In Stuttgart muss man Abschied nehmen. Nicht von der Bundesliga (noch nicht). Für viele Fans kommt es schlimmer. Seit langem treffen sie sich in Otto’s Vesperstüble hinterm Stadion. Die Geschichte der kultigen Bier- und Schnitzel-Baracke habe ich im Buch aufgeschrieben. Meine letzten Sätze: „… die Uhr des Vesperstübles läuft ab. Es gibt keine Chance auf Verlängerung des Pachtvertrages. Die Stadt saniert gerade das gesamte Areal. Noch weiß niemand, wie die Kultkneipe zum dritten Mal gerettet werden kann.“

Inzwischen steht fest: Nichts und niemand kann das Stüble retten. Das  Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach war eines der letzten, bei dem man die Kneipe besuchen konnte. Schon als ich das Buch schrieb, musste man befürchten, dass dieser historische Ort verschwinden würde. Insofern bin ich froh, dass ich mit meinem Werk  dazu beitragen konnte, das Vesperstüble auf immer im kollektiven Fan-Gedächtnis zu verankern.

Beim Heimspiel am Samstag durfte ich die Gelegenheit nutzen,  dem Wirt Theo Wörz am Originalschauplatz „Heimspiele“ in die Hand zu drücken. Auch die Stunden danach verliefen stilecht. Otto’s Vesperstüble eignet sich bestens, um Niederlagen bei Gerstenkaltschalen und assistierenden Kräuterlikören nach Art der Jägersmänner zu vergessen. Ob die Bierbaracke nochmal einen Sieg erleben wird? Angesichts der aktuellen VfB-Niederlagenserie bei Heimspielen darf man es bezweifeln.