervoll in dieses kleine, aber schicke Heimatmuseum. Für Fußballheimat Baden-Württemberg bin ich mehr als ein Jahr über die Dörfer gefahren und habe dort einige Geschichten ausgegraben, die zu Unrecht niemals aufgeschrieben wurden. In Benningen werde ich einige neue Kapitel aufschlagen – wobei eines davon tatsächlich in Benningen spielt.

Zur Website der Veranstaltung: www.museum.in-adler.de

Endlich! Die Ausstellung „fan.tastic females“ rückt die Frauen unter den Fußballfans ins Licht. Die Ausstellung mit beeindruckenden Dokumenten und spannenden Geschichten kommt jetzt nach Stuttgart. Zu sehen zwischen 6.4. und 18.4. im VfB-Fanprojekt Stuttgart, Hauptstätter Str. 41. Die Podiumsdiskussion mit der Co-Ausstellungsmacherin Antje Grabenhorst findet am 8.4. statt.

Wieder eine spannende Veranstaltung im Fanprojekt, für die ich mich gerne einsetze. Freue mich vor allem auf die Podiumsdiskussion, am Montag 8. April 2018. Hier einige Infos über die Hintergründe von Ausstellung und Diskussionsabend.

Mehr als ein Viertel der Stadionbesucher in Deutschland sind weiblich. In einer Studie geben mehr als die Hälfte aller Frauen zwischen 16 und 69 Jahren an, dass sie an Fußball interessiert sind. Das sind 18 Millionen weibliche Fußballfans. Die Liebe zum Fußballspiel hat längst eine deutlich weibliche Dimension. Doch in der allgemeinen Wahrnehmung kommen die Frauen in den Fanszenen kaum vor. Dagegen ist das Bullshit-Bingo von Frauen und Fußball kaum auszurotten. Ausgehend von der Frage, was wohl bitteschön abseits sei, wird den weiblichen Fans aller Orten Kompetenz und Hingabe abgesprochen. Die Männergesellschaft dominiert. Manchmal ist es krasse Diskriminierung und schlimmer Sexismus.

Weil bereits das abgestandene Frauenklischee gehörig auf die Nerven geht, konzentriert sich die Ausstellung „fan.tastic females – football her.story“ komplett auf das weibliche Gesicht des Fußballs. Dabei geht es keineswegs um plumpe Abgrenzung oder den erhobenen Zeigefinger. Es geht vor allem um wundervolle Geschichten und ihre ausschließlich weiblichen Hauptdarstellerinnen, die möglicherweise bekannter wären, wenn es sich um Männer gehandelt hätte. Die Ausstellungsmacherinnen des Netzwerks Football Supporters Europe haben ihre Storys in sechs verschiedene Kategorien eingeteilt: weibliche Fans wie du und ich, weibliche Ultras, Frauen in Führungspositionen, Ikonen der Fankultur, weibliche Fan-Netzwerke und weibliche Fangruppen. 

Von der Sektion Menstruation aus Österreich über die slowakischen Gangster Girls bis zu einer weiblichen Hooligan Gruppe inszeniert die Ausstellung die gesamte Bandbreite. Dass die Liebe zum Spiel auch unter gesellschaftlich schwierigen Bedingungen glüht, bestätigen weibliche Fans von Besiktas und Hapoel Katamon Jerusalem. Auch die Geschichten werden erzählt, die fast zu schön sind, um wahr zu sein: zum Beispiel von der schottischen Dauerbesucherin, Jahrgang 1924, die seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts fest zu ihrem Verein hält. Die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Antje Grabenhorst konzipierte die Ausstellung mit. Grabenhorst beschreibt den großen gemeinsamen Nenner aller Hauptdarstellerinnen: „Sie alle verbindet, dass sie das Fußballstadion als ihr Zuhause sehen.“

Weil „fan.tastic females“ alles andere als eine trockene Ausstellung ist, sollten die Gäste auf einen vollen Akku ihres Smartphones achten. Auf den Tafeln sind QR-Codes aufgebracht. Wer sie scannt, erlebt die fantastischen Geschichten in kurzen Filmen. Die Ausstellung war bereits an einigen Bundesligastandorten zu Gast. Die Fanbetreuung des VfB Stuttgart und das VfB-Fanprojekt haben in einer Gemeinschaftsaktion fan.tastic females nach Stuttgart geholt. Eröffnet wird die Ausstellung zum VfB-Heimspiel gegen Nürnberg am Samstag, den 6. April. Der Raum des VfB-Fanprojektes in der Hauptstätter Straße 41 steht rund um die beiden Spieltage gegen Nürnberg und Leverkusen offen – sowie an Werktagen von 15 bis 20 Uhr. Die Ausstellung in Stuttgart, die am 18. April weiterzieht, wird unterstützt von der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik Baden-Württemberg.

