Ausrollen nach Annaberg, 57 km, 600 Höhenmeter

Die Athletin auf den Skirollern war fast so schnell wie wir. „Wintersportler werden im Sommer gemacht“, sagte sie in lockerem sächsisch, als ich ein paar Meter neben ihr rollte. Puh, war die fit. Wie gut, dass wir uns nicht zu den Sportlern zählen, die Leistung- vorne dran schreiben. Andersrum gedacht: Würde das mit den Jahreszahlen auch für uns gelten, müsste man bei Wind und Wetter raus. Im Winter! Mit Trainingsplan und so. Ach nee. Am Ende bekämen diese Reisenotizen einen kämpferischen Tonfall. Bitte nicht.

Wir sind halt einigermaßen windschnittig von Natur. Wintertraining nur wenns mild ist. Wir radeln, weil wir was sehen wollen, und strampeln so weit uns die Waden kurbeln lassen. Ein Genuss, wenn’s läuft. Und wenn sich eine Grenzerfahrung draus machen lässt, um so besser.

Apropos Grenze, damit jetzt nicht die deutsch-tschechische gemeint. Heut morgen tatsächlich der Michl platt wie sein Reifen kürzlich. Aber mal richtig im Sack. Antritt am flachen Berg wie ne tote Oma. Die Reifen kannst du flicken und aufpumpen. Die Luft im Körper braucht etwas, bis die Waden wieder wollen. Die Extremsportler faseln dann immer was von „eigene Grenzen verschieben“, steigen auf Berge, kommen unter Lawinen oder kriegen anderweitig einen Kollaps. Diejenigen die irgendwo ankommen, sind längst arbeitslos, halten Diavorträge in Kleinstadthallen oder sitzen mal in einer Talkshow, wenn sie Glück haben. Von uns ist nichts dergleichen zu befürchten. Wir beschließen auf Erzgebirgshöhen zwischen Rübenau und Kühnhaide, dass es besser wäre die Grenzerfahrung zu halbieren. Wir werden auch keine Unternehmensberater zu einem schicken Sabbatical auf dem Rad überreden, an dem wir als Personal Trainer, Reiseleiter oder sonstwas die Kohle für die nächste Reise verdienen. Nichts von alledem. Stattdessen nehmen wir nochmal die 14-Prozent-Steigung in Jöhstadt. Nur zum Check. Dann rein ins Café. Eis und Apfelstrudel fett. Dann gehts im Zug nach Hause. Erzgebirge, wir kommen wieder. Fortsetzung folgt. So sicher wie das „Gar“ vor dem „Nicht“, wenn du von einem Sachsen etwas außer der Reihe willst.

Erkenntnis der Grenzerfahrung Teil 1: Die deutsche Ostgrenze absolut erfahrenswert. Vor allem mit dem großen Connaisseur und Rouleur Michl Luz, der in jeder Situation das Beste aus den Leuten herausholt, vor allem wenn sie Essen reichen. Von uns beiden geht ein herzliches Dankeschön raus an alle, die uns mit Likes, Posts und Kommentaren motivierten oder wenigstens die Freundschaft nicht beendeten, obwohl wir eine Woche lang nervten mit Aufsätzen vom Inhalt „Mein schönstes Ferienerlebnis. Danke (sagt Michl) Danke (sagt Bernd). Bis zur nächsten Antiextrem-Tortour.

Saigersmühle in Olbernhau
Garagen bei Krähwinkel
Zwischen Reitzenhain und Reitzenhain
Annaberg Bahnhof