Was man nicht alles über den Autor wissen muss

Sautter kam im Sommer zur Welt, in dem das Wembley-Tor fiel. Drei Jahre später wurde Oliver Kahn geboren. Auch an einem 15. Juni.  Schon als Sautter vier Jahre alt war, zwang er die Mutter die uruguayanische Mannschaft aus dem kicker WM-Sonderheft so lange vorlesen, bis er alle elf Spieler auswendig aufsagen konnte. Mit diesen und ähnlich Lernerfolgen verbrachte er seine halbe Kindheit. Es hätte auch eine Kicker-Karriere werden können. Doch bereits in der C-Jugend kamen den Trainern erste Zweifel auf. In die Stammformation hatte es gerade so gereicht. Aber mehr war nicht drin. Kein Bundesliga-Scout weit und breit, der sich für den kleinen Mittelfeldmotor des TSV Aurich interessiert hätte. Die große Karriere war schon vorbei, bevor Außenstehende einen Ansatz davon erkennen konnten.

Stattdessen konzentrierte sich Sautter auf andere Leidenschaften. Früh konnte er verwacklungsfrei und abschlussstark eine Kamera halten. Also Fotografie. Zwei Jahre verbrachte der hoffnungsvolle Nachwuchskreative an einer Schule, die sich ganz an der Bauhaus-Tradition orientierte. Die Wände waren weiß, kein Bild störte die Konzentration auf die eigene Kreativität. Die Einrichtung bestand im wesentlichen aus hochfunktionalen Klappstühlen, auf die man sich nur sachte hinsetzen konnte, weil sie sonst in sich zusammen brachen. Der Schulleiter hatte sich einen Bart wachsen lassen. Er sah aus wie Ansel Adams, der große amerikanische Foto-Künstler. Alles war auf die Kunst ausgerichtet. Aber am Ende war es nur Pforzheim. Die Schule hat inzwischen dicht gemacht. Sautter wurde Werbetexter.

Mit den Buchstaben ging es besser. Nicht immer fehlerfrei, aber mit großer Ambition. Als Schreiberling für Unfallversicherungen, Maultaschen und überflüssiges Zahngold machte Sautter in Insiderkreisen von sich reden. Bereits nach zwanzig Jahren engagierten Formulierens wurden erste Stimmen laut, die ihn dazu animierten, ein Buch in Angriff zu nehmen. Da der Wunsch gleich zu zahlreich geäußert wurde, konnte er nicht widerstehen. Erstes herausragendes Ergebnis des Lernens am eigenen Werk: Sautter weiß, dass „uruguayanisch“ falsch ist. „Uruguayisch“ muss es heißen.

Und kürzlich war er sogar im Fernsehen, der Sautter…