Am Montag den 8. April laden die Veranstalter zu einer Podiumsdiskussion ins VfB-Fanprojekt ein. Mit von der Partie sind die Co-Ausstellungsmacherin Antje Grabenhorst, die Vorsitzende des Landtagsausschusses für Kultus, Jugend und Sport Brigitte Lösch, die schon seit Jahren eine Dauerkarte beim VfB Stuttgart hat. Außerdem auf dem Podium: die Fanbeauftragte des VfB Stuttgart Antje Büscher-Tittes und Britta Kotzuschkewitz vom VfB-Fanclub Chaoszwerge. Die Podiumsdiskussion wird moderiert von Swantje Dake, der Chefredakteurin Digital der Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten. Los geht’s um 19.30 Uhr.

fan.tastic females
im VfB-Fanprojekt
Hauptstätter Str. 41

Ausstellung
6. April bis 18. April
Mo. – Fr.  15 bis 20 Uhr
und rund um die VfB-Heimspiele

Podiumsdiskussion
Montag, 8. April, 19.30 Uhr

Danke für’s Foto an fan.tastic females /Ariane Gramelspacher


Oder noch mehr? Beim Traditionsabend im VfB-Fanprojekt hat sich schnell herausgestellt, welch großes und unübersichtliches Thema wir besprechen. Doch gerade dort, wo objektive Meinungen kaum zu formulieren sind, kann ein Meinungsaustausch spannend werden. Auf dem Podium diskutierten: Hardy Grüne (Fußballhistoriker, von der FAZ als „Gedächtnis des deutschen Fußballs“ geadelt), Prof. Dr. André Bühler (Direktor des Deutschen Instituts für Sportmarketing) und Martin Harsch (Brustring-Talk). Inklusive Publikum waren mehr deutlich mehr als 50 Perspektiven auf die Tradition vorhanden.

Auf den Brustring-Talk von Martin Harsch verlinke ich an dieser Stelle gerne. Dort kann man die gesamte Veranstaltung nachhören.

https://www.brustringtalk.de/bt061-traditionsabend-im-vfb-fanprojekt-mit-hardy-gruene/

Einige Statements, quer durch die verschiedenen Epochen und Aspekte unserer Diskussion:

Martin Harsch: „Für uns Fans ist die Tradition ein ganz ganz wichtiges Thema. Mit der Tradition können wir uns abheben. Uns gibt’s länger. Wir haben schon in den Fünfzigern und Sechzigern Erfolg gehabt. Natürlich hab ich das nicht selbst erlebt. Bis mir mein Papa mal erklärt hat, wer dieser Schlienz war. „

Hardy Grüne: „Was ist eigentlich Tradition? Beim VfB ist das unbestritten. 1893 die Wurzeln, seither eine stringente Linie, da kann man definitiv von einem Traditionsverein sprechen. Es wurde Leverkusen erwähnt, es wurde Wolfsburg erwähnt. Leverkusen ist 1904 gegründet, vor der Stadt Leverkusen, seither eine stringente Linie im Fußball. Kein Traditionsverein, nur weil Bayer dazu steht, finde ich schwierig. Wolfsburg. Die Stadt Wolfsburg ist 1945 gegründet. Der VfL Wolfsburg ist 1945 gegründet. Der konnte gar nicht früher gegründet werden. Der VfL hat in den fünfziger Jahren in der Oberliga Nord gespielt, hat den HSV geschlagen. Keine Tradition? Find ich schwierig. Die Definition der Tradition ist schwer und immer eine Frage der Perspektive.“

Hardy Grüne: „Ich finde es sehr spannend zu sehen, dass Tradition auch beweglich ist. Wo wir gerade beim VfB Wappen sind… offensichtlich fängt sie beim Wappen nicht bei 1893 an, dann wären wir nämlich beim Kronenklub oder dem Stuttgarter FV, sondern wir sind bei der Zeit, so 1949, bei dem Wappen, das eingeführt wurde und jetzt wieder verwendet wird. Der Begriff Tradition ist also offenbar etwas flexibel. Viele verbinden das meistens mit einer Zeit, in der sie groß geworden sind.“

André Bühler: „Tradition hängt viel mit Geschichten zusammen, die man erlebt hat. Meine VfB Tradition besteht aus Jürgen Klinsmann, Fallrückzieher, 7:0 gegen Dortmund mit zwei Allgöwer-Toren, die Meisterschaften 92 und 2007, das sind Geschichten. Natürlich kann RB Leipzig diese Geschichten jetzt noch nicht erzählen, aber wenn es die in 40 Jahren noch geben sollte, dann haben sie die gleichen Geschichten wie der VfB jetzt.“

André Bühler: „Meine Familie regt sich traditionellerweise seit 40 Jahren über den VfB auf. Das ist auch eine Form der Tradition.“

Hardy Grüne: Wir reden ja gar nicht über Tradition, wir reden über Kommerz. Und Kommerz ist etwas, das immer zum Fußball gehört hat. Da sind wir wieder bei dem Ding Früher-war-alles-besser. Aber in den Zwanziger Jahren haben sie auch überall gemeckert, weil vieles zu kommerziell geworden ist.“

André Bühler: Was mich an dem Konstrukt Leipzig aufregt: Red Bull ist ein Marketingkonzern, die zufälligerweise auch Energydrinks herstellen. Aber sie erzählen die Geschichte, sie wollen diesen Bundesligastandort Leipzig aufblühen lassen. Absolut gar nicht! Null! Die wollen auch gar nicht erfolgreich Fußball spielen lassen. Die wollen ihre Getränkedosen verkaufen. Das ist das Narrativ und das stört mich, dass sie das nicht offen zugeben.“

Martin Harsch: „Mein Vater ist ein überzeugter Schwabe. In Fellbach aufgewachsen. Ich hatte recht früh eine Flagge vom Königreich Württemberg, auf der „Furchtlos und treu“ stand. Deswegen ist für mich das „Furchtlos und treu“ nicht negativ belegt. Es kam ja auch bei der Gründung zu dieser Verbindung zwischen Königreich und Volk. Wir gemeinsam, furchtlos und treu.“

Teaser: Nächste Veranstaltung. fan.tastic females. Ausstellung und Diskussion über Frauen in Fanszenen. Diskussion am Montagabend, 8. April 2019. Herzlich willkommen!


Schön, wenn Buch einen Anstoß gibt, die angesprochenen Themen noch etwas zu vertiefen. Das Verhältnis von Fußball und Heimat ist aktueller denn je. Die Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin hat eine viel beachtete Veranstaltung daraus gemacht. Neben meiner Wenigkeit waren geladen: der Journalist Christoph Ruf, Fritz Keller (Präsident des SC Freiburg) und Dirk Zingler (Präsident von Union Berlin). Jessi Wellmer hat moderiert.

Hier einige Bilder und Zitate:

Dirk Zingler: “Die Verantwortung der Vereine ist, für etwas zu stehen, ein klares Wertegerüst zu bieten. […] Uns geht es um ‘Fußball pur’, aber Fußball ist nicht nur das Spiel, sondern auch ein soziales Miteinander auf den Rängen.”

Fritz Keller: Der Fußball hat etwas. Wir möchten wirklich alle haben, aber sie müssen mit den Werten leben, die wir vorleben. Es gibt auch eine Chance. Gerade für Leute vom Rand der Gesellschaft, die orientierungslos sind, die sind bei uns herzlich willkommen, sie müssen aber lernen mit unseren Werten umzugehen. Das ist unsere gesellschaftliche Verpflichtung.“

Christoph Ruf: „Es geht um das Stadionerlebnis. … Für mich ist Fußball auch Heimat … Was Fußball auch leistet, ist dieses Gemeinschaftserlebnis, das du vor dem Fernseher nicht hast. … Ich glaube, das hat ganz viel damit zu tun, wie sich die Fans selbst organisieren und kann nur bedingt vom Verein beeinflußt werden.“

Wer etwas Zeit mitbringt: Einfach auf das untere Bild klicken, dann gibt’s den Mitschnitt in voller Länge. Bitte nicht erschrecken, ich hatte das Vergnügen zu beginnen.

Genauer gesagt: in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg in Berlin. Ziemlich coole Location, muss ich schon sagen.

Schön, wenn mein Buch immer wieder Anstösse zum Nachdenken liefert. Und das sogar über die Grenzen von Württemberg und Baden hinaus. Dass dabei ein kleiner Auftritt in Berlin für mich abfällt, darüber kann ich als Schwabe nicht meckern.

Um was geht’s: Heimspiele bekommt einen Hashtag und wird zu #MeinHeimspiel. Unter diesem Motto steht ein Abend in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg in Berlin, an dem wir der Frage nachgehen, was Fußball und Heimat miteinander zu tun haben. Konkret: Was gibt mir mein Drittligist und was kann mir Neymar nicht geben?

Auf der Bühne lauter Prominenz. Fritz Keller (Präsident des SC Freiburg) Christoph Ruf (Fan und Journalist) und Dirk Zingler (Präsident des 1. FC Union Berlin). Und ich (nicht so promiment). Moderation hat Jessi Wellmer von der ARD Sportschau.

#MeinHeimspiel
Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund
23. Januar, ab 18.30 Uhr

Danke an Steffenz für’s Beitragsbild via Pxhere